DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Neu fährt der Giruno durch den Gotthard.
Neu fährt der Giruno durch den Gotthard.Bild: KEYSTONE/Ti-Press

Mehr Komfort, weniger Sitzplätze: Es wird noch voller in den Gotthard-Zügen

Seit Sonntag kommen im Nord-Süd-Verkehr die neuen Giruno-Züge von Stadler zum Einsatz. Mit Folgen.
16.12.2019, 06:2316.12.2019, 12:30
Gerhard Lob, Locarno / CH Media

Erst vor wenigen Tagen haben die SBB in Zürich stolz den neuen Giruno-Zug vorgestellt, der seit dem Fahrplanwechsel von diesem Wochenende im Nord-Süd-Verkehr zum Einsatz kommt, im Frühling 2020 dann schrittweise auch in den internationalen Verbindungen mit Mailand.

Die Züge aus dem Hause Stadler sind komfortabel und verfügen über einen Niederflureinstieg, WiFi und geschlechtergetrennte Toiletten, haben aber gegenüber den heute im Einsatz stehenden Zügen weniger Sitzplätze.

Im Tessin hat diese Perspektive wenig Enthusiasmus ausgelöst. Denn schon jetzt sind die IC und EC zwischen der deutschen Schweiz und dem Südkanton häufig überfüllt, insbesondere am Wochenende, wenn die Studenten zwischen Norden und Süden hin und her pendeln.

Auch Brücken- und Feiertage werden für Fahrgäste via Gotthard häufig zum Stresstest. Viele Passagiere finden keine Sitzplätze, müssen im schlimmsten Fall bei Überfüllung sogar wieder aussteigen.

Bundesrat sieht keinen Grund für Intervention

Die Situation wird sich nicht verbessern: Die neuen Züge Giruno haben 405 Sitzplätze, die bisher eingesetzten Intercity-Neigezüge (ICN) 474, die EuroCity 431. Die Differenz von 69 beziehungsweise 26 Sitzplätzen verdoppelt sich an Tagen mit besonders hohem Passagieraufkommen, wenn die Züge in Doppeltraktion verkehren.

«Wir erwarten, dass die SBB Entlastungszüge bereitstellen und ­unkonventionelle Lösungen finden.»
Pro-Bahn-Präsidentin Karin Blättler

Die SBB bedauern den Sitzplatzverlust, verweisen neben dem gestiegenen Komfort aber auch auf die höhere Zuverlässigkeit der neuen Züge. Betroffen seien vorläufig zudem nur eine Handvoll Verbindungen pro Fahrtrichtung. Empfohlen wird, auf Nebenverkehrszeiten und weniger ausgelastete Züge auszuweichen.

In der Antwort auf zwei parlamentarische Anfragen von den Tessiner Nationalräten Quadri und Storni in dieser Angelegenheit bestätigt der Bundesrat die Situation und hält zugleich fest: «Es ist nicht notwendig zu intervenieren.»

Anders die Interessenvertretung Pro Bahn Schweiz. «Wir erwarten, dass die SBB Entlastungszüge bereitstellen und ­unkonventionelle Lösungen finden», sagt Pro-Bahn-Präsidentin Karin Blättler. Das Prinzip «Weiterwursteln wie bisher» sei nicht zielführend.

Bundesrat und SBB verweisen ihrerseits auf die langfristige Perspektive. Mit der Eröffnung des Ceneri-Basistunnels Ende 2020 werde es möglich werden, Doppelstockzüge auf der Gotthard-­Linie bis Lugano einzusetzen. So könnten in Spitzenzeiten wesentlich mehr Sitzplätze bereitgestellt werden.

Der Countdown für diese Eröffnung fand an diesem Wochenende statt. Genau ein Jahr vor der für den 13. Dezember 2020 vorgesehenen Inbetriebnahme des Ceneri-Basistunnels trafen sich die SBB- Spitzen und viel Tessiner Politprominenz am Bahnhof von Lugano.

Der Ceneri-Basistunnel wird neben einer Fahrzeitverkürzung zwischen der deutschen Schweiz und Lugano auch die Tessiner Polstädte Lugano, Bellinzona und Locarno näher zusammenrücken lassen.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Pendler Typen

Video: watson

Abonniere unseren Newsletter

48 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
jk8
16.12.2019 08:15registriert Oktober 2014
Die Gotthard Züge sind grundsätzlich nicht überlastet. Nur an den Grossreisetagen, wo nun dank dem zusätzlichen Rollmaterial mehr Zusatzzüge eingesetzt werden können.

Ausserdem ist der Zug nicht kleiner, es hat jetzt einfach mehr Platz für Gepäck und mehr Stehplätze.

Um die Haltezeiten kurz zu halten und die Sicherheit zu gewährleisten ist es nicht ideal in einem Zug möglichst jedes Eck mit einem Sitzplatz zu füllen (wie im ICN), anscheinend hat man dies nun gemerkt. 👍
12321
Melden
Zum Kommentar
avatar
Ökonometriker
16.12.2019 08:22registriert Januar 2017
Hmm, also die Sitze der neuen Züge (egal ob Giruno oder Dosto) lassen mich nichts von gestiegenem Komfort merken... warum nicht einfach den bequemen ic2000 weiter bauen, der war doch super?
10620
Melden
Zum Kommentar
avatar
Lai Nair
16.12.2019 10:36registriert Dezember 2016
es hat genügend Platz für all jene, welche schlau genug sind und eine Reservation vornehmen. Alle anderen sind selbst schuld, wenn sie stehen müssen
224
Melden
Zum Kommentar
48
Die ETH Zürich rechnet vor, wie wir das Klimaziel Netto-Null bis 2050 erreichen können
Weg von Öl und Gas bis zum Jahr 2050. Eine riesige Herausforderung für die Schweiz. Wie das gehen könnte, haben Forschende der ETH Zürich während dreier Jahre erarbeitet und nun in einen Bericht der Akademien der Wissenschaften gefasst.

Die Schweiz muss eine Energieversorgung mit einer CO2-Bilanz von Netto-Null bis 2050 erreichen, um die globale Erwärmung bei mindestens 1.5 Grad Celsius zu stoppen. Die Aufgabe sei in den letzten 10 Jahren aber nicht einfacher geworden, sagte Studienleiter Konstantinos Boulouchos von der ETH Zürich an der Präsentation des Berichts in Bern.

Zur Story