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Wie du Amphibien vor dem Tod rettest

Derzeit sterben Amphibien wie Frösche, Kröten, Salamander und Molche zu Tausenden auf den Strassen. Dabei könnte man sie mit wenig Aufwand vor dem Tod bewahren.
26.02.2022, 15:3427.02.2022, 15:05

Während der ersten frostfreien, nassen Abende Ende Februar und im März verlassen Frösche, Kröten, Salamander und Molche ihr Winterversteck und machen sich auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Und wie jedes Jahr werden auch heuer viele bei ihrer Wanderung sterben.

Diese Kröte wurde nicht plattgewalzt von Pneus, starb aber trotzdem im Strassenverkehr.
Diese Kröte wurde nicht plattgewalzt von Pneus, starb aber trotzdem im Strassenverkehr. Bild: shutterstock

Obwohl Amphibien offiziell in der ganzen Schweiz geschützt sind, sterben jedes Jahr Zehntausende Tiere auf den Strassen – genaue Zahlen gibt es nicht. Denn aufgrund der zunehmenden Zersiedelung zerschneiden immer mehr stark befahrene Strassen ihre Wanderrouten. Vielerorts werden zwar Schutzmassnahmen ergriffen, aber die Amphibien sind viel verletzlicher, als sie scheinen. Dabei wäre es so einfach, sie mit fast keinem Aufwand zu schützen. Und so geht's:

Tempo 30 rettet Leben

Seit über zehn Jahren kann Katharina Vogt nichts davon abhalten, Frösche, Kröten und Molche zu retten. Während der Amphibienwanderung ist sie Abend für Abend auf den Strassen unterwegs, um die Tiere aus der Gefahrenzone zu sammeln und Autofahrer über Amphibienschutz aufzuklären.
Und Aufklärung liegt der 36-Jährigen besonders am Herzen, denn Tempo 30 rettet Leben, und das sollten alle wissen. Die Naturschützerin erklärt:

«Viele Autofahrer verstehen die Tempodrosselung zuerst nicht, weil sie meinen, dass sie die Tiere sowieso totfahren würden. Das stimmt – aber nur teilweise! Die Tiere sterben nämlich nicht nur durch die Autoreifen, sondern auch durch die Druckwelle des Autos, die bei schneller Fahrt die zarten Tiere innerlich zerplatzen lässt.

Bei einer Tempodrosselung auf 30 km/h wird dieser sogenannte Strömungsdruck des Autos abgeschwächt und die Amphibien, die nicht unter die Räder kommen, haben eine Überlebenschance.»

Katharina Vogt ist Ressortverantwortliche Amphibienschutz im Natur- und Vogelschutzverein Dornach. Sie engagiert sich im In- und Ausland für Kröten, Frösche oder Molche.

Der Tod dieser Erdkröte hätte mit Tempo 30 verhindert werden können.
Der Tod dieser Erdkröte hätte mit Tempo 30 verhindert werden können.Bild: shutterstock

Der Strömungsdruck ist entscheidend, wenn man Amphibien retten will, ohne aus dem geheizten Auto auszusteigen. Der Grund: Wenn sich ein Fahrzeug durch die Luft bewegt, führt dies zu Reibung. Die Luft wird vom Fahrzeug teilweise mitgerissen und so in Bewegung versetzt, wobei bei höheren Geschwindigkeiten auch turbulente Strömungen entstehen. Diese Turbulenzen wirbeln die Amphibien umher oder zerdrücken sie innerlich. Je langsamer man unterwegs ist, desto weniger werden die empfindlichen Tiere gefährdet.

Langsam fahren ist also die einfachste Massnahme, um die ohnehin schon teilweise vom Aussterben bedrohten Amphibienarten zu schützen und zum Erhalt der Artenvielfalt beizutragen. Noch effektiver ist es natürlich, anzuhalten – und die Tiere von der Strasse zu sammeln. Doch auch da gibt es gewisse Dinge zu beachten:

Anhalten und von der Strasse tragen – aber richtig

Allfälligen Grusel vor Amphibien verliert man sofort, wenn man sie mal genau anschaut und berührt. Kröten zum Beispiel haben eine «samtweiche Haut und wunderschöne Augen», bemerkt Vogt. Es lohne sich, anzuhalten und sich faszinieren zu lassen.

Auch sie sind unterwegs und brauchen Schutz: die Feuersalamander. Sie können angefasst werden, allerdings sollte man sich danach die Hände waschen.
Auch sie sind unterwegs und brauchen Schutz: die Feuersalamander. Sie können angefasst werden, allerdings sollte man sich danach die Hände waschen.Bild: zvg (Susi Rebetez)

Wenn sie angeleuchtet werden, bleiben Amphibien häufig regungslos sitzen. Dadurch sieht man sie auf Distanz relativ schlecht. Benedikt Schmidt von der nationalen Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz (Karch) empfiehlt darum langsames Fahren und sagt: «Man muss direkt vor die Kühlerhaube schauen.»

