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Mit Promi-Faktor ins Bundeshaus? Diese Quereinsteiger wollen es wissen

Verschiedene Parteien versuchen, ihre Wahllisten mit bekannten Namen aufzupeppen. Häufig handelt es sich um reine Stimmenfänger, doch teilweise haben sie durchaus Chancen.
03.10.2019, 09:2815.10.2019, 15:09

Für manche Parteien ist die Versuchung gross, prominente Quereinsteiger für die Wahlen zu rekrutieren. Das kann funktionieren oder ins Auge gehen. So wurde der ehemalige Spitzendiplomat Tim Guldimann 2015 für die Zürcher SP in den Nationalrat gewählt. Nach zweieinhalb Jahren warf er das Handtuch. Das Amt war nicht mit seinem Wohnsitz Berlin kompatibel.

Dieses Jahr mussten die Zürcher Grünen mit der gefloppten Kandidatur von Model Tamy Glauser erfahren, dass Prominenz zum Rohrkrepierer werden kann. Trotzdem versuchen diverse bekannte Namen den Wechsel in die Politik. Eine Auswahl, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Armin Capaul

Bild: KEYSTONE

Im letzten November konnte der Bergbauer aus dem Berner Jura mit seiner fast im Alleingang lancierten Hornkuh-Initiative einen Achtungserfolg feiern. Als nächster Schritt kandidiert Armin Capaul für den Nationalrat, als Parteiloser mit einer eigenen Liste. Der 68-Jährige hat den früheren Zürcher SP-Nationalrat Andreas Gross als Berater engagiert. Einfach wird es für ihn trotzdem nicht.

Vom Berner Bauernverband erhält der «Rebell» keine Unterstützung, und auf Listenverbindungen verzichtet Capaul bewusst, zum Leidwesen der Grünen. Sie fürchten, dass er ihnen mit seinem Promi-Bonus Stimmen abjagt. Armin Capaul wiederum will den Grünen nicht als «Stimmvieh» dienen. Fast 160'000 Bernerinnen und Berner hätten seiner Initiative zugestimmt, rechnete er an einer Medienkonferenz vor. Damit hätte er 2015 den zweiten Platz aller Kandidierenden belegt.

Nicola Forster

Bild: KEYSTONE

Mit seiner Körpergrösse, dem Wuschelkopf und der obligaten Fliege ist der Gründer der aussenpolitischen Denkfabrik Foraus eine auffällige Erscheinung. Der 34-jährige Forster hat sich als Player in der Schweizer NGO-Szene etabliert. Anfang Jahr porträtierte ihn die SRF-«Rundschau» als Euroturbo, und für den «Tages-Anzeiger» ging er zum Coiffeur.

Im letzten November wagte Nicola Forster den Sprung in die aktive Politik, als Co-Präsident der Zürcher Grünliberalen. Nun kandidiert er mit Unterstützung der von ihm mitbegründeten Operation Libero für den Nationalrat, auf Platz 10 der GLP-Liste. Seine Wahlchancen sind intakt, denn die Grünliberalen könnten in ihrer Hochburg Zürich mit etwas Glück auf fünf Sitze kommen. Forster rechnet vor, dass 2015 nur rund 3000 Stimmen zwischen Platz 5 und 10 lagen.

Gianna Hablützel-Bürki

Bild: KEYSTONE

An den Olympischen Spielen 2000 in Sydney gewann die Degenfechterin zweimal Silber, im Einzel und mit der Mannschaft. Gleichzeitig stritt sie sich regelmässig mit dem Fechtverband. Auch als SVP-Politikerin geht Gianna Hablützel-Bürki im rotgrün dominierten Basel keiner Kontroverse aus dem Weg. Im Grossen Rat steht die 49-jährige Kämpferin für «Law and Order» am rechten Rand.

Hablützel-Bürki kandidiert für den einzigen Sitz von Basel-Stadt im Ständerat und fährt damit den übrigen bürgerlichen Parteien in die Parade. Sie ist chancenlos, schwächt aber die Liberaldemokratin Patricia von Falkenstein, die als bürgerliche «Einheitskandidatin» gegen die favorisierte SP-Finanzdirektorin Eva Herzog antreten sollte.

Thomas Kessler

Er tanzt auf manchen Hochzeiten: Thomas Kessler war in Basel erst Drogendelegierter, dann Integrationsbeauftragter und schliesslich Stadtentwickler. Damit wurde er auch auf nationaler Ebene zu einem viel gefragten Experten. So befürwortet er unter anderem die Cannabis-Legalisierung.

2017 überwarf er sich mit dem grünen Departementsvorsteher Guy Morin. Nun will der 60-Jährige für die FDP in den Nationalrat. Kessler setzt dabei auf eine aufwändige Social-Media-Kampagne. Für die Bürgerlichen ist das linke Basel ein ziemlich hartes Pflaster. Die «Basler Zeitung» bezeichnete ihn als «Selbstdarsteller», dennoch gilt er nicht als völlig chancenlos.

