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Mit satirischer Trump-Kritik wirbt Versicherung Smile für sich

Die Versicherung Smile spielt in einer aktuellen Werbekampagne auf Trump an.
Die Versicherung Smile spielt in einer aktuellen Werbekampagne auf Trump an.image: getty et smile, montage: watson

Diese Schweizer Versicherung macht sich über Trump lustig

Über 300 Auftritte in Filmen und Serien – und längst auch ein Werbephänomen: Donald Trump wird regelmässig für Kampagnen eingespannt. So auch vom Schweizer Versicherer Smile. Genialer PR-Move oder heikle Provokation?
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04.04.2026, 18:1204.04.2026, 18:19
Fred Valet
Fred Valet

Die Schweiz scheint Donald Trump am liebsten zu hassen – besonders, wenn sich damit noch Geld verdienen lässt. Nach der «39%-Uhr» von Swatch als Reaktion auf die US-Zölle springt nun das nächste Schweizer Unternehmen auf den Trump-Zug auf und nutzt die umstrittene Strahlkraft des MAGA-Gurus für sich.

Smile, eine Tochtergesellschaft der Helvetia, hat kürzlich eine Kampagne gebastelt, die sich von der orangen Farbe des Staatschefs inspirieren lässt, um Versicherungsprodukte zu verkaufen.

Der Slogan?

«Auch orange. Aber ohne Blabla.»

Die digitale Kampagne lief unter anderem auf Instagram in der Schweiz. Zu sehen: Donald Trump als Piktogramm – dunkler Anzug, rote Krawatte, der unverwechselbare Orange-Ton und die berühmte Frisur. Dazu der typische Schmollmund. Sein Name wird hingegen nirgends erwähnt.

Klar ist: Das Bild spricht für sich – da braucht's keine weiteren Erklärungen.

Screenshot

Trotzdem wollte watson es genauer wissen und hat bei der Versicherung nachgehakt. Einen umstrittenen, angriffigen Präsidenten zu parodieren, ist schliesslich kein harmloser Schritt.

Donald Trump ist längst nicht mehr der Entertainer aus «The Apprentice». Trotzdem bleibt er eine Popkultur-Ikone, die das kollektive Bild seit seinen ersten Millionen in der New Yorker Immobilienwelt dominiert.

Von «Kevin – Allein zu Haus» bis «Der Prinz von Bel-Air»: Der mächtigste Mann der Welt tauchte in über 300 Filmen und Serien auf. Sein Reality-TV-Abenteuer formte sein Image des alles andere als kamerascheuen Geschäftsmann, dessen Stil und Charisma damals sogar die New York Times an Robert Redford erinnerten.

Per E-Mail wirkt der Marketingchef von Smile erstaunlich locker, wenn es um Donald Trump in der Kampagne geht: «Smile ist für seine knackigen, aktuellen Werbungen bekannt. Wir brechen bewusst mit dem einheitlichen, oft steifen Ton traditioneller Versicherungsfirmen und sprechen die Sprache unserer Kunden», so Luca Michas. Er ergänzt:

«In dieser Kreation nehmen wir humorvoll Bezug auf den Ruf von Donald Trump, der bekannt ist für seine unvorhersehbaren, endlosen und zusammenhanglosen Reden.»
Luca Michas, Marketingchef von Smile.
«Die orange Farbe setzt einen klaren Kontrast: Politik mag kompliziert und voll mit endlosem Gerede sein – Smile hingegen nicht.»
Luca Michas, Marketingchef von Smile.

Auch wenn der 79-jährige Präsident viele auf der ganzen Welt einschüchtert, kann seine polarisierende Art durchaus Geld bringen. Hat Smile als Schweizer Versicherer trotzdem Angst, einige (neue) Kunden zu verärgern? «Überhaupt nicht», sagt der Marketingchef.

«Ganz im Gegenteil: Seit dem Start der Kampagne in den sozialen Netzwerken hagelt es begeisterte Reaktionen. Die Werbung trifft genau den Humor unseres Publikums und unterstreicht das einfache Versprechen unserer Marke.»
Luca Michas

Geld schlägt hier wohl Moral. Dabei sind Swatch oder Smile längst nicht die einzigen Firmen, die sich Donald Trump zunutze machen, um ihre Produkte zu vermarkten.

2017 hatte Dove auf die berühmten «alternative facts» des neuen Präsidenten Donald Trump gesetzt, um ein Deodorant zu verkaufen, während Lush ein Haarpflegeprodukt namens «Yuge» herausbrachte – in Anspielung auf einen seiner (zahlreichen) Sprach-Tics.

Bild

Klar ist: Spott und Satire gehören hier immer dazu. Aber reicht das, um sich von Trumps Politik zu distanzieren und keine Kontroverse zu provozieren? Laut Kommunikationsexperte David Shärer ist das Risiko minimal: «In der Schweiz gibt es schlicht nicht genug Trump-Fans, damit diese Werbung für Aufruhr sorgt», sagt der Gründer der Agentur DS Studio.

Anders gesagt: Die Kampagne hätte den Präsidenten befürworten müssen, damit sie Ärger ausgelöst hätte. Der Experte fügt ausserdem hinzu, dass Politiker ein viel sichereres Ziel als Prominente oder Sportler sind, da sie «bei dieser Art von Satire nicht so leicht klagen».

«Hätte Smile dasselbe mit Roger Federer gemacht, wäre vermutlich ein Skandal entstanden – und der Tennisprofi hätte durchaus klagen können.»
David Shärer

Hat David Shärer markante Beispiele im Kopf, bei denen die Politik in die Werbung eingriff? Unser Experte erinnert sich sofort an die Banque Coop, die 2003 eine Reihe von Diktatoren zeigte und mit einem prägnanten Slogan warb. Auf Deutsch übersetzt: «Wir können stolz sein, dass nicht jeder ein Konto bei uns hat.»

Die Werbung der Banque Coop, heute heisst sie Banque Cler.
Die Werbung der Banque Coop, heute heisst sie Banque Cler.images: mise au point / rts

Zwei Jahre später hatte Sixt Nicolas Sarkozy auf die Schippe genommen, indem sie sich auf die Liebeswahl seiner Frau stützte: «Machen Sie es wie Frau Bruni. Nehmen Sie einen kleinen Franzosen.» Schliesslich wurde Angela Merkel von der deutschen Autovermietung aufgemischt, um ihre Cabrio-Modelle zu bewerben.

Bild

Im Fall von Smile erscheint es tatsächlich sehr unwahrscheinlich, dass Donald Trump auf die Werbung stösst, die sich über ihn lustig macht, und noch viel weniger, dass er die Schweizer Versicherung deswegen vor Gericht zieht.

Oder doch nicht? Bei dem MAGA-Guru kann man nie sicher sein.

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34 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Tatwort
04.04.2026 18:32registriert Mai 2015
"Popkultur-Ikone" - "Geld sxhlägt hier Moral" - "Charisma"? Ich weiss ja nicht, welches Kraut der Autor des Beitrages geraucht hat, aber ich nehme an, es ist auch im Tee aller Maga-isten. Denn Drogen braucht man, um Trump so positiv zu sehen.
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Grüblerine
04.04.2026 18:24registriert Januar 2024
Da die Orange weder französisch noch deutsch spricht und seine Entourage sicher auch nicht, schätze ich das Risiko einer Klage als nicht vorhanden ein 😁. Über die Werbung musste ich lachen.
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Lohner
04.04.2026 18:30registriert August 2025
Geniale Werbung 👍
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Cute News, everybody!
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