
Der Rundschau-Beitrag über den Fall warf hohe Wellen.Bild: SRF
2021 wurde eine Frau in Schaffhausen übel zusammengeschlagen. Der Fall erlangte durch mehrere Medienberichte in den vergangenen Wochen viel Aufmerksamkeit – nun meldet sich auch einer der Täter zu Wort.
09.06.2024, 09:4809.06.2024, 14:18
«Das ist so, ich kann es nicht wegreden.»
Das sagt der von der «SonntagsZeitung» interviewte Mann auf die Aussage, er sei der Haupttäter im vorliegenden Fall. Der Mann, der Rolf M. genannt wird, nimmt ausführlich Stellung zum verhängnisvollen Abend und seiner Rolle dabei. Das sagt er über ...
... die Gründe und die Schuldfrage
Rolf M. erklärt, dass er «hundertprozentig» schuld daran sei, die Frau geschlagen zu haben. Er bereue dies «zutiefst». Zuerst habe er mehrmals versucht, die Situation zu beruhigen, dann sei ihm die Zündschnur durchgebrannt.
«Irgendwann hat es mich vertätscht.»
Er habe gegenüber der Polizei aber nie versucht, das Geschehene schönzureden. Er mache «keine mildernden Umstände» für sich geltend.
... die Brutalität des Angriffs
Der Vorfall wurde von Kameras aufgezeichnet, die Aufnahmen sind hässlich. Darüber sagt Rolf M.: «Ich war auch schockiert, als ich das Video bei der zweiten Einvernahme zum ersten Mal gesehen habe.» Und weiter:
«So etwas macht man einfach nicht, es ist das Hinterletzte.»
Achtung: Diese Aufnahmen können verstörend wirken
Video: srf/rundschau
... sein Verhältnis zu Fabienne W.
M. erklärt, er habe sich bei Fabienne W. nach der Tat entschuldigt und mehrfach mit ihr Kontakt gehabt. Er sei nach der Tat in eine Krise gerutscht, wegen dieser, aber auch wegen anderer persönlicher Dinge.
Nach einem Psychiatrieaufenthalt habe er Fabienne W. zufällig erneut getroffen und sich zweimal mit ihr verabredet, wobei sie auch über die Tat gesprochen hätten. Er habe daraufhin den Eindruck gehabt, W. habe ihm verziehen.
Eine aussergerichtliche Einigung sei ein Thema gewesen. Doch nach einiger Zeit habe Fabienne W. den Kontakt abgebrochen. Ein Jahr später sei dann die SRF-Dokumentation publiziert worden.
... die Folgen des SRF-Beitrags
Dieser habe dann seine Existenz zerstört. Denn:
«Ich musste aus Schaffhausen fliehen.»
Dies, weil er Morddrohungen erhalten habe und mehrfach Einbruchsversuche in seine Wohnung stattgefunden hätten. Zudem sei er auf der Strasse beschimpft worden.
Den SRF-Beitrag findet M. indes unfair.
«Die Berichterstattung der Rundschau ist einseitig und unfair. Es wird weggelassen, was vorher und nachher passiert ist.»
Kritik am SRF-Beitrag
Kritik an der SRF-Doku gab es auch von anderer Seite. Die Lokalzeitung «Schaffhauser AZ» veröffentlichte nach dem Erscheinen der Dokumentation eine eigene Recherche, welche über Wochen hinweg verfolgt wurde. Die Zeitung kam zum Schluss, dass die Rundschau teilweise falsche oder unbewiesene Narrative und Tatsachen suggeriere. Abschliessend heisst es:
«Das Gesamtbild, das durch die verschiedenen Beweismittel entsteht, lässt die brutale Prügelorgie in einem anderen Licht erscheinen: nicht als Resultat eines kühl geplanten Hinterhalts – sondern als albtraumhaften Höhepunkt eines Rauschabends, der plötzlich völlig ausser Kontrolle geriet.»
... seine aktuelle Situation
Die Polizei habe ihm geraten, die Stadt vorübergehend zu verlassen, so M. Dem sei er nachgekommen. Er lebt bei einem Freund und möchte um jeden Preis anonym bleiben.
«Meinen Namen und mein Gesicht muss ich geheim halten, denn wenn ich mich als den Täter öffentlich zeige, bin ich hier auch nicht mehr sicher. Auch meine Tochter will mich nicht mehr sehen.»
Auch beruflich habe der Beitrag Konsequenzen gehabt. Er lebe seit eineinhalb Jahren von der Sozialhilfe, sei aber kurz davor gewesen, als Pflegehelfer wieder Fuss in der Arbeitswelt zu fassen.
«Meine Vorgesetzten waren zufrieden. Ich hatte eine Festanstellung in Aussicht. Aber diese Chance ist jetzt zerstört.»
Ein Tag nach dem Rundschau-Beitrag sei er freigestellt worden.
... seine Faszination für Waffen und Gewalt
Rolf M. gibt im Interview an, etwa 170 Waffen zu besitzen. Er sammle antike Schwerter, Dolche, Messer oder Hellebarden. Es sei aber zuvor nie gewalttätig geworden, es habe auch nie ein Strafverfahren gegen ihn gegeben.
... eine gerechte Strafe
M. wurde bisher nicht für seine Tat bestraft. Diese geschah im Jahr 2021. Darüber sagt er:
«Da kann ich doch nichts dafür! Mir wurde angedroht, dass ich für die Tat ein- oder eineinhalb Jahre ins Gefängnis kommen könnte. Das fände ich eine gerechte Strafe.»
(con)
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