Schweiz
Wetter

Hitzefrei in der Schweiz: Die Gesetze an Schulen und am Arbeitsplatz

Menschen sonnen sich an der Limmat, aufgenommen am Pfingst-Montag, 9. Juni 2014 am Letten in Zuerich. Das hochsommerliche Wetter am Pfingstwochenende hat den Schweizer Freibaedern einen Besucheranstur ...
Der Letten in Zürich würde an hitzefreien Tagen wahrscheinlich bereits um 10 Uhr morgens so aussehen.Bild: KEYSTONE

Hitzefrei in der Schweiz: Gibt es das wirklich oder ist das nur ein altes Schulmärchen?

Hitzefrei? Die kurze Antwort lautet: Es gibt grundsätzlich kein Hitzefrei. Bis auf eine Ausnahme müssen generell alle Arbeitnehmenden und Schulkinder immer ihren Pflichten nachgehen.
21.08.2023, 06:0021.08.2023, 18:13
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Nach einigen «kalten» Wochen ist die Hitze nun wieder zurück in der Schweiz. Diese Woche werden Temperaturen bis zu 37 Grad Celsius prognostiziert. Bei einer solchen Hitze stellt sich natürlich die berechtigte Frage: Muss ich wirklich noch arbeiten und muss mein Kind zur Schule gehen?

Nadia, Julia und Patrizia, von rechts nach links, kuehlen sich im Wasser ab, im Freibad in Winterthur, am Sonntag, 8. Juni 2014. Strahlend blauer Himmel und hochsommerliche Temperaturen: Puenktlich zu ...
Bei heissem Wetter ist die Badi der beste Ort, um sich ein bisschen abzukühlen.Bild: KEYSTONE

Wer sich jetzt sagt: «Da war doch mal was mit Hitzefrei?!», hat nicht ganz Unrecht. Tatsächlich gab es vor der Jahrtausendwende in vielen Kantonen hitzefreie Tage. Seit inzwischen 20 Jahren gibt es in der Schweiz aber kein Hitzefrei mehr. 2003 schuf Basel-Stadt die Regelung als letzter Kanton ab.

Die alte Gesetzgebung, die im Kanton Zürich bereits in den 80er-Jahren gestrichen wurde, besagte, dass der Unterrichtstag beendet wird, wenn um 10.00 Uhr morgens die Temperaturen bereits über 30 Grad Celsius gestiegen waren.

Inzwischen liegt es im Ermessen der Schulleitung und der Lehrpersonen, wie bei Hitze mit dem Unterricht verfahren wird. Grundsätzlich gilt für die Schule und die Lehrpersonen aber die Obhutspflicht. Das heisst, solange sich die Kinder in der Schule befinden, sind die Lehrpersonen für das Wohlergehen der Kinder verantwortlich. Einfach die Kinder nach Hause schicken darf die Schule also nicht. Bei älteren Schülerinnen und Schülern können da aber schon mal Ausnahmen gemacht werden.

Arbeitnehmer-Rechte

Gar nicht so anders gestaltet sich die Sache bei den Arbeitnehmenden. Die Arbeitgeber haben gegenüber ihren Angestellten die sogenannte Fürsorgepflicht. Sie müssen also ebenfalls das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter gewährleisten. Das heisst: Bei Hitze muss der Arbeitgeber mit Massnahmen, wie zum Beispiel dem Verteilen von Wasser, reagieren. Bei einer leichten Arbeitsintensität muss der Arbeitgeber ab einer Raumtemperatur von 29 Grad Celsius Massnahmen einleiten. Bei einer mittleren Arbeitsintensität sinkt diese Grenze auf 28 Grad Celsius.

Die einzigen Personen, die in der Schweiz ein Anrecht auf eine Art Hitzefrei haben, sind schwangere und stillende Arbeitnehmerinnen. Artikel 8 der Mutterschutzverordnung erlaubt dies. Heisst also: Wenn die Raumtemperatur 28 Grad Celsius überschreitet, können sie darauf insistieren, zu Hause zu bleiben.

jack russel dog resting and relaxing on a hammock or beach chair under umbrella at the beach ocean shore, on summer vacation holidays
Bei über 35 Grad Celsius wären wir wohl lieber wie dieser Hund unterwegs, statt im Büro zu schwitzen.Bild: imago images

Tessin mit Spezialregelung

Bauarbeiter sind wohl die am stärksten vom Wetter betroffene Arbeitsklasse. Deshalb fordert die Gewerkschaft Unia, dass Menschen mit diesem Beruf ab 35 Grad Celsius Hitzefrei bekommen. Ein derartiger Vorstoss von SP-Nationalrat Pierre-Yves Maillard wurde vom Nationalrat mit der Begründung abgelehnt, dass die primäre Verantwortung für den Gesundheitsschutz der Arbeitnehmenden bei den Arbeitgebern selbst liege und dies ausreichend sei.

Ein unidentifizierter Bauarbeiter wischt sich am Freitag, 8. Aug. 2003, auf dem Dach des im Bau befindlichen Gebaeudekomplexes DomAquaree in Berlin den Schweiss vom Gesicht. Laut Meterologen sollen di ...
Bauarbeiter haben täglich mit dem Wetter zu kämpfen.Bild: AP

Als bisher einziger Kanton kennt das Tessin für Bauarbeiter im Strassenbau eine Art Hitzefrei: Wenn vom Bund drei Tage in Folge die Hitze-Warnstufe 3 ausgegeben wird, muss die Arbeit ab 13 Uhr eingestellt werden. Im Wallis soll im nächsten Jahr ebenfalls eine ähnliche Regelung in Kraft treten. (ear)

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105 Kommentare
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Hadock50
21.08.2023 07:05registriert Juli 2020
Würde man Hitzefrei einführen, hätten auf einmal auch die Bürgerlichen das thema Klimakriese auf dem Schirm.....
Schon klar, dass in der Schweiz die Wirtschaft wichtiger ist, als die Gesundheit der Arbeiter 🥵🤷‍♂️
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gedankenlücke
21.08.2023 07:14registriert August 2020
Ich arbeite als Velokurierin bei einem grossen Unternehmen. Unser Betrieb bleibt auch bei grosser Hitze aufrecht erhalten, immerhin bekommen wir Sonnencrème. Manchmal finde ichs schon ein bizli absurd, wenn Menschen wegen der Hitze nicht raus wollen aber sich dann über die Verspätung beklagen. Tipp: anstatt verbales Mitleid nehmen wir dankbar Trinkgeld entgegen :)
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Minerva McGone
21.08.2023 08:36registriert Dezember 2021
Im Moment glaube ich nicht, dass irgendetwas aus meinen nachmittags gehaltenen Schulstunden hängen bleiben wird. Schulzimmer werden frühmorgens gelüftet (merci merci merci Hausdienst), so bis 11 Uhr gehts. Nachher knallt die Sonne an die geschlossenen Rollläden, 26 Menschen stossen CO2 aus, schwitzen, und lüften kann man kaum mehr weil draussen wärmer als drinnen. Ergo ist es gegen 30 Grad, feucht und extrem schlechte Luft. Klar ist das nicht der Weltuntergang, aber es sollte eigentlich allen klar sein, dass der Output nicht allzu toll wird.
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