Schweiz
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People play craps after the reopening of the Bellagio hotel and casino Thursday, June 4, 2020, in Las Vegas. Casinos in Nevada were allowed to reopen on Thursday for the first time after temporary closures as a precaution against the coronavirus. (AP Photo/John Locher)

In Las Vegas durfte bereits am Donnerstag wieder gespielt werden. Bild: keystone

Das Gezanke um die Öffnungszeiten: Casinos dürfen bis in die Morgenstunden offen haben

In den Clubs und Restaurants heisst es um 24 Uhr Lichterlöschen. Anders in den Casinos: Dort darf bis in die frühen Morgenstunden gepokert werden. Das verärgert Clubbesitzer und Politikerinnen.



Ab morgen darf wieder getanzt und gefeiert werden: Die Clubs können ihre Tore wieder öffnen. Doch: Um Punkt 24 Uhr wird, wie auch in den Restaurants und den Bars, der Stecker gezogen – so will es die Covid-19-Verordnung.

Anders sieht es in den Casinos aus: Dort können die Besucher bis in die frühen Morgenstunden zocken. Weil sie zu den Unterhaltungs- und Freizeitbetrieben gehören, haben sie keine Einschränkungen bei den Öffnungszeiten.

Das stösst den Gastronomen und Club-Betreiberinnen sauer auf. «Wir können das nicht verstehen. Dieser Entscheid führt zu einer noch grösseren Verwirrung», sagt Alexander Bücheli von der Zürcher Bar- und Club-Kommission gegenüber dem Blick. Es könne nicht sein, dass die Casinos nach Mitternacht faktisch ein Monopol hätten.

Auch der Luzerner Geschäftsführer des Rok Clubs Philipp Kathriner ist verärgert. Auf Facebook hat er kurzerhand nicht ganz ernst gemeint gefragt:

«Man fühlt sich als Club etwas ‹verarscht›», sagt Kathriner. Er könne nicht verstehen, warum die Lockerungen bei Casinos dermassen grosszügig ausfallen. «Es ist ja nicht so, dass man den Casino-Betrieb nur nach Mitternacht aufrechterhalten kann», so Kathriner. Er könne zwar verstehen, dass die Schutzmassnahmen in den Casinos gut eingehalten werden könnten. «Aber auch in den Clubs ist die Einhaltung nicht zeitlich beschränkt.» Der Rok Club in Luzern, wie viele in anderen Kantonen auch, bleibt auch dieses Wochenende zu. Zu einschränkend sei die Polizeistunde.Trotzdem: «Ich glaube nicht, dass Club-Gänger stattdessen ins Casino gehen», sagt Kathriner.

«Keine Party bei uns»

Das will auch Swiss Casino, die Betreiberin von vier Casinos in der Schweiz, nicht. «Die Leute sollen nicht das Gefühl haben, dass sie nach dem Besuch im Restaurant noch bei uns Party machen können», sagt Marketingleiter Marco Zemp gegenüber dem Nachrichtenportal FM1Today. Denn die Casino-Bar würde um Mitternacht schliessen. Es dürften nur noch jene Snacks und Getränke konsumieren, die an Spieltischen oder Automaten spielen würden, führt Swiss Casino gegenüber «Blick» weiter aus.

Auf Anfrage von watson erklärt das Bundesamt für Gesundheit jedoch, dass die Restaurationsbetriebe im Casino ab Mitternacht geschlossen sein müssen. Deshalb würde es zu keiner Benachteiligung kommen. Die Polizeistunde bei den Clubs, Bars und Restaurants begründet das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit gegenüber SRF damit, dass bei längeren Öffnungszeiten eine infizierte Person mehrere Bars oder Clubs besuchen und somit «sehr viele» andere Personen anstecken kann.

Abschaffung der Polizeistunde gefordert

«Grundsätzlich mag ich es den Casinos gönnen, dass sie länger offen haben dürfen», sagt FDP-Nationalrat Andri Silberschmidt. Es gehe aber vielmehr darum, dass alle, die die Schutzmassnahmen einhalten können, länger geöffnet sein dürfen. «Wenn auch ein Club diese einhalten könnte, dann ist das eine ungleiche Behandlung», so Silberschmidt. Er verstehe deshalb den Ärger der Club-Betreiber und Gastronominnen. «Es ist schwierig, mit den jetzigen Bestimmungen wirtschaften zu können.»

