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Parlamentarier der grossen Kammer verfolgen eine Abstimmung zur Asyldebatte anlaesslich der Herbstsession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 8. September 2015, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Der Bildschirm im Nationalratssaal zeigt an, wer wie gestimmt hat: Wir zeigen, wer wie häufig verloren und gewonnen hat. 
Bild: KEYSTONE

Der grosse Parlamentarier-Check: Wer in den letzten vier Jahren am meisten gewonnen, verloren und geschwänzt hat

Die 49. Legislatur ist seit vergangenem Freitag Geschichte. Drei Wochen vor den Wahlen machen wir den grossen Parlamentarier-Check: Wir haben sämtliche Abstimmungen ausgewertet und sagen, wer die Gewinner, Verlierer, Schwänzer und Pflichtbewussten im Nationalrat waren.

Stefan Trachsel
Stefan Trachsel



Über 4500 Mal haben die Nationalrätinnen und Nationalräte in den vergangenen vier Jahren ihre Abstimmungsknöpfe gedrückt und damit die Weichen für die Zukunft des Landes gestellt. Manchmal hingen Jobs von einem Ja oder Nein ab, manchmal ging es nur um Symbolik.

Bevor der Nationalrat neu besetzt wird, gilt es den alten auf den Prüfstand zu stellen. Ob Bankgeheimnis oder Gotthardtunnel, ob Asylpolitik oder Energiewende, vor unserem Parlamentarier-Check sind alle Entscheide gleich. Wir zeigen, wer in den letzten vier Jahren am meisten und am wenigsten gewonnen hat und wer am meisten und am wenigsten in Bern anwesend war. Dazu haben wir sämtliche 4538 Abstimmungen zwischen Dezember 2011 und September 2015 analysiert.

Der Erfolgsverwöhnte muss bangen

Parlamentarier sind grundsätzlich Gewinnertypen: Im Durchschnitt gewinnt jeder 61,2 Prozent seiner Abstimmungen. Es gibt aber grosse Unterschiede.

Am häufigsten gewonnen hat in der 49. Legislatur der Solothurner CVP-Nationalrat Urs Schläfli. Doch ausgerechnet der erfolgsverwöhnte Landwirt muss um seine Wiederwahl bangen: In seinem Kanton wird mindestens ein Bisheriger abgewählt – und Schläflis Sitz gehört zu denen, die am stärksten wackeln.

Die Liste der Gewinner

Unter den Gewinnern sind hauptsächlich Mittepolitiker. Sie gewinnen bis zu 9 von 10 Abstimmungen – einmal mit der Rechten und dann wieder mit der Linken. Dagegen ist bei Politikern ganz links und ganz rechts aussen grosses Frustrationspotenzial gefragt. Sie können sich seltener durchsetzen und stehen deutlich häufiger auf der Verliererseite.

Am häufigsten verloren haben der Zürcher SP-Nationalrat Andreas Gross und SVP-Vizepräsident Christoph Blocher, der nach der Hälfte der Legislatur zurückgetreten ist («Zeitverschwendung»). Nur in gut einem Drittel der Abstimmungen waren die beiden auf der Gewinnerseite. SP- und SVP-Parlamentarier stellen die Mehrheit der Verliererliste.

Die Liste der Verlierer

Wer sich nie einig ist

Dass die Parlamentarier das Heu nicht immer auf der gleichen Bühne haben, ist hinlänglich bekannt. Wir haben nun ausgerechnet, wie uneinig sie sich wirklich sind. Dazu haben wir für jedes mögliche Parlamentarier-Paar angeschaut, in wie vielen Fällen beide gleich gestimmt haben (Ja, Nein, Enthaltung).

Das Paar mit dem grössten Unterschied im Stimmverhalten:

SVP-Nationalrat Gregor Rutz, ZH, verfolgt die Debatte zur Ausschaffung krimineller Auslaender an der Fruehlingssession der Eidgenoessischen Raete, am Mittwoch, 11. Maerz 2015, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

SVP-Nationalrat Gregor Rutz und...
Bild: KEYSTONE

Andreas Gross (SP/ZH) aeussert sich zur Debatte ueber ein bedingungsloses Grundeinkommen (Volksinitiative) am Mittwoch, 23. September 2015, im Nationalratssaal in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

... SP-Nationalrat Andreas Gross stimmen in gerade mal 13,95 Prozent der Abstimmungen gleich. (Berücksichtigt wurden nur die noch aktiven Parlamentarier und nur Paare, die mindestens 500 Mal gemeinsam abgestimmt haben.)
Bild: KEYSTONE

Diese Parlamentarier haben am meisten geschwänzt:

Besonders häufig abwesend sind Unternehmer sowie Parlamentarier mit Doppelmandaten. Nummer eins ist Eisenbahnunternehmer Peter Spuhler, der mittlerweile wegen zu grosser beruflichen Belastung zurückgetreten ist.

Wer als Schwänzer geoutet wird, rechtfertigt sich meist damit, dass er oder sie bei den wichtigen Abstimmungen anwesend sei und dass es darauf ankomme. Von wegen: Alle Parlamentarier in den Top 20 in der Bildstrecke oben sind mindestens in den Top 25, wenn man nur die Abstimmungen mit knappem Resultat berücksichtigt.

Eng ist das Rennen bei den Parlamentariern, die am meisten anwesend sind. Die Unterschiede unter den ersten 25 sind gering. Alle kommen auf mindestens 98 Prozent. Sieger der Legislatur ist SVP-Nationalrat Ernst Schibli mit einer Quote von 99,6 Prozent. Der Zürcher Landwirt, der nicht ohne Nebengeräusche für Hans Kaufmann nachgerückt war, hat in gut einem Jahr nur gerade bei sieben Abstimmungen unentschuldigt gefehlt.

Die Liste der Pflichtbewussten

Kein Parlamentarier hat an allen 4358 Abstimmungen teilgenommen. Die grosse Mehrheit der Nationalräte ist aber äusserst pflichtbewusst. Drei Viertel der Parlamentarier stimmen bei über 88 Prozent der Abstimmungen mit (siehe Grafik unten). Eine Anwesenheitsquote von unter 80 Prozent haben gerade mal 12 Parlamentarier.

Die disziplinierte Mehrheit 

[Grafik] Die Anwesenheit der Nationalrätinnen und Nationalräte bei den Abstimmungen in der 49. Legislatur (2011-2015) als Histogramm. Die grosse Mehrheit der Parlamentarier ist bei über 80 Prozent der Abstimmungen anwesend. (Mind. 1150 Abstimmungen [~ein Jahr]).

Die Balken zeigen die Anzahl Parlamentarier mit einer bestimmten Anwesenheitsquote bei Abstimmungen (Skala unten). Rohdaten: parlament.ch
grafik: watson

Die Daten selbst erkunden, kannst du hier.

Bemerkungen

Die Daten stammen von der Internetseite des Parlaments. Bei der Abwesenheitsquote wurden alle unentschuldigten Absenzen berücksichtigt. Die Anwesenheitsquote nimmt keine Rücksicht auf entschuldigte Absenzen.

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