Valentin Landmann

Bild: KEYSTONE

Seinen Ruf als Milieu-Anwalt wird Valentin Landmann wohl nicht mehr los. Vielleicht will er das gar nicht. Seit einiger Zeit engagiert sich der wohl bunteste Hund unter den Schweizer Juristen auch in der Politik. Im Frühjahr wurde der 69-Jährige als Quereinsteiger für die SVP in den Zürcher Kantonsrat gewählt. Nun tritt Landmann auch bei den Nationalratswahlen an.

Allerdings kandidiert er nicht auf der Hauptliste der Zürcher SVP, sondern «nur» an der Spitze der Seniorenliste. Das schmälert seine Wahlchancen beträchtlich. Vielleicht profitiert Landmann aber von seinem Image als Querkopf. So befürwortet er im Gegensatz zu seiner Partei die Legalisierung von Cannabis. Zwei weitere bekannte Namen auf der SVP-Seniorenliste sind Bob-Olympiasieger Erich Schärer und der frühere FIFA-Medienchef Guido Tognoni.

Michelle Renaud

Bild: KEYSTONE

Mehrere Vertreterinnen und Vertreter der Medien- und Kommunikationsbranche kandidieren bei den Wahlen am 20. Oktober (hier eine Auflistung von persönlich.com). Dazu gehört Michelle Renaud, langjährige Newsmoderatorin bei TeleBärn. Die 44-Jährige, die sich politisch rechts der Mitte situiert, bewirbt sich auf der BDP-Liste für einen Sitz im Nationalrat.

Die serbelnde Partei will mit Renaud ihren durch den Rücktritt von Hans Grunder freiwerdenden dritten Berner Sitz verteidigen. Einfach wird das nicht, aber die NZZ bezeichnete Michelle Renaud als «Glücksfall» für die BDP Bern. Sie fülle jene Lücke, «die sich hinter der abtretenden alten Garde zurzeit auftut». Sie könnte sogar die Bisherigen Lorenz Hess und Heinz Siegenthaler bedrängen.

Pietro Vernazza

Bild: KEYSTONE

Als HIV-Forscher geniesst der Chefarzt am Kantonsspital St.Gallen internationales Renommee. Mit 63 Jahren wagt sich Vernazza in das Abenteuer Politik. Er will für die Grünliberalen den vor vier Jahren verlorenen St. Galler Nationalratssitz zurückerobern und kandidiert gleichzeitig für den Ständerat. Dank dem Auftrieb seiner Partei könnte er es in den Nationalrat schaffen.

Im Wahlkampf gibt Pietro Vernazza mit erfrischender Offenheit zu, nicht über alle Themen Bescheid zu wissen. Als er an einem Ständerats-Podium des «St.Galler Tagblatts» gefragt wurde, ob die Schweiz neue Kampfflugzeuge brauche, antwortet er ungeniert: «Keine Ahnung.»

Karin Weigelt

Bild: KEYSTONE

Handball ist in der Schweiz nicht mehr so populär wie vor einigen Jahrzehnten. Für die Frauen gilt das erst recht, sonst wäre Karin Weigelt auch ausserhalb ihrer Ostschweizer Heimat ein Star. Sie ist 127-fache Nationalspielerin und war als Profi in Deutschland, Norwegen und Frankreich aktiv. Letztes Jahr trat die 35-Jährige zurück und gründete eine Kommunikationsfirma in Sargans.

Nun will Weigelt für die FDP St.Gallen in den Nationalrat und schielt dabei auf den Sitz des abtretenden Walter Müller. Sie setzt auf ihren doppelten Promi-Faktor: Ihr Vater ist der frühere Nationalrat Peter Weigelt. Hinter den Kulissen weibelt Weigelt senior aktiv für seine Tochter und sorgt gemäss Ostschweizer Medien für Stirnrunzeln. Karin Weigelts Chancen sind intakt, und sie könnten sich verbessern, wenn Nationalrat Marcel Dobler den Sprung in den Ständerat schaffen sollte.

Funda Yilmaz

Bild: chris iseli

Zu nationaler Bekanntheit gelangte die junge Aargauerin ungewollt. Vor zwei Jahren verweigerte die Gemeinde Buchs der gebürtigen Türkin das Bürgerrecht. Die teilweise lachhafte Begründung sorgte über die Landesgrenzen hinaus für eine Debatte über die Einbürgerungspraxis in der Schweiz. Die Buchser Behörden bürgerten Funda Yilmaz schliesslich ein.

Der Knatsch hat die 27-Jährige politisch sensibilisiert. Sie hat geheiratet, heisst heute Funda Mignogna und erwartet ihr erstes Kind. Und sie tritt für die SP MigrantInnen Aargau bei den Wahlen an. Wie im Fall von Valentin Landmann gilt: Wer auf einer Unterliste antritt, hat kaum Chancen. Sie selber sieht ihre Kandidatur als Investition in die Zukunft.

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