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Brand-Bar in Crans-Montana: Code ermöglichte Zugang ohne Kontrolle

Brand-Bar in Crans-Montana: Code ermöglichte offenbar Zugang ohne Kontrolle

06.01.2026, 08:0807.01.2026, 09:29

Die Brandkatastrophe von Crans-Montana wirft auch Tage nach dem Unglück noch Fragen auf. So etwa, warum diverse Minderjährige zu den Opfern gehören. Im Wallis dürfen ab 22 Uhr keine Personen unter 16 Jahren unbegleitet eine Bar besuchen. Gleichwohl befanden sich zum Zeitpunkt des Unglücks nach Mitternacht noch Jüngere im «Le Constellation». «Ich bin nicht in der Lage, zu sagen, ob diese Personen begleitet waren», so die Walliser Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud am Montag.

epa12628949 The entrance of the 'Le Constellation' bar and lounge is pictured in Crans-Montana, Switzerland, 05 January 2026. At least 40 people lost their lives and over 100 were severely i ...
Die Unglücksbar «Le Constellation» in Crans Montana.Bild: keystone

Wie der «Blick» schreibt, könnte eine Seitentür vielen Jungen Zutritt zur Bar gewährt haben. So sollen diverse Augenzeugen berichtet haben, dass ein Türsteher den Zutritt durch den Haupteingang überprüft haben soll. Der Seiteneingang links davon soll hingegen unbewacht gewesen sein. In der Regel soll dieser nachts abgeriegelt gewesen sein und sich nur von innen automatisch geöffnet haben. Doch: «Wer den Pin-Code zur Schiebetüre besass, schaffte es auch nachts von aussen rein», so ein 19-jähriger Zeuge gegenüber dem «Blick».

Wie der junge Mann weiter berichtete, war dieser Code unter Jugendlichen in Crans-Montana verbreitet. So soll es dieser Trick ermöglicht haben, Alterskontrolle oder Warteschlange zu umgehen. Ob und wie viele Minderjährige sich über diesen Eingang in der Unglücksnacht Zugang zur Bar verschaffen konnten, bleibt bislang unklar. Der Zeuge selbst schaffte dies nach eigenen Angaben nicht, weil er und sein Bruder den Code im Handy-Chatverlauf nicht mehr finden konnten.

Auch abgesehen vom Seiteneigang wirft die Alterskontrolle des «Le Constellation» Fragen auf. Wie weitere Zeugen gegenüber dem «Blick» sagen, mussten minderjährige Gäste, die vor 22 Uhr die Bar betraten, zum Start des Clubbetriebs das Lokal normalerweise nicht verlassen, heisst es.

Auch «24 Heures» berichtet, dass die Alterskontrolle in der Unglücksbar offenbar lasch war. «Meistens kontrolliert der Türsteher keine Ausweise», so eine 19-jährige Stammkundin. «Ich gehe da schon seit ich 15 bin hin und hatte noch nie Probleme reinzukommen.» Einmal in der Bar drin, habe man auch ohne Probleme Alkohol bestellen können, «auch hochprozentige Spirituosen».

Beim Brand in Crans-Montana kamen 40 Menschen ums Leben. 119 Personen wurden verletzt, einige von ihnen schwer. Am Montag gaben die Behörden bekannt, dass 83 Personen noch immer hospitalisiert sind. (dab)

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Unglück in der Silvester-Nacht in Crans-Montana
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Unglück in der Silvester-Nacht in Crans-Montana

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106 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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scotch
06.01.2026 08:58registriert September 2018
Wir leben in der Schweiz, eines der sichersten Länder der Welt. Dass man da als Eltern seinen Kindern erlaubt am Sylvester länger wegzubleiben, erscheint mir logisch.

Wer denkt, die Kinder hätten den Eltern gesagt, dass sie in eine Bar wollen, hat entweder keine Kinder oder seine eigene Jugend verdrängt.

Die Verantwortung, dass keine Kinder in der Bar sind hat der Betreiber und nur der Betreiber. Er ist verpflichtet, die Alterskontrollen durchzuführen, nicht die Eltern.
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maylander
06.01.2026 08:41registriert September 2018
Dieser Nebeneingang dürfte der Notausgang sein.
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MainAccount
06.01.2026 08:22registriert Oktober 2020
Warum überrascht mich das nicht, dass im Wallis so lasch mit Vorgaben umgegangen wird?
Es ist einfach nur noch zum Schreien was dieser Filz anrichtet.
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