Schweiz
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Scheidungen sind out – und das hat seine Gründe

Warum bleiben Paare länger zusammen? «Das Singledasein wurde vom Leitbild zum Leidbild», sagt François Höpflinger, emeritierter Professor für Familiensoziologe an der Uni Zürich, und erklärt die Gründe für die Trendwende.

04.08.18, 06:25

Yannick Nock / Schweiz am Wochenende



Prinz Charles und Lady Diana winken am 29. Juli 1981 nach ihrer Heirat auf dem Balkon des Buckingham Palace einer euphorischen Menge zu. (KEYSTONE/EPA/PA/Str)

Verliebt, verlobt und noch lange nicht getrennt: Ehen werden heute weniger schnell geschieden (okay, Diana und Charles sind ein schlechtes Beispiel) Bild: EPA PA

Gute Aussichten für alle, die den Bund fürs Leben schliessen wollen: In der Schweiz ist die Zahl der Scheidungen auf den tiefsten Stand seit 2001 gesunken. Wie die neusten Zahlen des Bundes zeigen, gingen vergangenes Jahr 15'900 Ehe in die Brüche. Zum Vergleich: 2010 waren es noch 22'100 Scheidungen. Gleichzeitig bleibt die Zahl der Hochzeiten auf konstant hohem Niveau. Damit hat eine über Jahre geltende Aussage ihre Gültigkeit verloren: Heute wird nicht mehr jede zweite Ehe geschieden, sondern lediglich jede Dritte. Der Rosenkrieg bleibt öfters aus.

Zu dieser Entwicklung beigetragen hat, dass Paare heute länger zusammen sind, bevor sie heiraten. Viele leben über Jahre in einer gemeinsamen Wohnung, bevor sie vor den Traualtar treten. Solche Ehen seien in der Regel stabiler, sagt François Höpflinger, emeritierter Professor für Familiensoziologe an der Uni Zürich. «Jeder kennt die Eigenheiten des Partners und wie man damit umgehen kann.» Zudem würden in der Ehe heute mehr Freiheiten gewährt. Wenn sich Paare nicht auf einen Ferienort einigen könnten, gingen sie schon mal getrennt in den Urlaub. Statt mit dem Partner sei es heute auch üblich, wenn jeder mit seinen Freunden verreist, sagt Höpflinger.

Die Leiden des Singledaseins

Zum Wunsch nach einer stabilen Beziehung beigetragen haben allerdings auch Brandherde im Ausland: Finanzkrise, Kriege, Terror. Die Krisenjahre haben Spuren hinterlassen. «In einer unsicheren, schnelllebigen Welt bildet die Familie eine Art Insel», sagt Höpflinger. «Traditionelle Werte erhalten neuen Aufwind.» Die Individualisierung habe ihren Höhepunkt überschritten. «Das Singledasein wurde vom Leitbild zum Leidbild», sagt er. Das zeigt sich auch bei den Geburten. In den vergangenen Jahren haben in der Schweiz kontinuierlich mehr Babys das Licht der Welt erblickt.

10 Pärchen-Typen, die so richtig nerven. Sorry, gäll.

Video: watson/Knackeboul, Madeleine Sigrist, Lya Saxer

Für den Anstieg hauptverantwortlich sind nicht Mütter, die viele Babys bekommen, sondern weniger Frauen verbleiben kinderlos. Es gibt mehr Kleinfamilien.

Das hat Auswirkungen auf die Scheidungsrate. Paare, bei denen die Kinder noch zu Hause wohnen, bleiben eher zusammen als solche ohne Nachwuchs. Geschieden wird zudem erst später: So ist der Anteil der Verheirateten, die sich nach 15 Jahren trennen, in den vergangenen Jahren gestiegen. Als Trennungsgrund wird oft «Auseinanderleben» genannt oder dass sich der Ex-Partner in eine andere Person verliebt hat.

