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Das unternehmen Schweizer Universitäten gegen ChatGPT-Schummeleien

Immer mehr Studentinnen und Studenten verwenden KI-Programme wie beispielsweise Chat-GPT. (Symbolbild)
Immer mehr Studentinnen und Studenten verwenden KI-Programme wie beispielsweise Chat-GPT. (Symbolbild)Bild: Shutterstock

Studentin schreibt Prüfung mit Künstlicher Intelligenz – so reagieren die Schweizer Unis

Wie gehen die Schweizer Universitäten mit den Herausforderungen der Künstlichen Intelligenz um? Die Ansätze und Ansprüche der Hochschulen sind unterschiedlich. Einige setzen mehr auf mündliche Prüfungen, andere wollen die KI aktiv im Unterricht einbetten.
30.03.2023, 05:2630.03.2023, 13:32
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Die Studentin Carolina* hat gegenüber watson in dem Format «Was ich wirklich denke» gesagt, dass sie für Leistungsnachweise Künstliche Intelligenz (KI) verwende. Sie habe beispielsweise eine Prüfung dank ChatGPT in Windeseile lösen können. Sie erklärt: «Grundsätzlich habe ich mich meiner Meinung nach an die Regeln gehalten. Wir durften Google benutzen. Ich war einfach so schlau, nach ChatGPT zu googeln.»

Carolina ist wahrscheinlich nicht die einzige Studentin, welche die KI zu ihrem Vorteil nutzt. Deshalb stehen die Universitäten nun vor verschiedenen Herausforderungen. watson hat darum verschiedene Schweizer Hochschulen kontaktiert und sie gefragt, wie sie mit der Verwendung von KI umgehen.

Universität Luzern: «Im extremsten Fall gibt es einen Studienausschluss»

watson hat die Universität Luzern gefragt, ob die Studentinnen und Studenten schon ChatGPT nutzen würden. Dave Schläpfer, Mediensprecher an der Universität Luzern sagt: «Davon ist – nur schon aufgrund der breiten Bekanntwerdung des Themas – auszugehen. Und daran ist auch nichts auszusetzen, sofern dies im erlaubten und nicht in einem missbräuchlichen Rahmen passiert. So kann es sein, dass Dozierende ChatGPT in Lehrveranstaltungen bei ganz bestimmten Aufgaben und zu ganz bestimmten Verwendungszwecken zu einem erlaubten Hilfsmittel erklären.»

Universität Luzern
Die Universität Luzern hält weiterhin am Verfassen von Seminararbeiten fest.Bild: Neue Luzerner Zeitung

Stört es die Universität Luzern, dass gewisse Studierende einen grossen Teil ihrer Arbeit mit Chat GPT verfassen? Schläpfer entgegnet: «Ja, falls das so ist oder so wäre, würde dies, genau gleich wie bei Plagiaten, Ghostwriting und anderen Verstössen gegen die wissenschaftliche Redlichkeit, nicht toleriert und bei einer Aufdeckung entsprechend sanktioniert. Im extremsten Fall bis hin zum Studienausschluss und der nachträglichen Aberkennung von Titeln.»

«So oder so gehen wir davon aus, dass die überwältigende Mehrzahl unserer Studierenden ihre schriftlichen Arbeiten im eigenen Lerninteresse nach wie vor selbst und ohne unerlaubte Hilfsmittel verfasst und dies auch in Zukunft tun wird», ergänzt er.

Für Schläpfer hat das Verfassen von Seminararbeiten trotz KI eine Zukunft. Er sagt, dass mit dem Verfassen von schriftlichen Arbeiten essenzielle Fertig- und Fähigkeiten erworben würden.

Universität Basel: «Setting mit freier Verfügbarkeit von KI ist ungeeignet »

Die Universität Basel hat eine klare Haltung. «Das frühere Setting mit der freien Verfügbarkeit von KI-Textgeneratoren hat sich als ungeeignet erwiesen, um einigermassen verlässlich die Eigenleistung der Studierenden beurteilen zu können», so Matthias Geering von der Kommunikationsabteilung.

Er fügt an: «Bei den BA-Prüfungen der Philosophisch-Historischen Fakultät ist die Nutzung von ChatGPT während der Prüfung verboten. Diese Regelung ist aber keineswegs gleichzusetzen mit einem totalen Verbot der Nutzung von ChatGPT im Studium.»

Universität Basel
Bei der Universität Basel ist ChatGPT während den BA-Prüfungen an der Philosophisch-Historischen Fakultät verboten. Bild: Keystone

Die Universität Basel würde derzeit die Prüfungssituationen anpassen. «Hilfsmittel aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz sollen sinnvoll eingebaut werden», so Geering. Doch er sagt klar: «Die mündliche Prüfung wird an Bedeutung zulegen.»

Universität Bern: «ChatGPT muss Eingang in die Lehre finden»

Die Universität Bern zeigt sich pragmatisch. Nathalie Matter von der Kommunikationsabteilung sagt: «Grundsätzlich ist die Universität Bern überzeugt, dass Tools wie ChatGPT Eingang in die Lehre finden müssen, da sich diese Tools weder rückgängig machen noch rein technisch kontrollieren lassen.»

