Venezuela: Schweiz bietet Trump ihre Dienste an
Donald Trumps Botschafterin in Bern ist sehr aktiv auf der Plattform X. Fast kein Tag vergeht, an dem Callista Gingrich nicht einen Post absetzt zu ihren Treffen und Ausflügen in der ganzen Schweiz. Da finden sich schon mal Bilder vom Besuch in Lugano, Fotos aus einer getäferten Restaurantstube in Davos während des WEF, selbstverständlich werden auch Besuche in der Berner Residenz dokumentiert. Fast immer mit dabei: Ehemann Newt, der ehemalige Sprecher des Repräsentantenhauses in den USA.
Ambassador and Speaker Gingrich were delighted to recently visit Lugano. 🇺🇸 🇨🇭 pic.twitter.com/90tPBnbcvQ
— U.S. Embassy Bern (@USEmbassyBern) January 13, 2026
In aller Regel ist Botschafterin Gingrich «delighted», hocherfreut, über ihre Begegnungen und Erlebnisse. Am Donnerstag zeigte sie sich nun «pleased», zufrieden, nach einer Unterhaltung mit Botschafter François Voeffray, den sie im Aussendepartement getroffen hatte. Inhaltlich lässt sich Trumps Diplomatin auf X freilich nicht in die Karten schauen: Man habe über die engen bilateralen Beziehungen diskutiert.
Ambassador Gingrich was pleased to meet with Ambassador François Voeffray Peyro at the Federal Department of Foreign Affairs to discuss our strong bilateral partnership. 🇺🇸🇨🇭 pic.twitter.com/uPrl1YPggS
— U.S. Embassy Bern (@USEmbassyBern) January 29, 2026
An Themen wird es nicht gefehlt haben: Donald Trumps Rede am WEF in Davos war streckenweise ein Affront gegen die Schweiz. Hinzu kommen brisante Dossiers wie die Einladung des US-Präsidenten an die Schweiz, an seinem halbprivaten Friedensrat teilzunehmen, oder die Verhandlungen hinsichtlich eines Zoll-Abkommens.
Und natürlich dürfte beim Treffen Gingrichs mit Voeffray auch die Situation im Iran zu reden gegeben haben. Dort leistet die Schweiz seit Jahren gute Dienste als Schutzmacht der USA. Derzeit ist das aber eine besonders heikle Aufgabe: Nach den Massenmorden des Regimes an Demonstrierenden in Teheran – die Rede ist von bis zu 30'000 Toten – droht Donald Trump den Mullahs mit einem Militärschlag.
Auf Anfrage mag auch das Aussendepartement zum Gespräch mit der US-Botschafterin nicht in die Details gehen. Immerhin lässt es wissen: «Die Schweiz ist weiterhin bereit, ihre guten Dienste anzubieten, falls dies von den USA und Venezuela gewünscht wird.»
Zur Erinnerung: Mit einer Militäraktion haben Trumps Truppen am 3. Januar den venezolanischen Diktator Nicolás Maduro festgesetzt und in die USA verbracht. Die Aktion gilt als völkerrechtswidrig. In Caracas hat inzwischen Maduros Stellvertreterin, Vizepräsidentin Delcy Rodríguez, die Amtsgeschäfte übernommen.
Die Eidgenossenschaft ist in Venezuela bereits diplomatisch engagiert: Seit Dezember 2024 ist sie dort Schutzmacht für Ecuador. Ecuador nimmt die konsularischen Geschäfte vor Ort zwar mit eigenem Personal wahr, die Interessensektion steht jedoch unter dem Schutz der Schweiz.
Ob die USA auf das Angebot der Schweiz eingehen, ist offen. (aargauerzeitung.ch)
