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Geri Müllers Chatpartnerin akzeptiert Strafbefehl

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Geri Müller auf dem Höhepunkt von Gerigate im SRF-Club

Geri Müllers Chatpartnerin akzeptiert Strafbefehl

13.08.2016, 14:0013.08.2016, 14:56
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Ein Kapitel in der Affäre um die Nacktbilder des Badener Stadtammanns und früheren Grünen-Nationalrats Geri Müller ist beendet. Seine ehemalige Chatpartnerin hat ihre Einsprache gegen den Strafbefehl zurückgezogen. Dies teilte die Frau am Samstag der Nachrichtenagentur sda mit.

Die im Kanton Bern wohnhafte Frau ist damit rechtskräftig wegen Beschimpfung, übler Nachrede, versuchter Nötigung, Urkundenfälschung und unbefugten Aufnehmens von Gesprächen verurteilt. Sie erhält eine bedingte Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 60 Franken und muss eine Busse von 1800 Franken entrichten. Zudem werden ihr die Anwaltskosten von fast 16'300 Franken und die Verfahrenskosten von über 8000 Franken auferlegt.

Die Gründe für den Rückzug sind unklar

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern hatte die Untersuchung gegen die Chatpartnerin Anfang Juli abgeschlossen und danach einen Strafbefehl gegen sie erlassen. Dagegen erhob die Frau Einsprache.

Am vergangenen Donnerstag zog ihr Anwalt die Einsprache aber zurück, wie dessen Schreiben an die Staatsanwaltschaft Berner Jura-Seeland zu entnehmen ist, das der sda vorliegt. Eine Begründung für den Rückzug enthält der Brief nicht.

Die Nacktselfie-Affäre hatte im Sommer 2014 für Aufregung gesorgt. Die «Schweiz am Sonntag» berichtete, dass der Badener Stadtammann Geri Müller von seinem Stadthausbüro aus einer Chat-Bekannten Nacktbilder geschickt hatte. Danach soll er sie zum Löschen der Mitteilungen aufgefordert haben.

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Juristische Aufarbeitung ist noch im Gang

Daraufhin entband der Badener Stadtrat Müller zwischenzeitlich von seinen Führungs- und Repräsentativaufgaben. Die Oberstaatsanwaltschaft Aargau verzichtete jedoch darauf, ein Verfahren wegen Amtsmissbrauchs gegen Müller einzuleiten. Bei den Nationalratswahlen im Herbst 2015 trat Müller nicht mehr an.

Die Berichterstattung der «Schweiz am Sonntag» wurde jüngst vom Schweizer Presserat gerügt. Mit dem ersten Artikel über Müllers Sex-Chat habe die Zeitung die Privat- und Intimsphäre des Politikers in schwerer Weise verletzt. Ein höher zu wertendes öffentliches Interesse, das die Veröffentlichung gerechtfertigt hätte, verneinte der Presserat.

Im Gegensatz zur medienethischen ist die juristische Aufarbeitung der Affäre Müller noch nicht abgeschlossen. Die Strafuntersuchung der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern betraf zuerst nur die Chatpartnerin, wurde dann aber auf den PR-Berater Sacha Wigdorovits, Josef Bollag, den Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Baden, und den Chefredaktor der Zeitung «Schweiz am Sonntag», Patrik Müller, ausgeweitet. Ihnen wird vorgeworfen, dass sie den Chatverkehr verwendet, weitergegeben oder Dritten zugänglich gemacht haben. (sda)

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7 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Angelo C.
13.08.2016 15:40registriert Oktober 2014
Zitat :

"Ein höher zu wertendes öffentliches Interesse, das die Veröffentlichung gerechtfertigt hätte, verneinte der Presserat."

Ein bizzares Urteil, denn die Wähler könnte es sehr wohl interessieren, ob ihr politischer Favorit in der Amtsstube wacker arbeitet oder hektisch masturbierend sein Konterfei a verschickt.

Man hätte ja nicht zwingend jedes Detail wohllüstig kolportieren müssen, das sicher nicht - obwohl narürlich auch hier nicht wenige Leser diese voyeuristisch interessiert hätten 😉!

Nun ja, Fall abgeschlossen. Doch : Ende gut, alles gut 🤔?
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