Zudem hält sie fest: «Was schriftliche Leistungskontrollen anbelangt, stellt die künstliche Intelligenz die Lehrenden vor neue Herausforderungen, und längerfristig wird das Vorhandensein der KI eine Veränderung in der Form traditioneller Leistungskontrollen mit sich bringen.»

Doch bei den Leistungskontrollen ist die Universität Bern vor eine Herausforderung gestellt: «In welcher Form Leistungskontrollen wie Seminararbeiten oder Online-Prüfungen künftig eingesetzt werden, wird gegenwärtig noch abgeklärt. Bezüglich Nutzung von KI für Leistungsnachweise ist aus einer Fakultät ein Fall bekannt, bei dem ChatGPT unerlaubterweise bei einer Leistungskontrolle zum Einsatz kam, wobei die betreffende Person einen Verweis wegen Plagiats erhielt.»

Universität Zürich: «Wir wägen derzeit die Chancen und Risiken der KI ab»

Die Universität Zürich äussert sich derzeit nur zögerlich: «Die Fakultäten, Institute und Seminare der Universität Zürich wägen derzeit die Chancen und Risiken des Einsatzes generativer KI im Lichte der jeweiligen spezifischen fachlichen Gegebenheiten ab. Sie prüfen, unter welchen Voraussetzungen und in welchen Bereichen der Einsatz dieser Technologien in Lehre und Forschung sinnvoll ist. Die Universität fördert zusätzlich den fachübergreifenden Austausch u. a. mit Panels, Workshops und Gremiendiskussionen.»

ARCHIV - ZUR JAHRESKONFEREZ DER UNIVERSITAET ZUERICH STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG, AM MITTWOCH, 3. APRIL 2019 - Das Hauptgebaeude der Universitaet Zuerich, aufgenommen anlas ...
Die Universität Zürich prüft aktuell die Chancen und Risiken der KI.Bild: KEYSTONE

ZHAW: «Mensch-Maschinen-Interaktion macht Schreiben von Arbeiten vielfältiger»

Die ZHAW zeigt sich progressiv: «Der Einsatz von generativen KI-Systemen gehört zur neuen Berufs- und Studienrealität und wird von der ZHAW didaktisch gefördert. Die Frage nach dem zulässigen Einsatz von ChatGPT bei Leistungsnachweisen wird fachspezifisch und je nach Leistungsnachweis individuell festgelegt.»

Auch sie hält weiterhin an den Seminararbeiten fest: «Seminar- und Hausarbeiten auf den Zweck des Prüfens zu reduzieren, greift zu kurz. Arbeiten dienen nicht nur dazu, Kompetenzen zu überprüfen, sondern sind auch ein wichtiges Denk-, Lern- und Kommunikationsinstrument. Durch das Schreiben von Arbeiten lernen die Studierenden, ihre Gedanken zu strukturieren und gemäss einer fachspezifisch anerkannten Sprache zu argumentieren. Dies zu lernen, ist für eine Karriere in der Wissenschaft und in der Wirtschaft gleichermassen wichtig. Mit der Mensch-Maschinen-Interaktion wird das Schreiben von wissenschaftlich fundierten Arbeiten sowohl vielfältiger als auch anspruchsvoller.»

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So reagiert ChatGPT auf KI-Witze
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So reagiert ChatGPT auf KI-Witze
quelle: screenshot: watson
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Beeindruckend: Schweizer KI-Künstler visualisiert die Geschichte des Krieges
Video: watson
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142 Kommentare
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techiesg
30.03.2023 07:16registriert März 2018
«So oder so gehen wir davon aus, dass die überwältigende Mehrzahl unserer Studierenden ihre schriftlichen Arbeiten im eigenen Lerninteresse nach wie vor selbst und ohne unerlaubte Hilfsmittel verfasst und dies auch in Zukunft tun wird»

Genau. Der Samichlaus und der Osterhase auch.
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Pafeld
30.03.2023 07:51registriert August 2014
Ich hab ChatGPT kürzlich diverse Aufgaben und Fragen aus unserem Fachbereich gestellt und war einerseits verblüfft, wie umfassend und präzise gewisse Antworten waren, die vielleicht einige tausend Menschen effektiv hätten beantworten können. Andererseits auch, wie kackdreist es "berühmte" Beispiele schlicht erfand und beim Nachfragen auf Nebenthemen auswich oder schlicht behauptet hat, eine solche Antwort niemals gegeben zu haben. Dabei waren aber auch Antworten, die so kreuzfalsch waren, dass offensichtlich ist, dass die Antwort ohne elementarste Fachkenntnis verfasst wurde.
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Jonas der doofe
30.03.2023 06:55registriert Juni 2020
War ja klar, dass es in Bern am meisten Verständnis dafür gibt....

Ich bin davon überzeugt, die Unis begreiffen nicht wirklich, wie schnell die Entwicklung hier vorwärts geht.

Noch vor 2 Jahren waren solche Programme nirgends und schlecht. Und jetzt reichts schon für Uniprüfungen.

In weiteren 2 Jahren würde ein 5. Klässler eine Masterarbeit schreiben können, wenn die Unis nichts ändern an ihrem Prüfungsregime. Es kommt also mit Ansage.
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