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Critical Mass in Zürich: Was du darüber wissen musst

Die Critical Mass am 28. Juni 2019 auf der Europabrücke.
Die Critical Mass am 28. Juni 2019 auf der Europabrücke.bild: criticalmass-zh

5 Dinge, die du über die Critical Mass wissen musst

Die Critical Mass steht kurz vor der Jubiläumsausgabe. Seit bald über 25 Jahren treffen sich Velofahrende am letzten Freitag des Monats zur gemeinsamen Fahrt.
29.04.2022, 11:3529.04.2022, 11:39
Milan Marquard
Milan Marquard
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Jeweils am letzten Freitagabend des Monats um 18:45 versammeln sich etliche begeisterte Velofahrende am Bürkliplatz in Zürich zu einer gemeinsamen Rundfahrt durch die Stadt. Die Bewegung nennt sich Critical Mass (CM) und ist keineswegs nur ein Zürcher Szenen-Event – folgendes musst du darüber wissen:

Um was geht es bei der Critical Mass?

Jeden letzten Freitag im Monat findet die Critical Mass in Zürich statt. Was vor circa 25 Jahren mit ein paar Dutzend Teilnehmern begann, hat mittlerweile eine beachtliche Grösse erreicht. An der Veranstaltung am 28. Mai 2021 waren es laut SP-Kantonsrat Nicola Sigrist etwa 2500 «schöne Menschen auf dem Velo». Laut Beobachtern sollen es aber fast 10'000 Teilnehmerinnen gewesen sein.

Critical Mass am 28. Mai 2021
2500 oder 10'000 Teilnehmerinnen auf der Zürcher Hardbrücke?Bild: twitter/felix schindler

Wie der Name vermuten lässt, ist die Teilnehmerzahl durchaus wichtig: Die Idee hinter der Bewegung ist nämlich, dass sich eine grosse Anzahl Leute – also eine kritische Masse – an einem Ort trifft und gemeinsam mit dem Fahrrad durch die Stadt fährt.

Die Critical Mass vom Mai 2021.Video: YouTube/Veloradio

Es geht natürlich nicht darum, lediglich eine gute Zeit auf dem Velo zu haben und ein wenig Sightseeing zu machen. Die Teilnehmerzahl soll so hoch sein, dass dem motorisierten Verkehr auf Augenhöhe begegnet werden kann – es steckt demnach eine klare Message dahinter:

«Wir blockieren nicht den Verkehr — wir sind der Verkehr!»

Gemäss der Webseite des Zürcher Ablegers der Critical Mass ist ein solcher Anlass deshalb notwendig, weil Fahrradfahrer sich im Strassenverkehr täglich grossen Gefahren aussetzen und «als minderwertige Verkehrsteilnehmer marginalisiert» werden.

Die Ur-Critical-Mass fand 1992 in San Francisco (CA) statt, als einige Velofahrerinnen und Velofahrer gemeinsam die Strassen eroberten. Heute – 30 Jahre später – finden solche monatlichen Rundfahrten unter dem Titel Critical Mass in gut 300 Städten weltweit statt.

Ist das nicht einfach eine normale Demo?

Auf der offiziellen Zürcher Homepage distanziert man sich klar davon, dass es sich um eine Demonstration handelt. Das erhöhte Verkehrsaufkommen der Velos soll zwar Aufmerksamkeit erregen, ist jedoch eher mit einem Flash-Mob zu vergleichen: Es gibt keine Verantwortlichen, kein zentrales Organisationskomitee im Hintergrund, keine festgelegte Route und die Strassen werden nicht absichtlich blockiert.

Auf den Velozug aufmerksam gemacht wird über verschiedene Kanäle – beispielsweise Social Media, Plakate oder Mundpropaganda. Wenn genügend Personen am vereinbarten Treffpunkt auftauchen und somit die kritische Masse erreicht ist, geht die Fahrt los. Die Route diktiert der vorderste Velofahrer. Je nach Grösse und Route kann es jedoch zu Verkehrsblockaden kommen.

Der Treffpunkt am Bürkliplatz Ende Mai 2019.
Der Treffpunkt am Bürkliplatz Ende Mai 2019.bild: criticalmass-zh

Wo finden solche «Critical Mass»-Events statt?

