Schweiz
Zürich

Menschenhandels an der Langstrasse: 33-Jährige vor Zürcher Gericht

Eine leuchtende Frauenreklame des Roland Kinos, aufgenommen am Donnerstag, 14. November 2013 in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)
An der Zürcher Langstrasse sollen die Frauen aus Ungarn zur Prostitution gezwungen worden sein.Bild: KEYSTONE

33-Jährige wegen Menschenhandels an der Langstrasse vor Zürcher Gericht

11.05.2026, 07:2811.05.2026, 07:28

Eine 33-jährige Ungarin muss sich heute Montag vor dem Bezirksgericht Zürich wegen Menschenhandels und Prostitutionsförderung verantworten. Sie soll Frauen während sechs Jahren zur Sexarbeit gezwungen haben.

Mindestens 14 Frauen soll die Beschuldigte im Zeitraum von Dezember 2016 bis November 2022 aus Ungarn nach Zürich gebracht haben. Dort zwang sie die Frauen unter prekären Bedingungen zur Prostitution, heisst es in der Anklageschrift. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, gewerbsmässigen Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung betrieben zu haben.

Ihre Opfer suchte die Beschuldigte demnach nach einem systematischen Muster aus. Die Frauen lebten meist in extrem prekären sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen. Oft waren sie obdachlos, arm, hatten Suchtprobleme oder erlebten häusliche Gewalt.

Rund um die Uhr überwacht

Die Beschuldigte soll sich gegenüber den Frauen als Helferin oder Mutterfigur inszeniert haben. Mittels finanziellen Vorabzahlungen an die Frauen oder deren Familien in Ungarn schuf sie ein massives Abhängigkeitsverhältnis.

In Zürich wurden die Frauen in Hotels im Langstrassenquartier untergebracht und rund um die Uhr überwacht. Ihre Arbeitszeiten begannen häufig um 7 oder 8 Uhr am Morgen und wurden von der Beschuldigten bestimmt. Schlafen durften die Frauen teilweise nur zwei bis drei Stunden.

Die Beschuldigte soll den Frauen einen Mindestverdienst zwischen 1000 und 2150 Franken vorgeschrieben haben. Das Geld mussten sie grösstenteils der Beschuldigten abgeben. Die Beschuldigte soll sich damit ihren Lebensunterhalt, Schönheitsbehandlungen und den Erwerb von Liegenschaften finanziert haben.

Schwere Vorwürfe der Misshandlung

Die Anklage listet zahlreiche Fälle physischer und psychischer Gewalt auf. Die Frauen wurden geschlagen, an den Haaren gezogen oder massiv bedroht, wenn sie die geforderten Umsätze nicht erreichten. Zudem mussten sie ungeschützten Geschlechtsverkehr praktizieren, was zu zahlreichen ungewollten Schwangerschaften, Abtreibungen und der Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten führte. Oft hätten die Frauen trotz Krankheit oder massiven Schmerzen weiterarbeiten müssen.

Staatsanwaltschaft und Verteidigung stellen ihre Anträge im Rahmen der Hauptverhandlung. Die Beschuldigte findet sich seit dem 22. November 2022 in Untersuchungshaft. (nil/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
So soll der Bahnhof Stadelhofen ab 2035 umgebaut werden
1 / 9
So soll der Bahnhof Stadelhofen ab 2035 umgebaut werden

Bis 2035 soll der Bahnhof Zürich Stadelhofen komplett umgebaut werden. Das Bahnhofsgebäude soll beispielsweise Aufbauten auf den Seitenflügeln erhalten.

Auf Facebook teilenAuf X teilen
Pussy Riot und Femen stürmen Biennale in Venedig und blockieren russischen Pavillon
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
0 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
«Besorgt, wütend und frustriert»: Milizverbände planen eine Demo auf dem Bundesplatz
Die Schweiz wird zum Sicherheitsrisiko in Europa. Die Milizverbände mobilisieren deshalb für eine grosse Demonstration. Und der Bundesrat warnt vor Sanktionen.
Die Demonstration vom 21. Mai 1993 auf dem Bundesplatz gilt als historisch. Erstmals in der Geschichte der Schweiz gehen  Armeebefürworter in grossem Stil auf die Strasse. Bis zu 35'000 ziehen durch Bern und auf den Bundesplatz für den Kauf von 34 Kampfjets F/A-18. Die Demonstration ist patriotisch und ordnungsliebend. Fahnen, Marschmusik und der Appell, die Schweiz dürfe ihre Verteidigungsfähigkeit nicht preisgeben, dominieren.
Zur Story