«Das ist inakzeptabel»: Anwalt der Opfer teilt gegen Gemeinderat aus
Bei einer Pressekonferenz am Dienstagmorgen hat der Gemeinderat von Crans-Montana weitere Details zur Brand-Katastrophe bekannt gegeben. Dabei erklärte er unter anderem, dass die Bar seit 2019 nicht mehr kontrolliert worden sei.
Gemeindepräsident Nicolas Féraud drückte während der Konferenz mehrmals seine Betroffenheit aus. Gleichzeitig wies er regelmässig Vorwürfe von sich – so betonte er etwa, keine Kenntnisse vom Treiben in der Bar gehabt zu haben. Féraud ging gar noch einen Schritt weiter und stellte die Gemeinde Crans-Montana ebenfalls als Opfer des Unglücks dar.
«Wir sind auch Opfer und Betroffene dieses Dramas», so Féraud. Sie habe deshalb eine Zivilklage eingereicht. Weiter blieb eine konkrete Entschuldigung gegenüber den Opfer-Familien aus.
Für dieses Verhalten erntet Féraud nun heftige Kritik. So fand Rechtsanwalt Romain Jordan, der mehrere Opfer vertritt, gegenüber RTS deutliche Worte. Die Gemeinde Crans-Montana und alle Behörden müssten ihre Verantwortung voll und ganz übernehmen, so Jordan.
Konkret stört sich der Anwalt vor allem daran, dass sich die Gemeinde selbst als Opfer darstellt. «Dies bedeutet, dass den wahren Opfern dieser Tragödie ihr Status genommen wird, was unter diesen dramatischen Umständen inakzeptabel ist», so Jordan.
Er berichtet, dass seine Mandanten die neuen Informationen am Dienstag «mit Bestürzung» aufgenommen hätten. Das Bemühen um Transparenz sei zwar gewürdigt worden, gleichzeitig seien die aufgezeigten Verstösse und Mängel «erschreckend» gewesen. Auch die fehlende Entschuldigung bedauere er.
Jordan lehnt es deshalb «mit Nachdruck und ohne Verzögerung» ab, dass sich die Gemeinde als klagende Partei positioniert. Stattdessen brauche es eine Untersuchung der zahlreichen Missstände.
Beim Brand in Crans-Montana kamen 40 Menschen ums Leben. 119 Personen wurden verletzt, einige von ihnen schwer. Am Montag gaben die Behörden bekannt, dass 83 Personen noch immer hospitalisiert sind. (dab)
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