5 Handy-Abos angedreht: Salt-Mitarbeitende in Bern sollen Senioren ausgenommen haben
Über die Vorfälle berichtet die SRF-Sendung Kassensturz. Sie porträtierte mehrere ältere Menschen, die auf hinterlistige Art und Weise zum Abschluss unnötiger Verträge und zu Käufen bewegt worden seien.
So war eine 92-Jährige wegen eines technischen Problems mit ihrem Handy im Shop am Berner Bärenplatz. Sie verliess die Filiale aber nicht nur mit einem funktionierenden Handy, sondern auch mit dem abgeschlossenen Kauf von vier weiteren Abos, vier Smartphones und fünf Musikboxen – die monatlichen Kosten betrugen 200 Franken.
Sämtliche Dinge wurden ihr durch die Vorlage von Formularen, die sie unterschreiben sollte, untergejubelt. Man habe ihr gesagt, das sei alles das Gleiche, sie müsse einfach unterschreiben, so die Rentnerin gegenüber «Kassensturz».
Ein ähnliches Beispiel betrifft einen 83-jährigen, dementen Mann. Auch bei ihm zeigten die Angestellten wenig Skrupel – sie drehten dem Senior fünf Abos und fünf Handys an.
Das scheinen keine Einzelfälle zu sein – dieser Eindruck drängt sich zumindest auf, wenn man Online-Rezensionen zum Shop, beispielsweise auf Google Maps, liest. Diese zeigen, dass zahlreiche weitere Kundinnen und Kunden sich über den Tisch gezogen fühlten. Von «gnadenloser Abzocke» und «Betrug» schreiben Kommentierende.
Fragwürdig scheint auch die Reaktion des Konzerns Salt. Als bei den genannten Beispielen der zwei Senioren Angehörige intervenierten und die Auflösung der unnötigen Verträge forderten, zeigte sich der drittgrösste Telekomanbieter der Schweiz zunächst stur, wie es im «Kassensturz»-Beitrag heisst. So beharrte das Unternehmen auf der Rechtmässigkeit der Verträge und war nur zu einer Aufhebung bereit, nachdem hohe Stornogebühren entrichtet worden waren.
Sara Stalder, Geschäftsführerin der Stiftung Konsumentenschutz, vermutet ein auf Provisionen basierendes Lohnsystem bei den Verkäufern, weshalb der Anreiz, möglichst viel und womöglich auch unnötige Dinge zu verkaufen, grösser ist.
Auf Anfrage von SRF bestätigte Salt ein solches «variables Vergütungssystem». Die Telekom-Firma beteuert aber: «Verkaufsabschlüsse, die nicht am tatsächlichen Bedarf der Kundinnen und Kunden ausgerichtet sind, tolerieren wir nicht.» Dass dieser Grundsatz auch in der Filiale am Bärenplatz gelebt wird, ist angesichts von bis zu fünf verkauften Abos an Senioren eher schwer vorstellbar. (con)
