Schweiz
Zürich

Böhse Onkelz und Feine Sahne Fischfilet: Brisante Konzerte in Zürich

Das Konzert von Feine Sahne Fischfilet am Donnerstag 28.11.2019 im E-Werk Saarbrücken. *** The concert of Feine Sahne Fischfilet on Thursday 28 11 2019 at the E Werk Saarbrücken bub
Gegen Feine-Sahne-Fischfilet-Sänger Jan Gorkow wurden anonyme Anschuldigungen wegen sexueller Gewalt erhoben.Bild: www.imago-images.de

Böhse Onkelz und Feine Sahne Fischfilet: In Zürich steht ein brisanter Konzert-Abend an

15.11.2025, 07:1815.11.2025, 07:25

Der 7. Dezember wird kein ruhiger Sonntag in Zürich-Oerlikon: Im Hallenstadion treten die Böhsen Onkelz auf, auf der anderen Seite des Bahnhofs Feine Sahne Fischfilet. Beide haben eine kontroverse Vergangenheit.

Lieder der von den deutschen Behörden einst als linksextrem eingeschätzten Feine Sahne Fischfilet landeten auf dem Index wegen «antistaatlicher Einstellung». Textzeilen wie «niemand muss Bulle sein» zeugen noch heute davon.

Gegen Sänger Jan Gorkow wurden anonyme Anschuldigungen wegen sexueller Gewalt erhoben. Die Juso forderte deswegen die Absage des Auftritts der Band am Openair Sankt Gallen 2023. Die Band aus Mecklenburg-Vorpommern spricht sich klar gegen Rechtsextremismus aus.

Die «Onkelz» aus Frankfurt wiederum spielten in den 1980er-Jahren ausländerfeindliche Lieder und tummelten sich in der rechtsextremen Szene. Später sagten sie sich davon los und lieferten Songs, in denen sie rechtsextreme Auswüchse verurteilten. Umstritten bleiben sie aber weiterhin. Bei den Onkelz und ihren Fans sorgten die Anfeindungen für eine Wagenburg-Mentalität – wir gegen den Rest der Welt.

Nun treten beide Bands am gleichen Tag praktisch nebeneinander auf. Der Veranstalter ist in beiden Fällen der gleiche: Good News, bekannt vor allem für Veranstaltungen im Punk- und Metal-Bereich. Wie kam es dazu?

«Schnittmenge» bei den Fans

Das Konzert im Hallenstadion ist seit Monaten ausverkauft. Konzerte der Böhsen Onkelz sind selten geworden. Etwas später kündigte Good News den Auftritt von Feine Sahne Fischfilet in der Halle 622 an. Wieso ausgerechnet auch in Oerlikon?

Das Datum sei schon vorher fixiert gewesen, sagt ein Vertreter von Good News gegenüber Keystone-SDA. Dass die Konzerte am gleichen Tag in Zürich stattfinden, sei tatsächlich auch dem Management von Feine Sahne Fischfilet etwas sauer aufgestossen.

Anscheinend aber nicht aus politischen Gründen. «Wir gehen von einer Schnittmenge bei den Fans aus. Es kann also sein, dass einige Zuschauer bei Feine Sahne Fischfilet fehlen, weil sie im Hallenstadion sind», heisst es bei Good News. Das Konzert in der Halle 622 sei noch nicht ausverkauft.

Wenig Spielraum für Veranstalter

Konzerttouren folgen strikten Plänen, ein Datum aussuchen kann ein Veranstalter in der Regel selten. So war es auch bei den Böhsen Onkelz, erklärt Good News. Der 7. Dezember sei der einzig mögliche Tag gewesen und kleiner als das Hallenstadion ging es nicht.

Der Tour-Organisator gehört dem gleichen deutschen Unternehmen wie Good News Als lokaler Veranstalter vollziehe Good News den Wunsch der Agentur. Ein Auftritt in Zürich statt in anderen Schweizer Städten ist bei grösseren Acts fast Pflicht. Wäre das Konzert der «kleineren» Band später bekannt geworden, hätte Good News nach eigenen Angaben mehr Einfluss auf Datum und Konzertlokal nehmen können.

Politik ist Nebensache

Stress wegen der politischen Ausrichtungen befürchtet der Veranstalter nicht. Beide Bands stammten aus der Punkbewegung und die Leute kämen in erster Linie, um die Konzerte zu sehen. Links und rechts würden bei Konzerten kaum mehr eine Rolle spielen. «Bei Konzerten der Toten Hosen sind auch Leute mit Rammstein-T-Shirts zu sehen».

