Schweiz
Wirtschaft

Sonntagsnews: Neue Vorwürfe an Bischöfe, Parmelin will keine Taskforce

Neue Vorwürfe an Bischöfe, Parmelin will keine Oligarchen-Taskforce – die Sonntagsnews

17.09.2023, 05:52
Mehr «Schweiz»

Parmelin rechtfertigt Nicht-Beitritt zur Oligarchen-Taskforce, die FDP will das AKW-Verbot kippen und die Künstliche Intelligenz ist im Schweizer Wahlkampf angekommen: Das und mehr melden heute die Sonntagszeitungen.

Die Schlagzeilen vom Sonntag in nicht verifizierten Meldungen:

Parmelin verteidigt Nein zum Beitritt zur Oligarchen-Taskforce

Bundesrat Guy Parmelin spricht beim Kongress von Travail.Suisse, unter dem Motto "Arbeit schafft Wert - Anerkennung jetzt!", am Samstag samedi, 9. September 2023, im Theater National, in Ber ...
Er will der internationalen Taskforce zur Aufspürung russischer Oligarchen-Gelder nicht beitreten: SVP-Bundesrat Guy Parmelin.Bild: keystone

Der Schweizer Wirtschaftsminister Guy Parmelin hat das Nein der Landesregierung zum Beitritt der Schweiz zur internationalen Taskforce zur Aufspürung russischer Oligarchen-Gelder verteidigt.

«Die Haltung der Bankiervereinigung überrascht mich nicht. Die meisten Schweizer Banken übernehmen US-Sanktionen de facto bereits heute.»
Guy Parmelin

Ein Beitritt sei nicht im Interesse des Landes, sagte er der «NZZ am Sonntag». Ein solcher Beitritt sei immer auch ein politisches Signal. «Die Schweiz hat in einer zunehmend polarisierten Welt als neutrales Land ein Interesse, eine gewisse Zurückhaltung zu bewahren», sagte der Waadtländer SVP-Bundesrat im schriftlich geführten Interview.

Priester klagt an: «Bischof Gmür hat vertuscht»

Bischof Joseph Maria Bonnemain spricht waehrend einem Friedensgebet fuer die Ukraine, am Freitag, 24. August 2023, im Muenster in Bern. Heute jaehrt sich der Beginn des russischen Angriffkrieges auf d ...
Die Vorwürfe am Bischof von Chur, Joseph Bonnemain, reissen nicht ab. Bild: keystone

«Bischöfe haben nach wie vor Mühe, Missbrauchsvorfälle zur Anzeige zu bringen»: Das schreibt der «SonntagsBlick» am Wochenende. Recherchen der Zeitung zeigten demnach, dass der Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, Felix Gmür, bereits am 24. Mai über verschiedene Anschuldigungen gegen Kleriker informiert wurde. Kurz darauf erfuhr der Bischof von Chur davon, Joseph Bonnemain. Rom schaltete sich ein und gab Bonnemain den Auftrag, gegen dessen Mitbrüder zu ermitteln.

«Es handelt sich um Anschuldigungen, Vermutungen und Fragen. Je nach beschriebener Situation fehlten jedoch konkrete Angaben.»
Das Bistum Chur begründet Bonnemains Zögern

Doch auf die Idee, die Polizei zu informieren, sei niemand gekommen, wie der «SonntagsBlick» schreibt. Demnach wurden die Bischöfe erst nach Recherchen der Zeitung aktiv. Die Kantonspolizei Freiburg und die Staatsanwaltschaft Waadt bestätigten, dass erst am Freitag, 8. September, Anzeigen eingegangen sind. Der Botschafter des Papstes in der Schweiz, Erzbischof Martin Krebs, lehnte zudem eine Öffnung des Nuntiatur-Archivs in Bern für die historische Studie der Uni Zürich ab.

Thierry Burkart lanciert die Atomdebatte neu

FDP-Präsident Thierry Burkart will das AKW-Verbot kippen. «Die aktuelle Energiestrategie ist zum Scheitern verurteilt», sagte er zur «NZZ am Sonntag». Die FDP-Parteileitung will der Fraktion kommende Woche deswegen einen Vorstoss vorlegen, um den Bundesrat zu einer Überarbeitung der Energiestrategie zu zwingen. Die Atomfrage müsse neu beurteilt werden, so Burkart.