Es handelt sich um eine globale Angelegenheit – die Critical Mass findet in grossen und kleinen Städten auf der ganzen Welt statt. Dazu zählen etwa New York, Barcelona, Berlin, Wien, Oslo, Lausanne und viele mehr. Die Philosophie und der Termin – der letzte Freitag im Monat – ist überall gleich.

Die Critical Mass in Houston, Texas.
Die Critical Mass in Houston, Texas.bild: instagram/criticalmasshtx

In Zürich wächst die Szene seit mehreren Jahren. 2018 waren es noch einige Dutzend, 2019 einige Hundert, an der letzten Austragung nahmen etwa 2500 Velofahrerinnen und Velofahrer teil. Auch für diesen Freitag rechnet man mit einer beachtlichen Anzahl Teilnehmern.

Wenn einige Tausend Velofahrer durch die Stadt cruisen, braucht es bestimmt auch irgendwelche Vorgaben.

Gibt es Regeln bei der Critical Mass?

Wenn um 18.45 Uhr die Menschen langsam am Bürkliplatz eintreffen, wird meist eine halbe Stunde gewartet – dann sollten alle Teilnehmer vor Ort sein. Bevor es jedoch losgeht, werden die Regeln kommuniziert:

  • Der Velozug fährt geschlossen: Bei einem Rotlicht halten mit dem Vordersten alle an und bei Grün fahren alle weiter. Wenn jedoch die Ampel dann auf Rot wechselt, fährt der Zug geschlossen weiter.
  • Korken: Seitenstrassen werden jeweils durch einige Teilnehmer blockiert. Damit soll verhindert werden, dass Autos in den Zug fahren können.
  • Das Trottoir wird nicht für die Fahrt benutzt.
  • Die Critical Mass beansprucht nur eine Fahrbahn – die Gegenfahrbahn ist tabu.

Solche Regeln sind wichtig: Die wachsende Teilnehmerzahl und der Anspruch der «CM», dass alles sicher und friedlich abläuft, verlangt von den Velofahrern ein gewisses einheitliches Agieren.

Critical Mass Zürich Mai 2021
Die Veranstalter raten davon ab, die Spur der Gegenfahrbahn zu blockieren.Bild: criticalmass-zh

Was sagt die Polizei?

Im Juni 2019 kam es zu einer grösseren Verkehrsblockade am Zürcher Hauptbahnhof. In einem offenen Brief bat Andreas Moschin – Chef der Einsatzabteilung – die Teilnehmer zur Kommunikation und Einhaltung der Handlungsrichtlinien.

Das Schreiben der Stadtpolizei Zürich.
Das Schreiben der Stadtpolizei Zürich.bild: criticalmass-zh

Auch im Mai 2021 äusserte sich die Polizei zur riesigen Critical Mass. Die Beamten hätten die Beteiligten auf die Corona-Verordnungen aufmerksam gemacht, seien jedoch ignoriert worden. Masken seien nur vereinzelt getragen worden. Ausserdem sei es zu mehreren verbalen Entgleisungen zwischen Velo- und Autofahrern gekommen, Tätlichkeiten konnten jedoch verhindert werden. Abseits des Umzugs fuhr ein Autofahrer aus unbekannten Gründen einen Velofahrer an.

Ein regelmässiger Teilnehmer sagt gegenüber watson, dass die Critical Mass eine friedliche und reibungslose Fahrt als Grundsatz hat. Man sehe jedoch davon ab, die Route vorab zu bestimmen und Polizeigeleit zu beanspruchen. «Das würde der Philosophie – die kurzweilige Rückeroberung der Strassen durch die Velofahrer – widersprechen.»

«Wir behalten die wachsende Bewegung aber im Auge», wie Marco Cortesi von der Stadtpolizei gegenüber dem Tagesanzeiger aussagte. Die Polizei musste bisher nicht wirklich intervenieren. Wenn die Bewegung weiter wächst und das Regelwerk nicht klar Kommuniziert wird, könnte die Polizei einen schärferen Ton einschlagen. Für die Bewegung bleibt zu hoffen, dass es gelingt, weiterhin reibungslose Velozüge durchzuführen – mit immer mehr Teilnehmern. (leo)

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