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The dam wall of the Lac des Dix, pictured Monday, July 4, 2011 near Heremence in the Canton of Valais, Switzerland. At 700m length and 285 m high, it is the tallest gravity dam in the world and is part of the Cleuson-Dixence Complex. Construction on the dam began in 1950 and was completed in 1964, before officially commissioning in 1965. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Grand Dixence Staumauer im Wallis.
Bild: KEYSTONE

Stromkonzern Alpiq verkauft die Hälfte seiner Stauseen – geleaktes PR-Papier sorgt für Aufsehen

Alpiq bietet Teile seines Kraftwerkparks zum Verkauf. Muss der Stromkonzern das?

LINA GIUSTO, FABIAN HOCK, STEFAN SCHUPPLI / Aargauer Zeitung



Der Aufschrei war gross, als Alpiq-Chefin Jasmin Staiblin gestern Investoren aus dem In- und Ausland zum Geldausgeben einlud. «Wie umnebelt ist die Alpiq-Führung eigentlich?», zwitscherte es aus den Reihen der SP. «Verscherbelung», rief CVP-Mann Stefan Müller-Altermatt.

Die Aufregung verwundert nicht, geht es hier doch um nichts Geringeres als um das mit Alpenwasser gespeiste Herz der Schweizer Stromversorgung: die heimischen Pumpspeicher- und Laufwasserkraftwerke. Diese rentieren nicht mehr, seit staatlich unterstützte Wind- und Solaranlagen gemeinsam mit wiederbelebten Kohlekraftwerken aus Europa, vor allem aus Deutschland, die europäischen Handelsplätze mit billigem Strom überfluten. Die Schweizer Produzenten kriegen seither ihren Strom nicht mehr zu kostendeckenden Preisen verkauft. Aus diesem Grund mussten Alpiq, Axpo und Co. Milliarden abschreiben.

Und als man in den Firmenzentralen dachte, das Schlimmste überstanden zu haben, zog die Schweizerische Nationalbank mit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses Anfang letzten Jahres einen weiteren Stöpsel – und liess damit das letzte bisschen Hoffnung auf eine schnelle Trendwende aus den Schweizer Stauseen abfliessen.

Mit dem Rücken zur Wand

An den Kostenschrauben hat Alpiq-Chefin Staiblin während der letzten Jahre gedreht so stark es ging. Trotzdem musste die gebürtige Südbadenerin gestern einen Verlust von mehr als 800 Millionen Franken ausweisen. Für Staiblin offenbar das Signal, in die Offensive zu gehen. Da Kostensparen alleine nicht mehr ausreicht, muss nun Geld von ausserhalb her. Alpiq hat deshalb die Türen für Investoren geöffnet — und Investitionen in das Wasserkraft-Portfolio ermöglicht. Die Grenze von 49 Prozent soll dabei nicht überschritten werden: «Wir bleiben Wasserkraft-Produzentin», versichert Staiblin.

Geleaktes Alpiq-PR-Papier sorgt für Aufsehen

Alpiq bietet nicht nur die Hälfte seiner Stauseen zum Verkauf, offenbar plant der Stromkonzern auch, seine Atomkraftwerke staatlich subventionieren zu lassen. Das geht aus einem vertraulichen Strategiepapier hervor, das der «Basler Zeitung» und dem «Tages-Anzeiger» vorliegt. Das von der PR-Agentur Hirzel Neef Schmid Konsulenten verfasste Paper soll sicherstellen, dass sich der Staat bei den wenig rentablen Atomkraftwerken engagiert, sodass «die Betriebsrechnung schnellstmöglich wieder positiv wird.» Politiker, Medien, Experten und Verbände sollen eingespannt werden, um das Ziel der Rentabilität zu erreichen. Der «Tages-Anzeiger» bezeichnet das Papier als «Drehbuch, wie Alpiq Verluste aus der Stromproduktion dem Staat aufbürden könnte». (wst)

Dennoch stellen sich zwei Fragen zu den möglichen Verkäufen: Muss das sein? Und: Wer kauft eigentlich ein Wasserkraftwerk, das keinen Gewinn erwirtschaftet?

