Schweiz
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Schweizer Sektenführer bietet Holocaustleugnerin in Chur Plattform – Freispruch



Ivo Sasek, der Gründer der Organischen Christus-Generation (OCG), ist am Dienstag vom Regionalgericht Chur vom Vorwurf der Rassendiskriminierung freigesprochen worden. Sasek hatte der deutschen Holocaustleugnerin Sylvia Stolz an einer Grossveranstaltung eine Plattform geboten, an der sie die Judenvernichtung anzweifelte. Ausserdem stellte Sasek das Video des Referats ins Internet.

Der Staatsanwalt hatte Sasek eine Busse von 1500 Franken und eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 90 Franken auferlegt, bedingt auf zwei Jahre. Dagegen hatte Sasek rekurriert. Mit Erfolg: Das Regionalgericht kam zum Schluss, Sasek habe keine rassistischen Motive gehabt. Auch habe ein Eventualvorsatz gefehlt. Deshalb sprach ihn das Gericht von Schuld und Strafe frei.

Udo Sasek

Ivo Sasek an einer Konferenz im Jahr 2016. Bild: youtube.com/antizensurkoalition

Der Fall geht auf das Jahr 2012 zurück. Sasek hatte damals die deutsche Rechtsanwältin und notorische Holocaust-Leugnerin Sylvia Stolz zur jährlichen Grossveranstaltung seiner Anti-Zensur-Koalition (AZK), dem politischen Arm seines Sektenimperiums, in die Stadthalle Chur eingeladen.

Vor rund 2000 Besuchern forderte sie das Publikum auf, Nazis kennenzulernen, um sich ein eigenes Bild von diesen für sie wertvollen Menschen zu machen. Ausserdem sagte sie, der Holocaust könne nicht gerichtlich bewiesen werden, dazu fehlten die Leichen, die Spuren der Täter und die Waffen.

«Die Wahrheit suchen und finden»

Sasek dankte der Referentin am Schluss mit tränenerstickter Stimme: «Ich konnte 50 Prozent der Zeit (gemeint war der Vortrag) nur die Tränen unterdrücken, mein Herz hat geschrien.» Schliesslich attestierte er ihr, sie habe mitgeholfen, «die Wahrheit zu suchen und zu finden». Er nannte Stolz eine Frau mit dem Mut eines Löwen. Zwei Privatpersonen hatten deswegen eine Strafanzeige gegen Stolz und Sasek eingereicht.

2015 wurde Sylvia Stolz, Lebenspartnerin von Horst Mahler, dem früheren RAF-Anwalt und heutigen Holocaust-Leugner, in Deutschland wegen Volksverhetzung zu 18 Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt. Nach einem Revisionsprozess wurde das Urteil in diesem Februar rechtskräftig. Stolz war in Deutschland schon mehrfach wegen Volksverhetzung verurteilt worden.

Die Bündner Staatsanwaltschaft, die gegen Sasek ermittelt hatte, erkannte ihn für schuldig. Er habe Stolz eine Plattform geboten, um ihre rassendiskriminierenden Aussagen zu verbreiten. Auch habe er sie nicht unterbrochen, ihr am Schluss enthusiastisch zugestimmt und ihren Vortrag ins Internet gestellt.

Selber verteidigt

Sasek erschien mit rund 20 Anhängern aber ohne Anwalt vor Gericht. In seinem ganzen Leben habe er Toleranz und nicht Diskriminierung ausgeübt, sagte er zu seiner Verteidigung. Dabei habe er die Herrlichkeit Gottes gesehen. Dass ihm die Staatsanwaltschaft vorwerfe, diskriminierend gehandelt zu haben, habe ihn schockiert. Er würde den Völkermord nie leugnen oder verharmlosen. Hingegen würden die Lügen, die die Medien über ihn verbreiteten, zum Völkermord führen, sagte Sasek.

Als er vor Gericht ausführlich Verschwörungstheorien über den Terrorakt beim Word Trade Center in New York ausbreitete, unterbrach ihn der Richter mit dem Satz: «Sie müssen die Kurve kriegen.» Sasek schloss sein Plädoyer mit dem Satz: «Ich bin Betroffener, nicht Täter.»

In der Urteilsbegründung sagte der Richter, Sasek habe keine rassistischen Motive gehabt. Ebensowenig habe er die Verbreitung diskriminierender Aussagen in Kauf genommen. Sasek und seine Anhänger nahmen den Freispruch mit grosser Genugtuung zur Kenntnis. Sie hätten am liebsten applaudiert, was der Richter aber als unpassend ablehnte.

Der berühmteste Wachmann der Welt entschuldigt sich

abspielen

Video: srf

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53Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • EvilBetty 21.08.2018 21:46
    Highlight Highlight «Hingegen würden die Lügen, die die Medien über ihn verbreiteten, zum Völkermord führen, sagte Sasek.»

    Ooouui... da hät eine aber bös de GW!
  • Oxymora 21.08.2018 21:44
    Highlight Highlight Mit dem Urteil hat Herr Sasek deutlich an Glaubwürdigkeit gewonnen.

    Er hat ja öfters vor der Falschjustiz gewarnt.

