Schweiz
Sport

Bagger auf Zermatter Gletscher: Franz Julen in Italien freigesprochen

Des dameuses et une pelleteuse preparent la piste de ski "Gran Becca" pour la premiere edition de la Coupe du monde de ski alpin a Zermatt/Cervinia entre "Testa Grigia" et "La ...
Die Bagger auf dem Gletscher für die Präparation der Weltcup-Piste waren im Herbst 2023 ein emotionales Thema.Bild: KEYSTONE

Bagger auf Zermatter Gletscher: Freispruch für Julen vor höchstem italienischen Gericht

Italiens Justiz schafft für die Verantwortlichen der Bauarbeiten auf der Gran-Becca-Abfahrtsstrecke am Matterhorn endgültig Rechtssicherheit.
12.05.2026, 04:3912.05.2026, 06:39
Rainer Sommerhalder
Rainer Sommerhalder

Was war das für eine Aufregung, als im Herbst 2023 Bagger auf dem Zermatter Gletscher auffuhren. Zwar bei weitem nicht das erste Mal, dafür aber für eine umso speziellere Premiere: die geplanten ersten Weltcup-Abfahrten auf der «Gran Becca». Rennen, die letztlich bis heute noch nie stattfanden.

Nicht nur Piste und Event waren als länderübergreifendes Projekt konzipiert. Auch die Empörung im Kontext von dahinschmelzenden Gletschern mit Baggern, welche diesen langsamen Tod entgegen der Ansicht von Fachleuten angeblich sogar noch beschleunigten, machte vor der Grenze nicht halt. Im Wallis musste sich ein Verwaltungsverfahren der Kantonalen Baukommission mit der Zonenkonformität der Weltcup-Strecke und der damit verbundenen Bauarbeiten beschäftigen. In Italien bemühte die Staatsanwaltschaft von Aosta insgesamt drei Instanzen und dabei letztlich sogar das höchste Gericht des Landes.

Franz Julen, president of the organizing committee, leaves the finish area after the women's downhill race on the new ski course "Gran Becca" was cancelled due to strong winds, at the A ...
Franz Julen, OK-Präsident der Zermatter Weltcuprennen, kann eine belastende Situation definitiv abhaken.Bild: keystone

Im Fokus des Strafverfahrens standen der Fahrer eines Pistenfahrzeugs, zwei Geschäftsführer der Cervinia-Bergbahnen sowie als prominentester Angeklagter Franz Julen, der charismatische Walliser OK-Präsident der Weltcup-Rennen. Ihnen wurde vorgeworfen, beim Bau der Gran Becca auf der italienischen Seite des Theodulgletschers unbewilligte Arbeiten ausgeführt und gegen italienische Umweltvorschriften verstossen zu haben. Wäre es nach dem zuständigen Staatsanwalt gegangen, hätte Franz Julen eine dreimonatige Freiheitsstrafe sowie eine Geldbusse geblüht.

Römer Richter beschäftigen sich mit Gletschereis

Vergangene Woche sah dies nun auch die dritte Instanz komplett anders. Nach dem Freispruch im Februar 2025 durch den Richter in Aosta zog der Staatsanwalt seine Anklage im Februar 2026 vor das Berufungsgericht in Turin. Die Beschwerde wurde erneut abgewiesen und die Angeklagten wurden wiederum freigesprochen. Der Staatsanwalt zog das Urteil weiter nach Rom. Letzte Woche fand jetzt auch das Kassationsgericht in Rom als oberste Gerichtsbehörde des Landes keinerlei Schuld bei den vier Angeklagten.

Für Franz Julen endet mit diesem endgültigen Freispruch eine unangenehme Situation. Der 67-Jährige sagt gegenüber CH Media: «Selbstverständlich war das Verfahren für meine Familie und mich belastend – eine Strafanzeige bleibt eine Strafanzeige und ist nie ein erfreulicher Sachverhalt. Ich war jedoch stets überzeugt, dass wir im Rahmen der erteilten Bewilligungen und geltenden Vorgaben die Arbeiten am Gletscher richtig und korrekt gemacht hatten. Dieses von sämtlichen Instanzen in Italien bestätigte, unanfechtbare Urteil schafft nun Klarheit und Rechtssicherheit.» Die juristische Bestätigung der Rechtmässigkeit von Julens Handeln lässt den Walliser nun wieder nach vorn schauen: «Ich freue mich darauf, weiterhin mit voller Konzentration und Motivation das Weltcup-Projekt am Gornergrat vorantreiben zu können.» Odermatt, Von Allmen und Co. sollen in der zweiten Märzhälfte 2028 erstmals in Zermatt den Abfahrtssieg unter sich ausmachen.

Und auch auf Walliser Seite des Matterhorns herrscht Ruhe. Für die seit einem Jahr wieder stattfindenden Sommertrainings der Skistars auf dem Theodulgletscher hat man gemäss Franz Julen sämtliche Pistenarbeiten mit der Kantonalen Baukommission abgestimmt. Nur die Gletscherschmelze zeigt sich von all diesen juristischen Reibereien weiterhin unbeeindruckt. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die (schon jetzt) unfassbare Karriere von Ski-Star Marco Odermatt
1 / 52
Die (schon jetzt) unfassbare Karriere von Ski-Star Marco Odermatt

Am 8. Oktober 1997 wird Marco Odermatt in Stans NW geboren. Zwei Jahre und zwei Monate später steht Klein Marco erstmals auf Skiern.

quelle: marco odermatt / marco odermatt
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Skifahren am Strand von Rimini oder vor dem Eiffelturm – so trotzen die Menschen in Europa dem Wintereinbruch
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
1 Kommentar
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
1
Grandiose WM-Hauptprobe und trotzdem eine bange Frage
Nach dem Rekordsieg gegen Tschechien (6:1) sagen die Optimisten: Spielerisch gut genug, um erstmals Weltmeister zu werden. Aber der Realist fragt: Sind wir auch hart genug für den WM-Titel?
Ängelholm war in den letzten Tagen mehr als ein Ort an der südschwedischen Küste. Mehr als die letzte Station vor dem WM-Start am nächsten Freitag in Zürich gegen die USA. Ängelholm war ein Versprechen: Weltmeister. Für unser Hockey ein Wort wie aus einer fremden Sprache. Noch immer.
Zur Story