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Novartis will Preisunterschied von Arzneien zu den USA eliminieren

CEO of Novartis, Vas Narasimhan speaks during the general assembly of Swiss Pharma group Novartis, at the St. Jakobshalle in Basel, Switzerland, this Friday, March 7, 2025. (KEYSTONE/Urs Flueeler).
Konzernchef Vas Narasimhan.Bild: keystone

Schweizer Arzneien-Preise «viel zu tief»: Novartis will Unterschied zu den USA eliminieren

20.09.2025, 06:3720.09.2025, 06:53

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis will den Preisunterschied von Arzneien zwischen den USA und den übrigen Industrieländern eliminieren. Konzernchef Vas Narasimhan sieht Länder ausserhalb der USA in der Pflicht, für Innovationen einen höheren Anteil zu leisten.

«Es ist Tatsache, dass amerikanische Patienten einen grossen Teil der Innovationen bezahlen», sagte Narasimhan in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung».

Hintergrund ist die Forderung von US-Präsident Donald Trump nach Preissenkungen. Anfang August hatte er unter anderem Schweizer Konzernen wie Pfizer, Roche und Novartis eine 60-Tage-Frist zur Preissenkung gesetzt. Für die Unternehmen stellt dies eine milliardenschwere Herausforderung dar. Novartis arbeite mit der Regierung zusammen und versuche, «konstruktive Lösungen zu finden, damit die Amerikaner weniger für ihre Medikamente bezahlen müssen», sagte der Konzernchef.

Schweizer Preise sind «viel zu tief»

Auf die Frage, was dies für die Schweiz bedeute, antwortete Narasimhan: «Insbesondere in der Schweiz sind die Medikamentenpreise viel zu tief.» Im Vergleich mit anderen Mitgliedsländern der OECD, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, würden sie am unteren Rand liegen.

Generell lasse sich aber nicht sagen, wie viel europäische Länder mehr bezahlen müssten. «Aber schon heute ist es etwa bei Krebsmedikamenten so, dass 30 bis 40 Prozent verspätet oder gar nicht in Europa auf den Markt kommen», sagte der Novartis-Chef. Dieser Anteil werde mit der Zeit steigen.

Komplexes US-System

Derzeit prüfe der Konzern verschiedene Mechanismen für mögliche Preissenkungen. Das US-System sei ein komplexes Konstrukt mit Zwischenhändlern und Rabatten. «Ungefähr die Hälfte unseres Bruttoumsatzes geht an diese Mittelsmänner», sagte Narasimhan. Die grösste Chance in den USA sei es, den Einfluss der Einkaufsorganisationen zu beschränken.

Die Forderung von Trump wird sich laut dem Konzernchef mittelfristig nicht auf den Ausblick von Novartis auswirken. Was Unvorhergesehenes betrifft, zeigte er sich optimistisch: «Egal, was passiert, unter der gegenwärtigen Gesetzeslage in den USA sollten sämtliche Veränderungen zu managen sein.» (sda)

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269 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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SOSollala
20.09.2025 07:12registriert Januar 2025
Unglaublich!
Ein Pharmariese versucht aus dem Zollstreit USA (Wirtschaftskrise) Gewinne aus Europa und Mutterland CH herauszuschlagen. Wie dreist kann man vorgehen? Und wie gross ist die Abzockermentalität, wenn Milliardengewinne und absurde Gehälter der "Leader" nicht genug sind?
Ich bin nicht empört, sondern fassungslos! Was sagt dieses Verhalten über diese Branche aus?
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001243.3e08972a@apple
20.09.2025 06:47registriert Juli 2024
Wir sollten die Tramfahrtpreise für Pharma CEOs an Business Class Flüge nach Amerika angleichen.
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001243.3e08972a@apple
20.09.2025 06:46registriert Juli 2024
Wir brauchen endlich freien Medikamentenhandel in ganz Europa.
Und Zwangszulassung sowie Import durch staatliche Stellen bei Verweigerung der Zulassungsanträge durch Pharma.
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