Wenn man die Tiere auf keinen Fall verletzen will, dann sollte man anhalten und die Amphibien von der Strasse tragen. Dabei ist es relevant, dass man sie auf diejenige Strassenseite trägt, zu der sie hinschauen, betont Schmidt. Allerdings ist dabei die eigene Sicherheit sowie die der anderen Autofahrer zentral: «Dass man bei einem Rettungseinsatz eine Warnweste trägt, ist das Minimum.»

Die Tiere kann man bedenkenlos mit der Hand anfassen. Küssen sollte man sie aber nicht, «sonst haben wir zu viele Prinzen in der Schweiz», scherzt Schmidt.

Häufig lassen sich «Doppeldecker» ausmachen. Das Männchen sichert sich dabei sein Weibchen bereits auf der Wanderung – und lässt sich von diesem huckepack tragen. Hier zwei Erdkröten in einem Amphibientunnel.
Häufig lassen sich «Doppeldecker» ausmachen. Das Männchen sichert sich dabei sein Weibchen bereits auf der Wanderung – und lässt sich von diesem huckepack tragen. Hier zwei Erdkröten in einem Amphibientunnel.Bild: zvg (Arthur Rohrbach)

Trifft man auf eine grosse Ansammlung von Amphibien auf der Strasse – egal ob tot oder lebendig –, dann sollte man diese immer bei der kantonalen Vertretung von ProNatura oder der regionalen Vertretung der Karch melden.

Von Amphibientunnels und freiwilligen Helfern

«Das Froschgemetzel ist dermassen abstossend, dass es motiviert, selber aktiv zu werden», konstatiert Schmidt. Tatsächlich ist auch ihm ein solches Gemetzel nachhaltig eingefahren:

«Ich war als Kind in der Ferienwohnung meines Onkels in Morgins im Wallis. Dort ist auch der Lac de Morgins und nebendran eine Strasse. Ich war dann irgendwann draussen beim See und der Strasse. Es hatte massenweise tote Frösche auf der Strasse. So viele, dass man den Asphalt nicht mehr sah. Ich habe sonst keine Erinnerung mehr an diese Ferien. Nur noch die Strasse mit den toten Fröschen.»

«Wenn man nichts macht, kann eine Population komplett totgefahren werden», erklärt Schmidt. Darum helfen die Tiefbauämter der Gemeinden und Kantone aktiv mit, wenn es darum geht, die Hochzeitswanderung der Amphibien sicherer zu machen.

An dieser bekannten Zugstelle in Bad-Schauenburg (BL) wurden Netze gespannt, damit Amphibien nicht über die Strasse schleichen. Das Netz leitet die Tiere in einen Tunnel, der unter der Strasse durchführt.
An dieser bekannten Zugstelle in Bad-Schauenburg (BL) wurden Netze gespannt, damit Amphibien nicht über die Strasse schleichen. Das Netz leitet die Tiere in einen Tunnel, der unter der Strasse durchführt. Bild: zvg (Arthur Rohrbach)

Unter anderem werden an den bekannten Zugstellen Warnschilder aufgestellt, Netze aufgespannt, Amphibientunnels unter den Strassen angelegt oder Kübel in die Erde gegraben, in die die Tiere reinplumpsen sollen, damit man sie später sicher über die Strasse tragen kann.

Einstieg in den Amphibientunnel an der Zugstelle in Bad-Schauenburg (BL). Erdkröten, Grasfrösche und ein Salamander haben sich versammelt. Durch diese Röhre können die Tiere sicher unter der Strasse hindurch zu ihrem Laichplatz gelangen.
Einstieg in den Amphibientunnel an der Zugstelle in Bad-Schauenburg (BL). Erdkröten, Grasfrösche und ein Salamander haben sich versammelt. Durch diese Röhre können die Tiere sicher unter der Strasse hindurch zu ihrem Laichplatz gelangen.Bild: zvg (Arthur Rohrbach)

Während sich Tierschützer, Gemeinden und die Bevölkerung häufig in die Haare geraten, wenn Naturschutzaktionen durchgeführt werden, ziehen bei den Amphibienwanderungen normalerweise alle an einem Strang. Schmidt bemerkt dies anerkennend:

«Mich beeindruckt, dass so viele Leute jedes Jahr ausschwärmen und Frösche retten. Das sind oft Menschen, die sonst nicht wahnsinnig ‹grün› sind, aber trotzdem wollen sie hier etwas machen.»

Wenn auch du aktiv werden willst, dann melde dich bei deinem örtlichen Naturschutzverein oder der regionalen Vertretung der Karch.

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quelle: s. jegath janani
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16 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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rumpelpilzli
26.02.2022 16:52registriert November 2015
Wir gehen mit unseren Kindern Frösche an einer eigens dafür geschaffenen Froschbarriere (die Frösche fallen bei ihrer Wanderungen in einen Eimer) abholen, bringen sie über die Strasse und lassen sie wieder frei. Wir tragen dabei Warnwesten und es wird ein Schild aufgestellt. Nun denn, trotz allen Warnsignalen und kleinen Kindern, die Autos gehen kein bisschen vom gas und rasen mit 80-100kmh an uns vorbei. Kann mir nicht vorstellen, dass jemand aussteigen würde. Danke an alle welche sich engagieren und an alle die vorsicht walten lassen
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