Zudem gibt es grosse kantonale Unterschiede. In ländlichen und katholischen Regionen halten die Ehen in der Regel länger. Die wenigsten Scheidungen gibt es in Uri und Appenzell Innerroden. Auch in Nidwalden, Schwyz und Graubünden bleiben Paare öfter zusammen. Hingegen kommt es in Neuenburg, Waadt oder Genf am häufigsten zu Trennungen. Auch in den Städten (Zürich, Bern, Basel) lassen sich Paare öfter scheiden. Das könne auch an den besseren Kinderbetreuungsmöglichkeiten für alleinerziehenden Mütter in den Städten liegen, sagt Höpflinger.

36.1 Prozent

der Paare lassen sich heute scheiden. Vor einigen Jahren war es noch über 50 Prozent.

«Ein tragischer Irrtum»

Doch letztlich steckt in den Zahlen nur die halbe Wahrheit. Ob ein Paar zusammen bleibt oder nicht, sei nicht vorherzusehen, sagt Paartherapeut Klaus Heer. Das Problem liege oft in den überhöhten Erwartungen. «Wir gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass wir zu zweit glücklicher sind als alleine – und vor allem, dass uns unser Gegenüber glücklich machen wird», sagt er, «ein tragischer Irrtum». Besser sei, die Erwartungen an den Partner soweit wie möglich herunterzuschrauben.

Einen generellen Rat, wie Paare lange und befriedigend zusammenbleiben können, gibt es laut Heer nicht. Jede Beziehung sei anders. Trotzdem erkennt auch Heer einen Trend: «Dass jede Liebesgeschichte einmal eine sehr schwierige Phase durchläuft, hat sich inzwischen fast überall herumgesprochen.» Das zeigt sich auch in den gesunkenen Scheidungszahlen. 

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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49
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49Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Barracuda 04.08.2018 20:08
    Highlight Saumässig erstrebenswert wenn die Kinder als Kitt dienen, um die Ehe zusammen zu halten. Dann verzichte ich lieber auf dieses Beziehungsmodell namens Ehe als 20 Jahre meines Lebens durchzuseuchen und mir selbst was vor zu machen. Ausserdem ist diese Statistik nur die halbe Wahrheit zu.
    25 12 Melden
  • .jpg 04.08.2018 15:28
    Highlight Scheidungen sind out weil heiraten mindestens auch so out ist.
    32 32 Melden
    • who cares? 04.08.2018 20:14
      Highlight "vergangenes Jahr 15'900 Ehe in die Brüche. Zum Vergleich: 2010 waren es noch 22'100 Scheidungen. Gleichzeitig bleibt die Zahl der Hochzeiten auf konstant hohem Niveau"
      Wer lesen kann, ist klar im Vorteil.
      40 7 Melden
    • .jpg 04.08.2018 21:44
      Highlight Kommt jetzt nur noch der Populationszuwachs der Millenals dazu sieht diese Statistik schon wieder ganz anders aus. Heiraten ist out. Danke für die Blitze an alle frisch verliebten heiratspärchen.
      13 23 Melden
    • Thom Mulder 05.08.2018 01:24
      Highlight .jpg kann besser lesen als "who cares". Es stimmt was sie/er sagt: Die Bevölkerung nimmt zu, Hochzeiten bleiben konstant, heisst also = weniger Hochzeiten.
      13 7 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • NaSkivaL 04.08.2018 13:03
    Highlight Wir haben jetzt 35 Jahre geschafft.
    Streiten kann man lernen. Den Streitpunkt soll man erst ausdiskutieren, wenn sich die Gefühle wieder beruhigt haben. Anfangs brauchten wir 2-3 Tage um runterzukommen. Heute noch 2-3 Min. - falls überhaupt. Eigentlich endet ein Streit bei uns heute meist in Gelächter.
    Wichtigste Werkzeuge bei der Umschiffung aller Klippen sind Verständnis, Vernunft und Humor. Ohne diese wird auch die grösste Liebe im Alltag zerschellen.

    In kaputt gegangenen Beziehungen rundum hab ich beobachtet, dass In-Sich-Reinfressen und Unehrlichkeit langfristig am gefährlichsten sind.
    90 3 Melden
  • DemonCore 04.08.2018 11:33
    Highlight Die langen, monogamen Paarbeziehungen sind nicht sehr natürlich. Konflikte sind keine Überraschung, können aber mit Rücksichtnahme und viel Arbeit bewältigt werden. Ich respektiere Leute die das tun, habe aber auch Verständnis wenn jemand nach dem die Kinder draussen sind andere Wege gehen will. Reisende soll man nicht aufhalten.
    23 48 Melden
    • NaSkivaL 04.08.2018 12:36
      Highlight Wie kommst du darauf, dass monogame Beziehungen ohne Verfallsdatum unnatürlich sind? Es gibt im Tierreich genügend Beispiele, die das Gegenteil beweisen.

