DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Der Kommandant der Luzerner Polizei Adi Achermann am Montag 19. Juni 2017 beim Verlassen des Kantonsgerichts Luzern anlaesslich der Gerichtsverhandlung zum

Der Kommandant der Luzerner Polizei Adi Achermann am Montag 19. Juni 2017 beim Verlassen des Kantonsgerichts Luzern anlässlich der Gerichtsverhandlung zum «Fall Malters» des Bezirksgericht Kriens.  Bild: KEYSTONE

Polizeieinsatz in Malters (LU) hat laut Staatsanwalt zu Suizid geführt



Der Staatsanwalt hat im Prozess gegen den Luzerner Polizeikommandanten Adi Achermann und Kripochef Daniel Bussmann für beide eine bedingte Geldstrafe wegen fahrlässiger Tötung beantragt. Deren Entscheid habe beim Polizeieinsatz in Malters LU direkt zum Suizid der Frau geführt, argumentierte er.

Es gebe einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Suizid der Frau und dem gewaltsamen Öffnen der Haustüre, hinter der sich die 65-jährige Frau verschanzt hatte, sagte der Aargauer Staatsanwalt Christoph Rüedi am Montag vor dem Bezirksgericht Kriens in Luzern.

Die Polizei plante gemäss Rüedi, die Frau durch ein Telefongespräch in den hinteren Teil der Wohnung in die Nähe der Eingangstüre zu locken. Währenddessen sollte beim Wald ein Feuerwerk gezündet werden. Damit wollten die Beamten vom Aufbrechen der Türe ablenken. Danach sollte ein Hund ins Haus geschickt werden und die Frau überwältigen.

Doch als die Polizei eine hydraulische Presse bei der Türe installierte, wurde der Rahmen auseinander gedrückt und die Türe sprang auf, wie Rüedi ausführte. Die Frau habe sich ins Bad begeben, nachdem sie die Geräusche wahrgenommen habe. Dort habe sie zuerst ihre Katze und dann sich selber umgebracht.

Dass es bei bei einem derart vielschichtigen Plan Risiken gebe, sei klar. Die vorzeitige Türöffnung sei ein «Malheur» gewesen. Doch die Polizei hätte die Risiken bei ihrem Entscheid zur Intervention berücksichtigen müssen.

Der Kripochef Daniel Bussmann, Mitte, am Montag 19. Juni 2017 beim Verlassen des Kantonsgerichts Luzern anlaesslich der Gerichtsverhandlung zum

Der Kripochef Daniel Bussmann (mitte). Bild: KEYSTONE

Keine akute Gefahr

Trotz ihrer Drohungen sei von der Frau keine akute Gefahr ausgegangen. Es sei klar gewesen, dass die Frau von der Schusswaffe nur dann Gebrauch machen würde, wenn die Polizei Druck machte, sagte Rüedi.

Um die geringe Gefährdung durch die Frau zu unterstreichen, las der Anwalt des Privatklägers Abschriften der Gespräche mit der Frau vor: Sie beteuerte darin immer wieder, dass sie niemanden verletzen wolle und nicht gezielt auf Polizisten schiessen würde, ausser wenn sie bedrängt werde.

Keine akute Gefahr

Gemäss Rüedi verliefen die Verhandlungen auch sonst «erfolgversprechend». Die Verhandlungsgruppe habe am Morgen vor dem Einsatz eineinhalb Stunden lang mit der Frau gesprochen. Dabei habe sie ein Gespräch mit ihrem Anwalt verlangt und um einen Aufschub von einem Tag gebeten.

Sowohl die Verhandler als auch der Polizeipsychologe hätten den Eingriffsplan für kontraproduktiv gehalten. Der Psychologe habe sogar davor gewarnt und stattdessen für ein Abwarten plädiert. «Doch die Beschuldigten sahen das anders», sagte Rüedi. Sie wollten der Sache ein Ende setzen. Achermann habe betont, man müsse handeln und Verantwortung übernehmen.

Laut Aussagen von Rüedi befand sich die Frau aber in einem Ausnahmezustand, «in akuter Psychose». Sie sei stark suizidgefährdet gewesen, habe Wahnvorstellungen gehabt und nicht vernünftig über ihr Handeln entscheiden können. In dieser Situation hätte jegliche Konfrontation unterlassen werden müssen.

Dass sie sich umbringen würde, sei deshalb vorhersehbar und vermeidbar gewesen. «Wäre nicht gewaltsam interveniert, sondern weiterhin versucht worden, durch Gespräche die Situation zu lösen, hätte sie sich nicht umgebracht», zeigte sich Rüedi überzeugt.

Bussmann habe als Einsatzleiter den Eingriff angeordnet und Achermann habe freiwillig die Verantwortung übernommen, obwohl er weniger gut informiert gewesen sei. Die beiden Offiziere seien damit ihrer Pflicht, das Leben der Frau zu schützen, nicht nachgekommen und hätten den Grundsatz der Verhältnismässigkeit verletzt.

Deswegen beantragte der Staatsanwalt, die Angeklagten zu einer Geldstrafe von 240 Tagessätzen und einer Busse von jeweils 1000 Franken schuldig zu sprechen. Der Anwalt des Privatklägers verlangt für seinen Mandanten, den Sohn der Frau, eine Entschädigung von 54'000 Franken. (sda)

Aktuelle Polizeibilder: Beifahrer stirbt bei Autounfall

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Kreml reagiert mit Ausweisungen auf Sanktionen

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

110'000 Franken bezogen: Luzerner Corona-Kredit-Betrüger muss ins Gefängnis

Ein 35-jähriger Luzerner Bauunternehmer muss ins Gefängnis, weil er einen Covid-19-Kredit von 110'000 Franken zu Unrecht bezogen hat. Das Kriminalgericht hat ihn am Mittwoch wegen Betrugs verurteilt und damit ein Urteil mit Signalwirkung gefällt.

Der Mann hatte im März 2020 bei der Geschäftsbank seiner Trockenbaufirma das Formular für Corona-Nothilfe eingereicht. Nach seinen Angaben befürchtete er zu diesem Zeitpunkt einen Baustopp als Folge der Pandemie. Das Kreditgesuch sei eine …

Artikel lesen
Link zum Artikel