Migros wagt nach Flops neuen Anlauf mit Online-Lieferungen
Sie hat es schon mehrfach probiert. Nun versucht es die Migros ein weiteres Mal. Sie lanciert ein neues Angebot für die rasche Lieferung von Supermarkt-Artikeln. Dies gibt die Firma Just Eat am Montag bekannt. Sogar von einem «Meilenstein im Schweizer Detailhandel» ist die Rede.
Ab dem 4. Mai kooperiert die Migros mit dem holländischen Uber-Eats-Konkurrenten. Ab dann soll ein Sortiment aus über 10'000 Artikeln auf der Just-Eat-App verfügbar sein. Innerhalb von höchstens 60 Minuten sollen sie dann direkt aus den Supermärkten in die Haushalte geliefert werden – zu regulären Ladenpreisen, wie es bei Just Eat heisst.
Vorerst gilt das Angebot aber nur im Einzugsgebiet der Migros-Regionalgenossenschaften Genf, Wallis und Tessin. Welche Gebiete bei der neuen Migros-Partnerschaft als nächstes erschlossen werden sollen, gibt Just Eat nicht bekannt. Die Migros-Zentrale ist jedenfalls beim neuen Projekt nicht beteiligt.
Zustellung per Auto, E-Bike oder Velo
Die Bestellungen werden laut Just Eat im jeweiligen Supermarkt durch Migros-Fachpersonal zusammengestellt und für den Versand vorbereitet. Anschliessend übernimmt die Kurierflotte von Just Eat die Auslieferung. «Die Fahrerinnen und Fahrer sind nach Schweizer Arbeitsrecht fest angestellt, versichert und erhalten Sozialleistungen», hält die Lieferfirma fest.
Die Zustellung erfolgt im Umkreis von zwölf Kilometern durch einen Mix aus Autos, E-Bikes und Velos. Um die Gesundheit der Fahrerinnen und Fahrer zu schützen, werden Lieferungen ab 7,5 Kilo gemäss Angaben des Lieferdienstes ausschliesslich per Auto transportiert.
Bereits vor zwei Jahren ging Just Eat mit der Supermarktkette Spar eine ähnliche Partnerschaft ein, vorerst in der Stadt und Agglomeration von Zürich, später auch in Basel. Allerdings gab es beim Start einen Unterschied: Die Lieferung dauerte im Schnitt nur 45 Minuten und die Produkte kosteten etwas mehr als in der Filiale.
Lieferungen mit Mini-Margen
Das Geschäft mit der raschen Lieferung von Lebensmitteln ist eines mit sehr kleinen bis negativen Margen. Bisherige Erfahrungen haben gezeigt, dass es – wenn überhaupt – in sehr dicht besiedelten Städten funktioniert, mit kurzen Lieferwegen. Jedenfalls sind in den vergangenen Jahren mehrere entsprechende Pläne von Firmen wie Valora, Stash oder Aldi gescheitert oder wurden zurückgestuft. Kommt hinzu, dass in der Schweiz inzwischen auch ein grosses Netz an sogenannten Convenience-Shops wie Migrolino oder Coop Pronto existiert. Deren längere Öffnungszeiten machen die Online-Bestellung für viele Leute obsolet.
Dementsprechend erstaunt die Offensive der Migros. Umso mehr als sie selbst ähnliche Projekte jüngst aus Rentabilitätsgründen zuerst gebührenpflichtig und später ganz eingestellt hat. So etwa den Lieferdienst My Migros, ein Unterfangen der Migros Aare, die sich über die Kantone Aargau, Solothurn und Bern erstreckt. Kleine weisse Elektrolieferwagen verteilten am Tag die Einkäufe in die Haushalte der Migros-Kundschaft – zuerst nur im Stammgebiet und gratis, später auch in Zürich und gegen eine Liefergebühr.
Doch es half alles nichts, der Lieferdienst schrieb weiterhin tiefrote Zahlen. Im Spätsommer 2023 zogen die Verantwortlichen die Reissleine: Sie stellten den Lieferdienst ein. Insgesamt 270 Mitarbeitende bei der Migros und beim zum Post-Konzern gehörenden Fahrdienst Notime waren betroffen.
Und auch die nun wieder aktiv werdende Migros-Regionalgenossenschaft Genf hat alles andere als erfolgreiche Erfahrungen mit Lieferdiensten gemacht. So sah sie sich erst Anfang Jahr gezwungen, ihre Kuriertochter Smood einzustellen, die nebst Restaurant- auch Supermarkt-Bestellungen auslieferte. 427 Mitarbeitende waren von diesem Schritt betroffen.
Kurzzeitig – im Pandemiejahr 2021 – hatte auch die Migros Zürich mit dem Genfer Lieferdienst kooperiert. Damals gab es aber auch Kritik: Die Gewerkschaft monierte falsche und undurchsichtige Abrechnungen. Manche Angestellte hätten für eine 50-Stunden-Woche Nettolöhne von 3000 Franken erhalten. In verschiedenen Romandie-Städten kam es zu Streiks.

