Sarco-Erfinder wollen Suizidhalsband Kairos in der Schweiz testen
Das Suizidhalsband Exit Kairos Kollar soll mit zwei aufblasbaren Ballons gezielt Druck auf die Halsschlagadern und Barorezeptoren ausüben, wodurch der Blutfluss zum Gehirn deutlich eingeschränkt wird. Das führt zur Bewusstlosigkeit und schliesslich zum Tod.
Benannt ist das Halsband nach Kairos, dem griechischen Gott des günstigen Augenblicks, des passenden Moments und der Gelegenheit.
«Es funktioniert wie ein Airbag im Auto: Knopf drücken, es knallt, man wird ohnmächtig und stirbt», beschrieb Philip Nitschke den Prozess gegenüber der australischen Zeitung «Herald Sun». Der Erfinder hatte das Halsband ausgewählten Journalistinnen und Journalisten im vergangenen Jahr bei einem Workshop in den Niederlanden demonstriert – an einer Plastikpuppe.
Nun soll das Suizidhalsband in der Schweiz erstmals an einer echten Person getestet werden, bestätigt Nitschke gegenüber dem Beobachter. Noch in diesem Monat will er mehr Informationen auf einer Pressekonferenz bekannt geben. Eine niederländische Patientin soll für den Versuch zur Verfügung stehen.
Auf X schreibt Nitschke:
Nitschke, ehemaliger Arzt in Australien, leitet die Sterbehilfeorganisation Exit International. In der Schweiz wurde er durch die Suizidkapsel Sarco bekannt, die es einer Person ermöglicht, mithilfe eines Knopfdrucks zu sterben. Das funktioniert durch die langsame Senkung des Sauerstoffgehalts mithilfe von Stickstoff, was innerhalb von zehn Minuten zu rascher Bewusstlosigkeit und Tod führt.
Ende September 2024 setzte The Last Resort, Sterbehilfeorganisation und Schweizer Ableger von Exit International, die Suizidkapsel erstmals in der Schweiz ein. Damals stand Florian Willet im Zentrum des Falls, ein Deutscher mit Wohnsitz in der Schweiz und damaliger Präsident der Sterbehilfeorganisation. Er war damals der einzige Begleiter einer schwer kranken 64-jährigen Amerikanerin, die sich als weltweit erste Person mit der Kapsel das Leben nahm. Willet selbst verstarb im vergangenen Jahr ebenfalls durch Suizid.
The Last Resort war daraufhin etwa ein Jahr inaktiv. Nun wurde eine neue Person in den Vorstand eingetragen: Marc Dusseiller, ein 50-jähriger Schweizer. Er sei in die Pläne rund um das Kairos-Halsband eingebunden, berichtet der «Beobachter» – doch Nitschke führe das Projekt.
In der Schweiz erhält niemand Sterbehilfe ohne die Zustimmung eines Arztes, der unter anderem die Urteilsfähigkeit bestätigen und ein unerträgliches Leiden attestieren muss. Mit der Sarco-Kapsel und dem Kairos-Halsband wollen die Aktivisten um Nitschke diesen aus ihrer Sicht «ärztlichen Paternalismus» umgehen. Strafbar machen sich Sterbehelfer nur bei eigennützigen Motiven, etwa durch überhöhte Gebühren. Das Suizidhalsband soll deshalb lediglich die Herstellungskosten von einigen Hundert Franken decken. (hkl)
Lass dir helfen!
In der Schweiz gibt es zahlreiche Stellen, die rund um die Uhr für Menschen in suizidalen und depressiven Krisen da sind – vertraulich und kostenlos.
– Die Dargebotene Hand: Tel 143, www.143.ch
– Beratung + Hilfe 147 für Jugendliche: Tel 147, www.147.ch
– Reden kann retten: www.reden-kann-retten.ch
