Schweiz
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Le presentateur Meteo de la TSR, Philippe Jeanneret, au siege principale de la television suisse romande, TSR, de Geneve, ce mercredi 20 octobre 2004. (KEYSTONE/Sandro Campardo)

Die Wetterberichte sollen einen Diskurs über Vielfalt anstossen. Bild: KEYSTONE

Wetter mit Migrationshintergrund: Das steckt dahinter

Die ersten Hoch- und Tiefdruckgebiete in diesem Jahr haben migrantische Namen. Ein Schweizer Verein will damit auf die Vielfalt in der Bevölkerung hinweisen.



Bald könnte die Meteorologin im Fernsehen von Ahmet berichten, der Regenwolken ins Mittelland schickt. Oder von Dragica, die Sonnenstrahlen bringt. Dahinter steckt die Kampagne «#Wetterberichtigung», eine Aktion der Neuen Schweizer Medienmacher*innen (NCHM*) und ihren Pendants aus Deutschland und Österreich. Die Vereine haben für dieses Jahr insgesamt 14 Wetterpatenschaften gekauft, wie es in einer Medienmitteilung heisst.

«Wir wollen die Vielfältigkeit unserer Gesellschaft aufzeigen und dass auch Ahmet ein typischer Name im deutschsprachigem Raum ist», sagt Anna Jikhareva, Co-Präsidentin vom Verein NCHM*. Ein erster Schritt dazu wäre, dass in den kommenden Wochen die Tief- und Hochdruckgebiete in der Wetterberichterstattung namentlich genannt würden.

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Das Tief Tanja und die Hochs Willy oder Valentin brachten im letzten November das Wetter. Bild: facebook/Berliner Wetterkarte

«Migranten sind nicht präsent»

Bisher hatten die Hoch- und Tiefdruckgebiete mehrheitlich klassisch deutsche Namen, wie Tanja, Nicole, Christof oder Klaus. «Die Namen, mit denen Wetterphänomene in der Regel benannt werden, sind ein gutes Beispiel dafür, dass Menschen mit Migrationshintergrund in der Öffentlichkeit unterrepräsentiert sind», sagt Jikhareva.

Dies, obwohl sie einen grossen Teil der Gesellschaft ausmachen: In der Schweiz haben knapp 38 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung einen Migrationshintergrund, wie das Bundesamt für Statistik im Jahr 2019 feststellte.

Das Wetter als Symbol für eine politische Kampagne zu wählen habe zwei Gründe, erklärt Jikhareva. «Es klingt vielleicht banal, aber mit dem Wetter beschäftigt man sich täglich – und es betrifft uns alle.» Zudem sei es relativ einfach, einen Namen für Hoch- oder Tiefdruckgebiete zu erstehen.

Wetterpate werden

Denn wie das Wetter heissen soll, können im deutschsprachigen Raum Private bestimmen. Dazu muss man eine Namenpatenschaft für ein Hoch- oder Tiefdruckgebiet beantragen. Das Meteorologische Institut der Freien Universtitä Berlin entscheidet dann und tauft die Wetterereignisse. In geraden Jahren haben Tiefs weibliche Namen und Hochs männliche, in ungeraden Jahren ist es umgekehrt.

Die Medien und Wetterdienste übernehmen dann die Bezeichnung in der Berichterstattung. Das sei letztendlich das Ziel des Vereins NCHM*: «Uns geht es um die Vielfalt in den Medien und darum, einen Bewusstseinswandel in der Gesellschaft anzustossen», sagt Co-Präsidentin Jikhareva.

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So könnte die Wetterkarte aussehen. Bild: zvg

Verein bekämpft Rassismus in Medien

Es ist das erste grössere Projekt, bei dem der junge Verein NCHM* mitwirkt. Es gibt ihn seit dem letzten Sommer, das Pendant in Deutschland – die «Neuen deutschen Medienmacher*innen» – existiert seit mehr als zehn Jahren. Die Vereine setzen sich für eine antirassistische Berichterstattung und mehr Vielfalt in den Medien ein.

Für die Kampagne mussten die Vereine reichlich Geld in die Hand nehmen. Alleine die Namenspatenschaft für ein Tiefdruckgebiet kostet 240 Euro, für ein Hochdruckgebiet 360 Euro.

Ob die Aktion den gewünschten Effekt auslöst, wird sich zeigen. Gerade Tiefdruckgebiete sorgen zum Teil für negative Schlagzeilen. Letztes Jahr forderte das Sturmtief Sabine Todesopfer in Europa. Vor einem Backlash fürchtet sich die Co-Präsidentin und Journalistin Jikhareva nicht. «Wir hoffen, dass die Leute realisieren, wie divers unsere Gesellschaft ist. Wenn das jemand rassistisch auslegen würde, zeigt das nur, dass es die Debatte braucht», so Jikhareva.

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