Wissen
Schweiz

Swiss Deficit Day: Nur zwei Länder in Europa sind verschwenderischer

Overshoot Day Fussabdruck ökologie
So wie wir in der Schweiz aktuell leben, bräuchten wir 4,4 Schweizen.Bild: Shutterstock
Die Welt in Karten

Heute hat die Schweiz ihre Ressourcen aufgebraucht 🙈

84 Tage alt ist das Jahr 2023 heute. Und so wie wir in der Schweiz leben, haben wir schon alle erneuerbaren Ressourcen innerhalb unseres Landes verbraucht. Europaweit sind nur zwei Länder noch verschwenderischer.
25.03.2023, 11:0325.03.2023, 12:27

Schweizer Defizit-Tag

Heute ist der Swiss Deficit Day, also der Tag, an welchem die Schweiz das inländische Ressourcenbudget aufgebraucht hat. So wie wir in der Schweiz aktuell leben, bräuchten wir 4,4 Schweizen, um alle Ressourcen zu erneuern, die wir innert eines Jahres verbrauchen.

Berechnet wird dieser Tag aufgrund des ökologischen Fussabdrucks, den wir in der Schweiz hinterlassen und der Biokapazität innerhalb des Jahres. Die Lösungen, um den Fussabdruck zu vermindern, sind bekannt. Es dauert aktuell einfach alles zu lange.

Video: watson/Sina Alpiger, Aya Baalbaki

Seit Jahren wird es nicht wirklich besser

Seit 1961 werden die Daten ausgewertet und der Swiss Deficit Day bestimmt. Während dieser Zeitspanne bewegte er sich meist in der Zeitspanne rund um Ende März. In den letzten Jahren konnte die Schweiz den Tag leicht nach hinten verschieben, wirklich gross waren die Veränderungen aber nicht.

Auffallend dabei, wie in den frühen 2000er-Jahren der Tag schnell nach vorne kam. Mathis Wackernagel, Präsident des Global Footprint Networks, sagt dazu: «Die Schweizer Wirtschaft wuchs da stark. Das BIP und der Ressourcenverbrauch hängen zusammen. Die Finanzkrise 2008/09 zeigt sicher ebenfalls. Danach wurde das Energiesystem auch etwas verbessert.»

Entwicklung des Swiss Deficit Days seit 1961

Grafik zeigt nur die Monate Januar bis April an, damit man die Schwankungen besser erkennt.
Grafik zeigt nur die Monate Januar bis April an, damit man die Schwankungen besser erkennt.

Weltweit steht die Schweiz schlecht da

184 Länder werden vom Footprint Network berücksichtigt. Die Schweiz belegt dabei den enttäuschenden 152. Platz. Ganz am Ende der Liste steht Singapur. Im Stadtstaat wurde die Natur praktisch vollständig zugepflastert.

Ebenfalls sehr schlecht schneidet Japan ab. Am 16. Februar waren alle erneuerbaren Ressourcen verbraucht. So wie die Japaner leben, bräuchten sie pro Jahr rund achtmal ihr Land, um nachhaltig zu leben.

Bild

Europa gehört klar zu den Weltregionen, die ihren Verbrauch nicht selbst wieder herstellen können. Innerhalb Europas erleben mit Belgien (10. Februar), der Niederlande (19. Februar) und Italien (11. März) nur drei Länder mit mehr als einer Million Einwohner ihren Deficit Day früher.

Ist der Schweizer Overshoot-Day nicht jeweils im Mai?

Doch, den gibt es auch. Aber der Reihe nach. Das Global Footprint Network berechnet drei verschiedene Tage, welche für die Schweiz wichtig sind. Gemäss deren Gründer und Präsident Mathis Wackernagel ist der Swiss Deficit Day (25. März) der wichtigste: «Das ist der relevanteste Tag, da er das Risiko ins Zentrum stellt.»

Aber schauen wir uns die drei verschiedenen Tage an:

  • Swiss Deficit Day (25. März 2023): Dann hat die Schweiz das inländische Ressourcenbudget für das ganze Jahr aufgebraucht. Also alles, was innerhalb der Schweiz produziert werden kann.
  • Swiss Overshoot Day (13. Mai 2023): Würden alle so wie wir in der Schweiz leben, so hätten wir die planetaren Ressourcen für das ganze Jahr dann schon aufgebraucht. Also alles, was die ganze Welt hergibt.
  • Earth Overshoot Day (im Juli 2023): Da hat die Menschheit das planetare Budget für das ganze Jahr aufgebraucht. Das genaue Datum wird am 5. Juni bekanntgegeben, basierend auf den neusten Berechnungen.

Und was können wir tun?

Gemäss Wackernagel ist die Frage nicht, was wir ändern müssen, sondern ob wir etwas ändern wollen. Die Alternativen stehen bereit. «Aber (zu) wenige sehen die Notwendigkeit, Ressourcensicherheit zu stärken», schreibt Wackernagel auf Anfrage.

Lebensmittel machen beispielsweise 20 Prozent des Schweizer Fussabdrucks aus. «Ein robustes Ernährungssystem für die Welt und für die Schweiz erfordert weniger belastende Produktionsmethoden, eine Umstellung auf weniger ressourcenintensive Nahrungsmittel, eine Reduktion der Anbauflächen von Futtermittel, auf denen Nahrungsmittel für Menschen direkt produziert werden könnten, und die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung», sagt Dr. Anita Frehner vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL).

So weit, so bekannt. Doch wie wird das geändert? Frehner: «Wie wir erreichen, dass diese nötigen Veränderungen des Ernährungssystems wirklich umgesetzt werden, ist weniger klar – und bis jetzt sehen wir auch wenig Anstrengungen, diese Veränderungen wirklich ernsthaft angehen zu wollen.»

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
21 Bilder, die dir vor Augen führen, wie schön die Natur ist
1 / 23
21 Bilder, die dir vor Augen führen, wie schön die Natur ist
Höhle im Vatnajökull (Island), dem grössten Gletscher ausserhalb des Polargebietes. Bild: shutterstock
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Wie ein stinkender Todesteppich: Millionen tote Fische auf Fluss in Australien
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Vermummter wirft Brandsatz im Bahnhof Oerlikon (ZH)
Ein vermummter Mann hat am Dienstagnachmittag im Bahnhof Oerlikon eine brennende Flasche auf ein Perron geworfen. Passanten hielten den flüchtenden 33-jährigen Schweizer kurz darauf zurück, wie die Stadtpolizei Zürich mitteilte.
Zur Story