Le president du PLR Suisse et conseiller aux Etats Thierry Burkart parle lors de la journee du PLR et phase clef de la campagne des elections federales du parti PLR Les Liberaux-Radicaux suisse ce sam ...
Thierry Burkart will neue Kernkraftwerke. Bild: keystone

«Die FDP fordert: Als Alternative zum Gas sollen die bestehenden Kernkraftwerke möglichst lange weiterbetrieben werden können.» Burkart selber will noch einen Schritt weiter gehen: «An allen bestehenden AKW-Standorten müssen neue Kernkraftwerke möglich sein.» Das stösst einzig bei der SVP auf Anklang. Bei der SP und der Mitte hingegen hält man nicht viel von den Vorschlägen: Das Volk habe 2017 entschieden, die bestehende Energiestrategie müsse umgesetzt werden.

Regel bei Hypotheken-Vergabe wird zunehmend ignoriert

Für die Vergabe von Hypotheken hat sich folgende Tragbarkeitsregel etabliert: Die Kosten für selbst genutztes Wohneigentum, also für Zinsen und Amortisation, dürfen ein Drittel des Familieneinkommens nicht überschreiten – bei einem kalkulatorischen Zinssatz von fünf Prozent. In den vergangenen Jahren wurde diese Ein-Drittel-Regel jedoch zunehmend ignoriert, wie Zahlen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zeigen. 2022 belief sich der Anteil dieser Kreditnehmern auf 57 Prozent, wie der «SonntagsBlick» schreibt. Zehn Jahre zuvor ignorierten die Banken ihre Ein-Drittel-Regel nur bei 39 Prozent der neu vergebenen Hypotheken. Als Grund werden unter anderem gestiegene Preise für Wohneigentum genannt.

Wahlkampagnen mit Künstlicher Intelligenz

Die Digitalagentur Enigma hat ein Tool entwickelt, das mit künstlicher Intelligenz (KI) auf Knopfdruck ganze Wahlkampagnen produzieren kann. Die KI formuliert aus wenigen Stichworten Slogans, schreibt Blogbeiträge und textet Beiträge für die sozialen Netzwerke. Wie der Agenturleiter Martin Künzi der «NZZ am Sonntag» sagte, setzt die Agentur das neue Tool bereits dieses Jahr im Wahlkampf ein. «Wir haben das neue Tool für mehrere Nationalratskandidaten eingesetzt und zum Beispiel Slogans entwickelt.» Damit werden im Wahlkampf 2023 erstmals von Algorithmen geschriebene Texte für Politikerinnen und Politiker werben. Die Namen der Kunden will die Agentur nicht bekannt geben. Künzi geht davon aus, dass KI den Wahlkampf in Zukunft prägen wird.

Nach Kritik: Tierschutz-Präsidentin zieht sich zurück

Die wegen ihrer Amtsführung in die Kritik geratene Tierschutz-Präsidentin Nicole Ruch will sich nach eigenen Worten aus dem operativen Geschäft des Vereins zurückziehen. Sie werde sich künftig auf strategische Aufgaben beschränken, sagte sie dem «SonntagsBlick». Die vakanten Stellen im Verein würden «möglichst schnell» neu besetzt, sagte sie in dem am Samstagabend online veröffentlichten Interview. Zu den Ermittlungen der Basler Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsführung und fragwürdiger Immobiliengeschäfte sagte sie, ihr seien «keinerlei Hinweise» auf strafrechtlich relevante Vorgänge bekannt.