Zur zweiten Frage sagt Carsten Schlufter, Analyst und Energiespezialist bei UBS Chief Investment Office: «Das Umfeld für Investitionen in die Stromerzeugung ist derzeit allgemein schwierig.» Auch bei den Wasserkraftwerken seien die Gewinnmargen durch den anhaltenden Verfall der Stromgrosshandelspreise in Europa gefallen. «Während die Anlagen in Österreich weiterhin profitabel sind, arbeiten die Schweizer Anlagen unter anderem wegen des ‹Wasserzins› im aktuellen Umfeld meist nicht kostendeckend.» Solange die Rahmenbedingungen sich nicht verbesserten, seien Investitionen in Wasserkraftwerke «nur rentabel, wenn diese von staatlicher Unterstützung profitierten» oder die Produzenten ins Endkundengeschäft einstiegen. Hier seien aufgrund des nicht liberalisierten Marktes höhere Preise zu erzielen.

Auf lange Sicht allerdings — und das ist der springende Punkt — rechnet Schlufter damit, dass Wasserkraft gar eine noch bedeutendere Rolle im Schweizer Energiemix spielen wird — noch bedeutender, als sie dies schon heute tut.

Das glauben offenbar auch einige Konsortialaktionäre der Alpiq. Diese haben laut CEO Staiblin bereits Interesse bekundet. Und fragt man bei diesen nach, tönt es in der Tat nicht überall ablehnend. Beim basellandschaftlichen Energieversorger Elektra Birseck Münchenstein (EBM) zum Beispiel. Der mit einem Anteil von 13,65 Prozent drittgrösste Alpiq-Aktionär bestätigt auf Anfrage: Man wolle längerfristig ein Kraftwerkportefeuille mit erneuerbaren Energien in der Grösse von rund 50 Prozent der jährlich benötigten Versorgungsenergie aufbauen. «Daher versteht sich von selbst, dass EBM sämtliche Opportunitäten die sich am Markt ergeben prüft», sagt Sprecher Joachim Krebs. Zu weiteren Details könne man derzeit noch keine Aussagen machen.

Auch Elektra Baselland (EBL), die 7,13 Prozent an Alpiq hält, klingt nicht abgeneigt. Gemeinsam mit EBM wolle man innerhalb der nächsten zwei bis drei Monate eine Risikoabschätzung vornehmen, sagt Urs Steiner, EBL-Geschäftsführer und gleichzeitig Verwaltungsrat bei Alpiq. Das sei ein Entscheid für die nächsten Jahrzehnte, der gut überlegt sein müsse.

Soll der Staat eingreifen?

Dass die Schweizer Wasserkraft aus dem tiefen Tal, in dem sie derzeit sitzt, auf lange Sicht herauskommt, daran glaubt nicht nur die UBS. Politiker von links und rechts sehen in den Speicher- und Laufwasserkraftwerken wahlweise «Cashcows von morgen» (Jacqueline Badran, SP) oder auch interessante Objekte «für einen Investor mit langfristigem Anlagehorizont» (Hansjörg Knecht, SVP) — wobei letzterer freilich hofft, «dass dieser Investor aus dem Inland kommt».

Wenngleich links und rechts in der Analyse einer Meinung sind, folgt für beide jedoch Unterschiedliches daraus: Während Knecht keinen Handlungsbedarf der öffentlichen Hand sieht, sagt SP-Nationalrat Eric Nussbaumer: «Aus Sicht der Kantone sollte man kaufen.» Auf lange Sicht, ergänzt CVP-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt, sei die Veräusserung der Wasserkraft nicht sinnvoll. Die Entscheidung zeige aber — und das beantwortet die Frage nach der Notwendigkeit des von Staiblin angekündigten Schrittes — «dass Alpiq das Wasser bis zum Hals steht.»

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