Auch die Grünen-Nationalrätin Franziska Ryser findet es nachvollziehbar. «Die Clubs sind trotz Lockerung faktisch noch geschlossen. Die Nachtclubszene leidet derzeit extrem, das darf nicht vergessen werden», sagt Ryser. Sie frage sich schon, weshalb tagsüber Veranstaltungen mit 300 Personen möglich sind, aber nachts nicht.

Statt zu verlangen, dass die Casinos auch um 24 Uhr schliessen müssen, sollte man schauen, dass auch die anderen Betreiber länger offen haben dürfen. «Man kann auch den Clubs zutrauen, dass sie die Bestimmungen auch nach Mitternacht einhalten können», so Ryser. Die Abschaffung der Polizeistunde fände Ryser deshalb wünschenswert.

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20Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • hansj 07.06.2020 17:36
    Highlight Highlight Einmal mehr zeigt sich, wie gefährlich der Corona Virus ist: Er killt den gesunden Menschenverstand von Politikern und Beamten!
  • Notabik 07.06.2020 11:14
    Highlight Highlight Das eigentliche Problem ist, dass Partyvolk nach 12 Uhr unberechenbarer wird und die Abstandsregeln nicht mehr richtig einschätzen können. Denn Alkohol macht übermütig.
  • B. Bakker 06.06.2020 16:11
    Highlight Highlight Die Casinos in der Schweiz sind praktisch in Staatsbesitz bzw. finanzieren stark unseren Sozialstaat mit. Dies wäre dann auch der einzige positive Aspekt. Denn daher kommt die Ungleichbehandlung. Daher auch die Annahme des Geldspielgesetzes letztes Jahr.
    Was ausserdem zu etwas sehr gefährlichem führte, zur Einführung der Internetzensur in der Schweiz!
  • Ass 06.06.2020 15:44
    Highlight Highlight Dann muss man jetzt Spielsüchtig werden damit man nach 24.00 etwas trinken kann! Ich sehe der Bund sorgt sich um seine Bürger.
  • Gubbe 06.06.2020 14:25
    Highlight Highlight Ich kann an Spielautomaten, Roulette usw. vorbeigehen, ohne mit der Wimper zu zucken. Ich bin kein Spieler. Zu lange habe ich für mein Geld gearbeitet, um es anderen weiter zu geben.
  • Blitzesammler 06.06.2020 06:43
    Highlight Highlight kann das irgendwie nachvollziehen. In einem Club in dem es nach 23.00 erst so richtig abgeht, die Menschen tanzen, sich Körper an Körper reiben und man sich mit genügend Alkohol auch mal getraut sich einer schönheit anzunähern, ist das Distanz halten nicht mer «wichtig» oder machbar. Das sich die Restaurants auch daran halten müssen verstehe ich jedoch nicht. Oder man könnte einführen, dass ab 24.00 in Casinos keine Getränke mer ausgeschänkt werden. Dann gehen die Leute von alleine nach Hause.
  • andy y 06.06.2020 01:03
    Highlight Highlight Zitat; "Die Polizeistunde bei den Clubs, Bars und Restaurants begründet das B.Amt für Lebensmittelsicherheit damit, dass bei längeren Öffnungszeiten eine infizierte Person mehrere Bars besuchen und «sehr viele» andere Personen anstecken kann."
    Ich kann als infizierter auch Morgens in der proppenvollen S-Bahn zur Arbeit, auf der Baustelle mit 60 andren Handwerkern arbeiten, die Mittagspause am Bahnhof verbringen, Abend mit der wiederum überfüllten S-Bahn nach Hause fahren, danach noch im Glattzentrum zum Einkaufen vorbeigehen, und abends von 19 bis 24h 3 Bars/Clubs besuchen. Komisches Argument
  • andy y 06.06.2020 00:50
    Highlight Highlight Die Casinos gehören zu den wertschöpfungsintensivsten Branchen im Land. Alleine der Bund bekommt im Schnitt rund 450 bis 500 Millionen von den Einnahmen, von denen rund 84% in den Ausgleichsfonds der Alters- und Hinterbliebenen-Versicherung (AHV) einfliessen. Somit eine nicht zu unterschätzende Geldmaschine die schlussendlich uns allen dient.
  • Miss Anthropocene 05.06.2020 23:04
    Highlight Highlight Unglaublich, wie offensichtlich hier Lobbyismus betrieben wird und wir können iwie nicht viel (oder garnichts) dagegen tun. Himmeltraurig...
    • Silent_Revolution 05.06.2020 23:54
      Highlight Highlight Dieser Lobbyismus wird seit Jahren offen gelebt.