Beim letzten Auftritt der Böhsen Onkelz in der Schweiz, 2018 am Rock the Ring in Hinwil, beobachte ein Journalist des «Tages-Anzeiger» vereinzelt Besucher, die Hitlergrüsse zeigten. Für viele in der linken Szene sind die Onkelz immer noch ein Feindbild. Linke Punks und nationalistisch eingestellte Fans könnten sich durchaus begegnen.

Bahnhof Oerlikon als Nadelöhr

Die meisten Fans dürften über den Bahnhof Oerlikon anreisen. Um zu verhindern, dass die Besucherinnen und Besucher beider Konzerte gemeinsam zum Bahnhof strömen, wurde das Ende der Konzerte mit einer Stunde Unterschied festgelegt.

Türöffnung ist bei beiden Konzerten die gleiche Zeit, um 17.30 Uhr. «Aber die Leute kommen wegen der Hauptband. So früh rechnen wir nicht mit tausenden Leuten». Der Veranstalter geht davon aus, dass sich die Ankommenden über den Abend verteilen und es nicht zu einer grösseren Ansammlung am Bahnhof kommt.

Über den speziellen Konzertsonntag informiert ist auch die Stadtpolizei. Wie bei jeder Veranstaltung mache sie eine Lagebeurteilung, heisst es. Details dazu gibt sie nicht bekannt. «Falls nötig» ergreife die Polizei aber Massnahmen. «Wir stehen in Kontakt mit den Konzertörtlichkeiten», schreibt ein Mediensprecher auf Anfrage. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
100 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
LaBelle dü Noire
15.11.2025 08:25registriert Dezember 2023
Die alten Vorwürfe gegen die Onkelz tauchen jetzt seit über 30 Jahren immer wieder auf. Ich mag die Band nicht , und die im Artikel beschriebene Wagenburg-Mentalität (seh' ich auch so) finde ich ehrlich gesagt ziemlich mühsam. Trotzdem wirkt es seltsam, wie hartnäckig gewisse Leute aus der linken Szene an den ganz alten Bildern festhalten, obwohl sich die Band schon lange klar von Rechtsextremismus distanziert hat. Diese Verbissenheit spiegelt fast genau das, was man der Band selber vorwirft: ein Festhalten an alten Schablonen.
12535
Melden
Zum Kommentar
avatar
Bakunin
15.11.2025 09:48registriert März 2021
Wer meint, dass es bei einen FeinesSahneFischfilet-Konzert nicht um Politik geht, war auch noch nie an einem Konzert von ihnen.
793
Melden
Zum Kommentar
avatar
Enemy№1
15.11.2025 08:31registriert April 2016
A propos:
Hat eigentlich hier jemand was zum neusten Stand vom Fall Lindemann gelesen? Oder ist es so leise, weil es etwas ungemütlich werden könnte für gewisse Medienhäuser?🤭
8554
Melden
Zum Kommentar
100
Als die Linke die Zuwanderung stoppen wollte
In den 1960er-Jahren wachsen Bevölkerung und Wirtschaft in der Schweiz so stark wie nie zuvor – auch durch die vielen ausländischen Arbeitskräfte, ohne die der beispiellose Wirtschaftsboom nicht möglich wäre. Gleichzeitig breitet sich die Angst vor «Überfremdung» aus. Mit der Forderung nach einer Begrenzung der Zuwanderung greift der Schweizerische Gewerkschaftsbund diese Stimmung auf und prägt die politische Debatte nachhaltig.
«Man hat sogar ein neues Wort geprägt – Überfremdung [inforestieramento]!», schreibt die Gazzetta Ticinese am 22. Februar 1965 irritiert. Im Gegensatz zur italienischen ist der Begriff in der deutschen Schweiz keineswegs neu, doch erlebt er wie die Schweizer Wirtschaft in der Nachkriegszeit eine Hochkonjunktur. Die vom Wirtschaftswachstum angetriebene Zuwanderung hat zusammen mit dem Babyboom zum grössten bisherigen Bevölkerungswachstum in der Schweiz geführt. Mitte der 1960er-Jahre leben ungefähr 5,8 Millionen Menschen im Land.
Zur Story