Gotthard: Bau der zweiten Röhre könnte Deckeneinsturz ausgelöst haben

HANDOUT - Bauarbeiten an der defekten Decke im Gotthard-Strassentunnel in der Naehe des Nordportals bei Goeschenen am Dienstag, 12. September 2023. Der Gotthard-Strassentunnel ist seit Sonntag, 10. Se ...
Bauarbeiten an der defekten Decke im Gotthard-Strassentunnel in der Nähe des Nordportals bei Göschenen am Dienstag, 12. September 2023.Bild: keystone

Der Deckeneinsturz im Gotthard-Strassentunnel vom vergangenen Sonntag könnte durch Bohrarbeiten verursacht worden sein. Dies sagten das Bundesamt für Strassen (Astra) sowie unabhängige Fachleute gegenüber der «SonntagsZeitung». Der Ausbruch der zweiten Röhre wurde deshalb vorsorglich eingestellt. Auf den Termin zur geplanten Eröffnung oder die Kosten des Bauwerks habe der Unterbruch keinen Einfluss, sagte Astra-Sprecher Thomas Rohrbach. Beim Astra geht man davon aus, dass sogenannte «Spannungsumlagerungen» den Einsturz verursacht haben. Ob durch ein natürliches Erdbeben oder die Bauarbeiten an der zweiten Röhre, sei Teil der Untersuchungen, so Rohrbach.

Zahl der Kulturschaffenden steigt – Bundesamt für Kultur sieht das kritisch

Um 30 Prozent ist die Zahl der Kulturschaffenden in den letzten zehn Jahren angestiegen. Ausgerechnet das Bundesamt für Kultur (BAK) beurteilt dieses Wachstum kritisch, wie die «NZZ am Sonntag» schreibt. Es regt an, die hohe Anzahl von Abgängerinnen und Abgängern kunstorientierter Fachbereiche zu diskutieren: «Es ist zu thematisieren, wie die Attraktivität von Studienbereichen und die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt besser in Einklang zu bringen sind», schreibt das BAK im erläuternden Bericht zur Kulturbotschaft 2025-2028, die sich noch bis Ende Woche in der Vernehmlassung befindet. Die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) ist alarmiert: Die These, dass die oftmals prekären Arbeitsverhältnisse im Kulturbereich die Folge einer «Überproduktion» von Kulturschaffenden sei, lasse sich nicht erhärten, schreibt die EDK.

(lak/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Männer denken nur an das eine – und es ist das Römische Reich?!
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
19 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Treebonesteak
17.09.2023 08:48registriert April 2021
Für mich stellt sich nur eine Frage, wie schaffen wir es SVP und FDP eine massive Wahlniederlage zu bescheren? Ihre Politik ist schädlich für jede Form von intelligentem Leben und trotzdem finden sie genügend Amöben mit Stimmrecht, die auf ihre populistischen Parolen reinfallen.
559
Melden
Zum Kommentar
avatar
Unsinkbar 2
17.09.2023 09:04registriert August 2019
Atomkraft: Nein, für den gleichen Preis bekommt man wohl 3-4 neue Staumauern, einige Windparks und zig tausend Solarparks, und dies in 10 und nicht 30 Jahren. Und ein Endlager haben wir immer noch nicht!!

Russen-Taskforce: Liebe USA, straft die Schweiz ab!!
415
Melden
Zum Kommentar
avatar
M.Ensch
17.09.2023 07:23registriert März 2020
Wenn PolitikerInnen nicht einmal mehr fähig sind, ihre Slogans zusammen mit einer Agentur mit dem eigenen Kopf zu formulieren, werden sie auch zu faul werden, ihre Argumente für oder gegen eine Vorlage im Parlament selbst zu verfassen, und die Argumente durch KI nach Stichworten schreiben lassen. KI wird uns stärker manipulieren, als wir es wahrhaben wollen. Die Namen der KI- nahen PolitikerInnen gehören auf den Tisch.
406
Melden
Zum Kommentar
19
Nie mehr Abtasten am Flughafen? Zürcher Firma revolutioniert Sicherheits-Kontrolle
Der für seine Schlüssel- und Türsysteme bekannte Dormakaba-Konzern ist bei einem Projekt der US-Regierung an Bord für die autonome Sicherheitskontrolle an Flughäfen. Es winken weitere Aufträge.

Der Reporter des US-Fernsehsenders ABC ist begeistert: «This is pretty cool», sagt Gio Benitez in seinem Beitrag für die populäre Morgenshow «Good Morning America». Der Journalist ist am Flughafen von Las Vegas und berichtet für das Publikum über ein neues Projekt, das die Sicherheitskontrolle revolutionieren soll.

Zur Story