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Nicolas Stemann, links, und Benjamin von Blomberg, rechts,  an einer Medienkonferenz in Zuerich am Mittwoch, 21. Juni 2017. Ab der Saison 2019/2010 steht das Schauspielhaus Zuerich unter neuer Leitung. Nicolas Stemann und Benjamin von Blomberg uebernehmen die Intendanz am Zuercher Schauspielhaus.  (KEYSTONE/Walter Bieri)

Mit Nicolas Stemann (links) und Benjamin von Blomberg ist sogar eine Medienkonferenz lustig. Bild: KEYSTONE

Bromance total: Stemann und von Blomberg werden Schauspielhaus-Chefs in Zürich

Monatelang haben wir auf diesen Moment gewartet, jetzt wurde das neue Schauspielhaus-Leitungsteam präsentiert.



Nicolas Stemann, 49, wird ab 1. August 2019 neuer Intendant am Zürcher Schauspielhaus. Zusammen mit Benjamin von Blomberg, 39. Eine Doppelintendanz also. Damit die typische Zürcher Frage gleich erledigt ist: Kriegen die beiden jetzt ein doppeltes Intendanten-Gehalt? Nein. Geteilte Verantwortung ist nicht doppelte Verantwortung. Gemeinsam erhalten sie deshalb ungefähr so viel wie ein Intendant und ein Chefdramaturg zusammen, denn dies wird es sein, was die beiden mit ihren Kompetenzen in Zukunft ausfüllen. Das erinnert an Christoph Marthaler und seine Chefdramaturgin Stefanie Carp.

Benjamin von Blomberg ist der Mann mit Führungserfahrung, er ist aktuell an den Münchner Kammerspielen unter Matthias Lilienthal Chefdramaturg, Stemann ist am gleichen Theater Hausregisseur. Armes München. Das wird jetzt von Zürich mit aller Macht geschröpft. 

ARCHIVBILD ZUR NEUEN INTENDANZ VON NICOLAS STEMANN AM SCHAUSPIELHAUS ZUERICH, AM MITTWOCH, 21. JUNI 2017 -  - Der Regisseur Nicolas Stemann posiert am 01.04.2016 in den Münchner Kammerspielen (Bayern). Das Schauspielhaus Zürich wird ab der Saison 1919 von zwei Deutschen geleitet: Die Intendanz teilen sich Regisseur Nicolas Stemann (49) und Dramaturg Benjamin von Blomberg (Jahrgang 1978). (KEYSTONE/DPA/A4366/_Sven Hoppe)

Kaum vorstellbar, dass jemand nicht gern mit Nicola Stemann zusammen arbeitet. Bild: DPA dpa

Und? Soll sich Zürich freuen? Ist diese Wahl – auch von ausserhalb einer euphorischen Findungskommission betrachtet – eine gute? Gar die beste? Es könnte sein. Wir wissen es noch nicht. Stemann ist der grosse Name. Von Blomberg seine grosse Stütze. Stemann ist einer der liebsten und klügsten Menschen, die es in der deutschsprachigen Theaterszene – sonst eine Welt der egomanen Rüppel – gibt, vielleicht gar der liebste und klügste. Von Blomberg ist an der Zürcher Pressekonferenz vom Mittwochmorgen so dermassen lieb, dass es schon fast esoterisch ist.

Gemeinsam sind sie die pure Bromance. Man will mit den beiden viele Biere trinken, sofort.

Seit vielen Jahren sind sie aber vor allem das ideale Arbeitspaar. Zusammengebracht hat sie eine starke Frau, nämlich die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek: Stemann ist bekanntlich der grösste Jelinek-Exeget der Gegenwart, von Blomberg promovierte bei Jelinek, da lag nichts näher, als die beiden einander näher zu bringen.

epa05583482 (FILE) A file picture dated 09 April 1999 shows Austrian author Elfriede Jelinek during an interview in Vienna, Austria. Jelinek will celebrate her 70th birthday on 20 October 2016.  EPA/HANS KLAUS TECHT *** Local Caption *** 00289936

Elfriede Jelinek freut sich sicher über die neue Zürcher Intendanz. Bild: EPA/APA / EPA FILE

Jetzt, zwei Jahre vor ihrem Amtsantritt, ist es noch zu früh, um über konkrete Namen und Stoffe zu sprechen. Aber träumen darf man: Wenn Wien, wo Stemann mehrerer Jahre als Hausregisseur am Burgtheater arbeitete – die Stadt der Dichterfürstin Elfriede Jelinek ist, ist Zürich dann nicht die Stadt von Sibylle Berg? Liesse sich da nicht was machen? Na?

Und wird es Stemann, der aktuell an der Zürcher Hochschule der Künste den Studiengang Master Regie leitet, gelingen, die Haarfarbe des Publikums im Zürcher Pfauen von Silber auf Bunt zu verändern? Überhaupt: Wird sich was verändern?

Benjamin von Blomberg an einer Medienkonferenz in Zuerich am Mittwoch, 21. Juni 2017. Ab der Saison 2019/2010 steht das Schauspielhaus Zuerich unter neuer Leitung. Nicolas Stemann und Benjamin von Blomberg uebernehmen die Intendanz am Zuercher Schauspielhaus.  (KEYSTONE/Walter Bieri)

Benjamin von Blomberg findet alles in seinem Leben «toll». Bild: KEYSTONE

Stemann und von Blomberg reden von Jugend und Diversität. Von den vielen, vielen Zürcherinnen und Zürchern mit migrantischem Hintergrund, die sie auch gerne im Theater sehen und repräsentieren würden. Wieso sollte in Zürich nicht gelingen, was zum Beispiel am Gorki-Theater in Berlin möglich ist?

Die ideale Alter seiner zukünftigen Zürcher Regieschaffenden liegt für von Blomberg eher bei unter als über 40.

Man müsse den jungen Menschen die Gelegenheit geben, ihre Geschichten zu erzählen. Den jungen Menschen also. Die man schon fast nicht mehr ins Kino kriegt. Wie denn ins Theater? Vielleicht könnte man mal mit den Ticketpreisen beginnen. So, wie die Gessnerallee mit ihrem Einheitspreis von 16 Franken. Ein Erfolgsmodell. Gerade bei den jungen Menschen.

Sachiko Hara, Philipp Hauss, Myriam Schroeder, Markus Hering und Philipp Hochmair, von links,  waehrend der Proben fuer das Elfriede-Jelinek-Stueck

Wiener Jelinek-Inszenierung «Babel» von Stemann. Bild: AP

Aber das ist schon alles zu detailliert. Zunächst müssen Stemann und von Blomberg ihre rund 300 zukünftigen Mitarbeiter kennen lernen, ihr Ensemble und ihren ersten Spielplan bilden. Und hier leben. Sich auf Zürich einlassen. Damit ihnen nicht die gleichen Fehler unterlaufen wie dem ebenfalls aus München kommenden Intendanten des Neumarkt-Theaters, Peter Kastenmüller, mit seinem verunglückten Anti-Roger-Köppel-Theater im März 2016.

Sie wollen den Geist ihres Theaters wieder auf Zürichs Strassen tragen, dabei aber nicht in die Falle der «Überhitzung» (Stemann) und der hektischen Überproduktivität geraten, in die so manches Theater angesichts der drängenden Frage nach Relevanz gerade tappt. Das klingt erstmal alles gut und richtig. Warten wir ab.

In einem Interview mit der «Zeit» sagte Stemann einmal, sein grösster Makel sei seine «notorische Entscheidungsschwäche». Dass er es geschafft hat, sich für Zürich zu entscheiden, könnte für ihn und uns ein Glücksfall sein.

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