      Himmeltraurig dass man noch vor einer Woche über Menschen hergezogen hat, die sich nicht von dieser korrupten Truppe einschränken lassen wollen und heute hat anscheinend schon jeder gewusst, wie willkürlich deren Entscheidungen sein werden.

      Der Bund spielt mit Existenzen, rollt den Reichen und Mächtigen noch mehr zu und das Volk jubelt und pöbelt gegen die Verlierer der Massnahmen, wenn sie auch nur wagen, die geringste Kritik anzubringen.
    • Team Insomnia 06.06.2020 03:24
      Highlight Highlight Volksinitiative starten?
  • Locutus70 05.06.2020 20:30
    Highlight Highlight Tja diese scheibchenweise Lockerungen die rauben vielen den Nerv und immer mehr Existenzen. Mal gucken wie lange diese Strategie noch so weiter geht. Impfstoff soll es ja nach neuesten Erkenntnissen erst Ende 2021 geben.
  • gigus 05.06.2020 19:57
    Highlight Highlight Lobbyismus at its finest.
  • MädMätt 05.06.2020 19:33
    Highlight Highlight Casinos scheinen in der Schweiz eine ausgesprochen starke Lobby zu haben. Zuerst haben sie es geschafft, das bis dato freie Internet zu zensurieren, jetzt haben sie sich auch bei den Corona-Restriktionen Vorteile erschlichen. Was kommt wohl als nächstes?
  • Pisti 05.06.2020 19:31
    Highlight Highlight Wenn die Casinos nicht laufen, gibt es ja bald keine Spielplätze mehr und der Zoo verlottert auch. Absolut verständlich also.
  • HugiHans 05.06.2020 19:13
    Highlight Highlight Tja, die Casino-Lobby ist mächtig. Die haben sogar die Internet-Zensur durch Parlament und Volk gebracht!
    (Geld regiert die Welt 🤮)
  • DeDanu 05.06.2020 19:08
    Highlight Highlight Nach der Annahme des protektionistischen Glückspielgesetztes durch das massive Lobbying ist doch klar, der Staat verdient kräftig mit und das ist natürlich was anderes als in privaten Clubs.
    Mehr und mehr zeigt sich dass Regeln an die Wirtschaftsinteressen angepasst werden. Ein weiteres Beispiel ist z.b. der Einkaufstourismus. Obwohl mittlerweile wieder 100 tausende Grenzgänger jeden Tag problemlos die Grenzen passieren ist das aber für private interessen strikte verboten. Money Talks and Individuals shut up ! So kommt das ganze daher.
    • andy y 06.06.2020 00:53
      Highlight Highlight Ich bin mal neugierig wie lange diese Weisung noch aufrechterhalten wird, ob sie mit der Grenzöffnung am 15.06 ebenfalls fällt. Alles andere wäre nicht mehr nachvollziehbar, obwohl ich damit die letzten Wochen schon so meine Probleme hatte.
  • Menü 1 mit Suppe 05.06.2020 19:04
    Highlight Highlight Ouuuu, ich will auch endlich "crabs" spielen können in der Schweiz
  • Silent_Revolution 05.06.2020 18:20
    Highlight Highlight Spätestens seit letztem Sommer sollte jedem in diesem Land klar sein, wie mächtig die Casinos in der Schweiz sind und wie immens hoch ihr Einfluss in die Parteipolitik ist.

    Ich habe von Anfang an gesagt, dass Massnahmen und Hilfe in einer von Lobbys dirigierten Politik diejenigen bevorteilen werden, die den engeren Bezug nach Bern haben.

    Die Ausflüchte des unterwanderten BAG sind lächerlich. Man hat die Casinos den Clubs gegenüber klar bevorteilt und zwar nur deshalb, weil im Hintergrund Gespräche geführt wurden. Gespräche die nicht jeder Wirtschaftszweig führen kann.

    Pure Korruption.

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