    Und nun bringt er noch den Beweis:
    die Falschjustiz ist gibt es wirklich !
    • el heinzo 22.08.2018 08:33
      Highlight Highlight @Oxymora LOL 😂 🤣 👍🏼
  • Black Cat in a Sink 21.08.2018 20:57
    Highlight Highlight
    Play Icon

    So komme ich mir vor
  • el heinzo 21.08.2018 19:17
    Highlight Highlight Das stinkt ja zum Himmel. Der Freispruch ist meines Erachtens absolut verfehlt. Was ist bitteschön an diesem Gericht los?! Und wirklich schade, dass die Schauermeldungen aus dem betreffenden Kanton einfach nicht zu enden scheinen.
  • Maya Eldorado 21.08.2018 18:42
    Highlight Highlight Noch ein paar Sachen zu Sasek:

    Das ist die offizielle Webseite von Ivo Sasek:
    http://ivo-sasek.ch/
    Er hat zusammen mit seiner Frau 11 Kinder (eigene).

    Auch das ist ein Konstrukt von Ivo Sasek:
    http://www.gesundes-deutschland.de/S&G/
  • Heinz Schmid 21.08.2018 18:12
    Highlight Highlight Sekte trifft Holocaustleugner.
    Oder: Pest verbündet sich mit Cholera
  • Nevermind 21.08.2018 17:45
    Highlight Highlight Art. 261: "wer öffentlich durch Wort, Schrift, Bild, Gebärden, Tätlichkeiten oder in anderer Weise eine Person oder eine Gruppe von Personen wegen ihrer Rasse, Ethnie oder Religion in einer gegen die Menschenwürde verstossenden Weise herabsetzt oder diskriminiert oder aus einem dieser Gründe Völkermord oder andere Verbrechen gegen die Menschlichkeit leugnet, gröblich verharmlost oder zu rechtfertigen sucht,"

    Was war der Grund für den Freispruch? Unzurechnungsfähigkeit?
    Wer den Holocaust leugnet macht das immer mit dem Ziel die Menschenwürde der Opfer und deren Nachkommen herabzusetzen.
    • derEchteElch 21.08.2018 18:52
      Highlight Highlight Das kommt ebrn dabei heraus, wenn Hobby-Juristen aus dem Gesetzbuch zitieren.

      Deine Frage wird schon durch das erste Wort beantwortet: WER!

      In diesem Abschnitt fehlt alles, was in die Richtung von „oder eine Plattform dafür anbietet“ oder das Wort „unterstützt“.
    • Nevermind 21.08.2018 22:06
      Highlight Highlight "Sasek dankte der Referentin am Schluss mit tränenerstickter Stimme: «Ich konnte 50 Prozent der Zeit (gemeint war der Vortrag) nur die Tränen unterdrücken, mein Herz hat geschrien.» Schliesslich attestierte er ihr, sie habe mitgeholfen, «die Wahrheit zu suchen und zu finden». Er nannte Stolz eine Frau mit dem Mut eines Löwen. Zwei Privatpersonen hatten deswegen eine Strafanzeige gegen Stolz und Sasek eingereicht."

      Macht er da öffentlich die Ansichten aus dem Vortrag zu seinen Ansichten und unterstützt sie?
    • ujay 22.08.2018 06:01
      Highlight Highlight @Elch. Falsch: ...."oder in anderer Weise"....hast du grosszügig überlesen😉
    Weitere Antworten anzeigen
  • aglio e olio 21.08.2018 17:20
    Highlight Highlight "Hingegen würden die Lügen, die die Medien über ihn verbreiteten, zum Völkermord führen, sagte Sasek."

    Na da hat wohl jemand die Bodenhaftung verloren.
  • m4in CS 21.08.2018 16:54
    Highlight Highlight Der Richter scheint wohl selbst aus der braunen Ecke zu stammen. Eine Referatseinladung an eine bekannte Holocaustleugnerin soll keine bewusste Inkaufnahme von diskriminierenden Aussagen sein? Was den bitte?
    • derEchteElch 21.08.2018 18:54
      Highlight Highlight Holocausleugnerinhin oder her, auch sie darf zu allen möglichen Thrmen öffentlich Stellung beziehen. Muss ja nicht immer mit dem Holocaust zu tun haben.

      Die Konsequenz wäre, dass niemand mehr zu irgendwelchen Referaten eingeladen werden dürfte.
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 22.08.2018 06:07
      Highlight Highlight Die Leugnung des Holocaust ist NICHT durch die redefreiheit geschützt.
      Zuerst informieren und erst dann schreiben.
      Sonst kommen genau solche peinlichen Texte dabei raus.
    • derEchteElch 22.08.2018 09:51
      Highlight Highlight Das habe ich auch nicht gesagt. Ich sagte, dass sie ohne weiteres sich zu allen anderen Themen äussern darf, so wie wir alle.