      In diversen Tierarten töten Männchen fremden Nachwuchs, weil die Mutter dann schneller wieder paarungsbereit wird. Ein bleibender Vater sichert also das Überleben seiner Gene. Und aufgrund der durch Beziehungsstabilität verkürzten Stillzeit sichert er sich auch eine weitere Vermehrung. Im Tierreich schliesst das allerdings beidseitige Seitensprünge nicht aus. Die bleiben auch in der Monogamie Tradition.
      24 9 Melden
    • DemonCore 04.08.2018 13:30
      Highlight Säugetiere, insbesondere Primaten, sind kaum monogam.
      24 24 Melden
    • NaSkivaL 04.08.2018 15:38
      Highlight Bist du Biologe oder woher nimmst du dein Wissen? Vielleicht solltest du zuerst recherchieren.
      6 11 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Eric Lang 04.08.2018 10:42
    Highlight Mindestens zu meiner Zeit, war es schwierig über mehr als ein oder zwei Jahre einmal im Konkubinat zusammen zu leben.
    Meist wurde der Druck durch die Familie und Freunde so gross, dass man sich entweder trennte oder dann heiratete.
    Ich hatte einige gute Beziehungen, aber unter Druck wollte ich dann nicht schon relativ jung heiraten und eigene Kinder waren für mich nie ein Thema, was es dann nochmals schwieriger machte.
    Heute ist Heiraten erst recht kein Thema mehr für mich und die LAPs sind mit zunehmendem Alter, in der Sache auch deutlich entspannter geworden.
    14 4 Melden
    • Thom Mulder 05.08.2018 01:26
      Highlight Die meisten Menschen bleiben als Single glücklicher. Du machst es schon richtig.
      6 5 Melden
  • chnobli1896 04.08.2018 10:06
    Highlight Wie wird eigentlich die Scheidungsrate genau berechnet?
    19 2 Melden
    • Barracuda 04.08.2018 18:26
      Highlight Interessante Frage, genau das habe ich mich auch schon gefragt.
      4 0 Melden
    • victoriaaaaa 04.08.2018 23:49
      Highlight Kann auch falsch liegen aber ich nehme mal an den anteil der scheidungen pro jahr verteilt an die anzahl aller verheirateten paare am ende desselben jahres = anteil der scheidungen (rate) vom ganen (weil sixh ja nur verheiratete scheiden lassen können)
      0 0 Melden
  • m. benedetti 04.08.2018 10:03
    Highlight
    3 5 Melden
  • DerSimu 04.08.2018 10:01
    Highlight Mein Opa hat mir mal was gesagt:

    "Schau Bub, wir sind 40 Jahre verheiratet. Wir hatten auch schlechte Zeiten. Wir haben uns auch gehasst. Aber haben wir jemals an Scheidung gedacht?

