Drama im Stall: Stier sollte Kühe besamen – und trampelt einen Mann zu Tode
Das Unglück passierte auf einem Bauernhof im Waadtländer Dorf Palézieux-Village. Am vergangenen Dienstagmorgen drückte ein Stier einen landwirtschaftlichen Mitarbeiter zuerst gegen einen Zaun. Darauf trampelte er ihn zu Tode. Trotz Reanimationsversuchen verstarb der 45-jährige Pole am Unfallort, wie die Waadtländer Polizei mitteilte.
Auf Anfrage dieser Zeitung machte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft weitere Angaben, die den Angriff des Stiers möglicherweise zu erklären vermögen. Das Tier befand sich in einer Box im Stall und hatte die Aufgabe, eine brünstige Kuh zu decken. Das ist eine Risikosituation, wie die Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft erklärt.
Sprecherin Cornelia Stelzer verweist auf Untersuchungen, die zeigen, dass Stiere Menschen als Nebenbuhler wahrnehmen können, wenn sie sich in die Nähe brünstiger Kühe begeben. Eine mögliche Präventionsmassnahme lautet, Zuchtstiere in separaten Stierenboxen mit eingezäuntem Auslauf zu halten, anstatt sie freilaufend in die Herde zu lassen. Ställe und Stierenboxen sollten mit Fluchtöffnungen für Menschen ausgerüstet werden.
Es ist wichtig, sich nie zwischen einen Muni und eine Kuh zu stellen sowie ruhig und bestimmt aufzutreten, eine Sicherheitsdistanz zu wahren, den Stier zu beobachten und seine Signale zu lesen. «Nach Unfällen berichten Betroffene oft, dass sich das Tier schon früher auffällig verhalten habe», sagt Stelzer. Fast alle Rindviehhalter hätten schon gefährliche Situationen mit einem Muni im Stall erlebt, der böse und gefährlich wurde. «Viele dieser Fälle laufen zum Glück glimpflich ab, und das Tier kann rechtzeitig aus der Herde genommen werden, ohne grösseren Schaden anzurichten», sagt Stelzer.
Die meisten tödlichen Unfälle im landwirtschaftlichen Kontext passieren mit Fahrzeugen und Maschinen. Tödliche Angriffe von Stieren sind selten. In den letzten zehn Jahren registrierte die Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft zwei Fälle. Einmal verstarb eine Person wegen einer Attacke durch eine Mutterkuh.
Suche mit Armeehelikopter
Immer wieder für Schlagzeilen sorgen gefährliche Zwischenfälle. Ende letzten Jahres erlitt ein 61-jähriger Bauer in Pusserein GR schwere Verletzungen, als sich ein 1000 Kilogramm schwerer Muni näherte und ihn im Freilaufstall gegen eine Metallabtrennung drückte. Im September 2025 warf ein Stier einen Bauern in Tschappina GR mehrmals zu Boden, als dieser mit seinem Sohn ein Rind und ein Kalb in den Stall brachte. In beiden Fällen wurden die Verletzten mit einem Rega-Helikopter ins Kantonsspital Graubünden geflogen.
Ein Grossaufgebot provozierte letzten Sommer ein Muni, der von einem Hof in Montalchez NE ausbüxte, einem Gebiet, in dem viele Wanderer unterwegs sind. Das System Alertsuisse warnte vor dem 600 Kilogramm schweren Tier. Die Polizei startete in Zusammenarbeit mit den Landwirten, Tierärzten und Wildhütern eine umfangreiche Suchaktion, sogar ein Armeehelikopter kam zum Einsatz. Erfolglos. Einen Tag später wurde der flüchtige Stier inmitten einer Kuhherde gefunden und konnte seinem Besitzer übergeben werden.
Der Stier, der den polnischen Landwirtschaftsarbeiter tötete, wurde noch gleichentags zum Schlachthof geführt. Die Staatsanwaltschaft hat – wie bei derartigen Fällen üblich – eine Strafuntersuchung eingeleitet wegen eines aussergewöhnlichen Todesfalls. Als Ursache des Dramas stehe ein Unfall im Vordergrund, sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft auf Anfrage. (aargauerzeitung.ch)