      Entsprechend kann auch nicht verboten werden, ihr irgendeine Plattform zu bieten, hingegen eine Plattform, auf der sie den Holocaust leugnet, schon.
  • mAJORtOM95 21.08.2018 16:44
    Highlight Highlight Fast so schlimm wie Flatearther...
    • Pakart 21.08.2018 18:06
      Highlight Highlight Nein, schlimmer.
  • Madison Pierce 21.08.2018 16:12
    Highlight Highlight Gute Entscheidung. Sie hat ja niemanden rassistisch beleidigt oder das Publikum zu Straftaten aufgerufen. Sie hat lediglich ganz extrem dumme und widerliche Lügen erzählt.

    Ich bin der Meinung, dass unsere Demokratie es aushalten muss und kann, wenn ein Spinner Lügen erzählt. Das Strafrecht halte ich für das falsche Mittel gegen solche Leute.
    • Chili5000 21.08.2018 16:24
      Highlight Highlight Ach herje. Wenn es aber ein Moslem ist der dumme und widerliche Lügen erzählt befinden wir uns gaaaanz schnell im Jahr 1945 und die Uniformen werden entstaubt...
    • seventhinkingsteps 21.08.2018 16:27
      Highlight Highlight Holocaustleugnung ist definitiv eine Beleidigung
    • Garp 21.08.2018 19:37
      Highlight Highlight @ the guy....
      Wenn jemand meint, dass etwas wahr ist, nur weil es eine Straftat ist, dem ist auch nicht zu helfen auf dieser Ebene.
      Ich habe persönlich Holocaust Überlebende gekannt, mit Nummer auf dem Arm und genug Zeitdokumente gesehen zu einer Zeit, da man noch nicht gut fälschen konnte und noch nichts digital war.

      @Madison Pierce

      Doch sie hat zig Tausende rassistisch beleidigt, wenn sie den Holocaust leugnet. Und er sollte bestraft werden, wenn er sie einlädt und sie dazu einen Vortrag hält und ihr Video ins Netz stellt und hilft diese Lügen weiter zu verbreiten.



  • Blutgruppe 21.08.2018 15:56
    Highlight Highlight Ähm.. Wtf? Was ist da passiert? Hat der so gute Anwälte?
    • DunkelMunkel 21.08.2018 15:58
      Highlight Highlight Haha, du hast den Artikel also nicht mal gelesen. Der versuchte sich selbst zu verteidigen.
    • Blutgruppe 21.08.2018 21:29
      Highlight Highlight Eigentlich schon, dies hab ich wohl überlesen. Dass dieser Freispruch ohne gute Anwälte zustande gekommen ist, ist meiner Meinung nach noch erstaunlicher
    • el heinzo 22.08.2018 08:36
      Highlight Highlight @Flötist „Versuchte“? Scheint ja wunderbar geklappt zu haben. 😐
  • DunkelMunkel 21.08.2018 15:48
    Highlight Highlight "Ausserdem sagte sie, der Holocaust könne nicht gerichtlich bewiesen werden, dazu fehlten die Leichen, die Spuren der Täter und die Waffen."

    Ist das nachweislich falsch? Hat jemand Links dazu?
    • The Hat Guy 21.08.2018 16:14
      Highlight Highlight Statt «Links dazu» gibt es alternativ auch Zeugen, Überlebende und Opfer. Das sind reale Menschen, die trifft man tatsächlich in der realen Welt, mit denen kann man sich unterhalten. Hilft meistens mehr fürs Verständnis als «Links dazu».
    • Dr. Unwichtig 21.08.2018 16:20
      Highlight Highlight Die besten Informationen dazu findet man gesammelt wohl unter www.yadvashem.org.

      P.S. Es gibt bekanntlich keine dummen Fragen, aber diese ist verdammt nah dran...
    • seventhinkingsteps 21.08.2018 16:28
      Highlight Highlight Diese Frage kann nicht ernst gemeint sein.
    Weitere Antworten anzeigen
  • exeswiss 21.08.2018 15:48
    Highlight Highlight stolz wird in deutschland wegen volksverhetzung verurteilt und dem richter kommt keine bessere ausrede als "Ebensowenig habe er die Verbreitung diskriminierender Aussagen in Kauf genommen." dem hats wohl ins hirn geschissen.
    • CASSIO 21.08.2018 21:56
      Highlight Highlight wer war denn der richter?
  • TheWall_31 21.08.2018 15:26
    Highlight Highlight Gute Entscheidung. Alles andere wäre hirnrissig.
    • Fabio74 21.08.2018 16:07
      Highlight Highlight Weshalb?
    • TheWall_31 21.08.2018 16:32
      Highlight Highlight Weil es meiner Meinung nach nicht Aufgabe des Strafrechts ist, die Einstellung von Spinnern (ja, die Leugnung des Holocausts ist Spinnerei, wie ich finde), dafür zu bestrafen.

      Warum sollte man jemanden dafür bestrafen, einer anderen Person eine Redeplattform zu bieten? Der Kommentar von Madison Pierce triffts gut.
    • Makatitom 21.08.2018 16:32
      Highlight Highlight Hinter Gitter gehören solche Relativierer. Oder, noch besser: 14 tage nach Auschwitz, mit drei obligatorisch zu besuchenden Führungen täglich. Wenn es irgendwie noch geht die letzten Überlebenden als Guides
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