Diese Schweizer Versicherung macht sich über Trump lustig
Die Schweiz scheint Donald Trump am liebsten zu hassen – besonders, wenn sich damit noch Geld verdienen lässt. Nach der «39%-Uhr» von Swatch als Reaktion auf die US-Zölle springt nun das nächste Schweizer Unternehmen auf den Trump-Zug auf und nutzt die umstrittene Strahlkraft des MAGA-Gurus für sich.
Smile, eine Tochtergesellschaft der Helvetia, hat kürzlich eine Kampagne gebastelt, die sich von der orangen Farbe des Staatschefs inspirieren lässt, um Versicherungsprodukte zu verkaufen.
Der Slogan?
Die digitale Kampagne lief unter anderem auf Instagram in der Schweiz. Zu sehen: Donald Trump als Piktogramm – dunkler Anzug, rote Krawatte, der unverwechselbare Orange-Ton und die berühmte Frisur. Dazu der typische Schmollmund. Sein Name wird hingegen nirgends erwähnt.
Klar ist: Das Bild spricht für sich – da braucht's keine weiteren Erklärungen.
Trotzdem wollte watson es genauer wissen und hat bei der Versicherung nachgehakt. Einen umstrittenen, angriffigen Präsidenten zu parodieren, ist schliesslich kein harmloser Schritt.
Donald Trump ist längst nicht mehr der Entertainer aus «The Apprentice». Trotzdem bleibt er eine Popkultur-Ikone, die das kollektive Bild seit seinen ersten Millionen in der New Yorker Immobilienwelt dominiert.
Von «Kevin – Allein zu Haus» bis «Der Prinz von Bel-Air»: Der mächtigste Mann der Welt tauchte in über 300 Filmen und Serien auf. Sein Reality-TV-Abenteuer formte sein Image des alles andere als kamerascheuen Geschäftsmann, dessen Stil und Charisma damals sogar die New York Times an Robert Redford erinnerten.
Per E-Mail wirkt der Marketingchef von Smile erstaunlich locker, wenn es um Donald Trump in der Kampagne geht: «Smile ist für seine knackigen, aktuellen Werbungen bekannt. Wir brechen bewusst mit dem einheitlichen, oft steifen Ton traditioneller Versicherungsfirmen und sprechen die Sprache unserer Kunden», so Luca Michas. Er ergänzt:
Auch wenn der 79-jährige Präsident viele auf der ganzen Welt einschüchtert, kann seine polarisierende Art durchaus Geld bringen. Hat Smile als Schweizer Versicherer trotzdem Angst, einige (neue) Kunden zu verärgern? «Überhaupt nicht», sagt der Marketingchef.
Geld schlägt hier wohl Moral. Dabei sind Swatch oder Smile längst nicht die einzigen Firmen, die sich Donald Trump zunutze machen, um ihre Produkte zu vermarkten.
2017 hatte Dove auf die berühmten «alternative facts» des neuen Präsidenten Donald Trump gesetzt, um ein Deodorant zu verkaufen, während Lush ein Haarpflegeprodukt namens «Yuge» herausbrachte – in Anspielung auf einen seiner (zahlreichen) Sprach-Tics.
Klar ist: Spott und Satire gehören hier immer dazu. Aber reicht das, um sich von Trumps Politik zu distanzieren und keine Kontroverse zu provozieren? Laut Kommunikationsexperte David Shärer ist das Risiko minimal: «In der Schweiz gibt es schlicht nicht genug Trump-Fans, damit diese Werbung für Aufruhr sorgt», sagt der Gründer der Agentur DS Studio.
Anders gesagt: Die Kampagne hätte den Präsidenten befürworten müssen, damit sie Ärger ausgelöst hätte. Der Experte fügt ausserdem hinzu, dass Politiker ein viel sichereres Ziel als Prominente oder Sportler sind, da sie «bei dieser Art von Satire nicht so leicht klagen».
Hat David Shärer markante Beispiele im Kopf, bei denen die Politik in die Werbung eingriff? Unser Experte erinnert sich sofort an die Banque Coop, die 2003 eine Reihe von Diktatoren zeigte und mit einem prägnanten Slogan warb. Auf Deutsch übersetzt: «Wir können stolz sein, dass nicht jeder ein Konto bei uns hat.»
Zwei Jahre später hatte Sixt Nicolas Sarkozy auf die Schippe genommen, indem sie sich auf die Liebeswahl seiner Frau stützte: «Machen Sie es wie Frau Bruni. Nehmen Sie einen kleinen Franzosen.» Schliesslich wurde Angela Merkel von der deutschen Autovermietung aufgemischt, um ihre Cabrio-Modelle zu bewerben.
Im Fall von Smile erscheint es tatsächlich sehr unwahrscheinlich, dass Donald Trump auf die Werbung stösst, die sich über ihn lustig macht, und noch viel weniger, dass er die Schweizer Versicherung deswegen vor Gericht zieht.
Oder doch nicht? Bei dem MAGA-Guru kann man nie sicher sein.