    Nein. An Mord, ja, aber nie an Scheidung"
    234 8 Melden
    • Astrogator 04.08.2018 11:59
      Highlight Wie sage ich immer zu meiner Frau: wir werden uns nie scheiden lassen, vielleicht gehen wir mal zu zweit mit einer Schaufel in den Wald und nur einer kommt wieder raus, aber Scheidung nie 😂
      49 4 Melden
    • utopia 04.08.2018 12:41
      Highlight autsch
      8 4 Melden
    • pinex 04.08.2018 12:47
      Highlight Ist jetzt nicht wirklich besser als sich zu trennen 😂
      24 5 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • TimK 04.08.2018 10:00
    Highlight Ohne meine Frau in die Ferien? Unvorstellbar! Komische Einstellung.
    20 66 Melden
    • Mia_san_mia 05.08.2018 10:17
      Highlight Jedem das Seine.
      4 0 Melden
  • Stichelei 04.08.2018 09:52
    Highlight Was nicht erwähnt wurde ist, dass eine Scheidung oft für eine oder beide Parteien finanzieller Selbstmord ist.
    87 2 Melden
    • Mia_san_mia 05.08.2018 10:17
      Highlight So ist es 👍🏻
      5 0 Melden
  • andrew1 04.08.2018 09:50
    Highlight Ich finde es gut wenn man miteinander spricht, versucht lösungen zu finden und etwas kompromissbereit ist statt einfach den einfachsten weg zu gehen und sich zu trennen. Nur durch zuhören und reden lassen sich so viele probleme lösen.
    29 5 Melden
  • Beim Teutates 04.08.2018 09:44
    Highlight Scheiden ist total IN um der Heiratsstrafe zu entkommen!
    7 26 Melden
    • Astrogator 04.08.2018 12:00
      Highlight Die Heiratsstrafe ist uns egal, aber nach der Pensionierung scheiden damit jeder die volle Rente bekommt ist durchaus eine Option.
      45 5 Melden
  • Der müde Joe 04.08.2018 07:15
    Highlight Wenn es um die Ehe geht, nehme ich gerne meine Eltern als Beispiel. 41 Jahre sind es dieses Jahr geworden. 41 Jahre! Wer jetzt denkt: „Wow, die vorzeige Ehe!“ der irrt. Es gab sehr viel Streit! Und je älter wir Kinder wurden, kamen auch noch die Pubertären Probleme dazu.
    Und trotzdem hatte meine Eltern nie aufgegeben, auch wenn es manchmal aussichtslos wirkte. Worauf ich hinaus will: Jede Krise die sie überstanden haben, hat ihre Beziehung stärker gemacht. Müsste ich ihrer Ehe einen Filmtitel geben so wäre es: Rocky Balboa. Ich wünsche jeder Ehe dieses Durchhaltevermögen. Es ist es Wert!
    331 38 Melden
    • phreko 04.08.2018 08:20
      Highlight Ui, Rocky Balboa tönt ja nach einer ziemlich üblen Beziehung... Gewalt und Ehe in einem Satz.
      22 105 Melden
    • Der müde Joe 04.08.2018 09:11
      Highlight Falsch! Rocky Bolboa steht für den Willen immer weiter zu machen, egal wieviel man „einstecken“ musste.
      Ich kann dich beruhigen, meine Eltern haben sich nicht mit Schlägen gestritten, aber Wörter können auch sehr brutal sein.
      39 2 Melden
    • Unclemitch 04.08.2018 09:47
      Highlight @der müde Johnny: Bin genau deiner Meinung, meine Eltern sind auch seit Adam und Eva verheiratet und es gab oft Zoff, auch wegen uns Kids. Nun selber verheiratet und Vater von zwei Kindern muss ich sagen, Hut ab Mum und Dad. Ist echt nicht immer Friede Freude Eierkuchen... Ich hoffe meine Ehe hält auch so lange wie die meiner Eltern
      35 2 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • N. Y. P. D. 04.08.2018 07:07
    Highlight «Das Singledasein wurde vom Leitbild zum Leidbild»

    Das ist mir zu einfach. Ich würde es eher so formulieren : Lieber alleine glücklich, statt solala zu zweit. Oder : Nur Zusammensein, damit man nicht allein ist, kann es eigentlich auch nicht sein.

    Aber, da hat jeder seine eigene Meinung.


    Besser sei, die Erwartungen an den Partner soweit wie möglich herunterzuschrauben.
    (text)

    Wenn man spürt, dass das Gegenüber keinerlei Erwartungen hat, ist das nicht gerade der Burner.
    Wenn man Erwartungen spürt, spürt man Interesse. Alles ist lebendig. Und das ist doch schön.
    199 27 Melden
    • Bloody Mary 04.08.2018 15:29
      Highlight Erwartungen im emotionalen und sexuellen Bereich sind, denke ich wichtig. Ich denke aber, man sollte alle materiellen, finanziellen und egoistischen Erwartungen überdenken. Wenn ich also "erwarte" das mein Freund mich ständig einlädt ist das sicherlich falsch...
      8 0 Melden

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