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GC-Trainer Giorgio Contini muss seine Mannschaft vor dem Abstieg bewahren.
GC-Trainer Giorgio Contini muss seine Mannschaft vor dem Abstieg bewahren.Bild: keystone
Analyse

Chaos und Knatsch in der Führung – darum wird GC-Trainer Contini nicht gefeuert

Die Grasshoppers stecken in der Krise. Trainer Giorgio Contini sitzt dennoch fest im Sattel, auch weil GC quasi führungslos ist. Der Klub verliert zunehmend seine Identität – Contini ist einer der wenigen, der diesem Trend trotzt.
01.04.2022, 08:56
François Schmid-Bechtel / ch media

Wenn eine Mannschaft von den letzten neun Spielen sieben verliert und nur einmal gewinnt, kann sich ein Trainer in den meisten Fällen wieder um die Rosen im eigenen Garten kümmern. Wenn nach fünf Niederlagen in Folge eine Länderspiel-Pause ansteht, hat nach der Pause meist ein anderer Trainer das Sagen. Nicht so bei GC.

Da wird im Moment an Giorgio Contini weder gerüttelt noch geschüttelt. Der steht da weiter ungerührt auf dem Trainingsplatz. Und selbst wenn er am Samstag das Derby gegen den FCZ verliert und Luzern mit einem Heimsieg bis auf zwei Punkte an GC herankommen sollte, dürfte die Trainerdiskussion überall, nur nicht beim Barrage-gefährdeten Rekordmeister geführt werden.

Bei den «Hoppers» treten die branchenüblichen Mechanismen ausser Kraft. Das hat auf den ersten Blick beinahe etwas Rührendes. Giorgio hier, Giorgio da, Giorgio überall. Ja, er ist das Gesicht dieses neuen, kunterbunten GC. Wer sollte es sonst sein? Der nigerianische Sportchef aus England, Seyi Olofinjana, der sich vorzugsweise in seinem Büro verschanzt, wenn er sich nicht gerade in England aufhält?

Oder der Präsident Sky Sun, der wieder einmal den Lockdown in seiner chinesischen Heimat als Grund für seine Abwesenheit anführen kann? Oder Managing Director Jimmy Berisha aus der Innerschweiz, der bei weitem nicht so viel Einfluss nehmen kann, wie es seinem Titel entsprechen würde?

GC-Sportchef Seyi Olofinjana scheint in Sachen Transfers nicht immer das allerletzte Wort zu haben.
GC-Sportchef Seyi Olofinjana scheint in Sachen Transfers nicht immer das allerletzte Wort zu haben. bild: imago-images.de

Nein. Contini ist so ziemlich das einzig identitätsstiftende Element bei GC. Und er macht, den schwierigen Umständen entsprechend, auch einen guten Job. Das wissen sie alle. Weshalb der Trainer trotz besorgniserregendem Sturzflug eine hohe Wertschätzung geniesst.

Man könnte auf die Idee kommen, der einst arrogante, erfolgreiche Nobelklub würde neuerdings von Sozialromantikern geführt. Aber so ist es natürlich nicht. Die Geschichte um Giorgio Contini legt viel eher die Unzulänglichkeiten dieses Projekts offen. Contini muss vorderhand keine Entlassung befürchten, weil die Führung nicht funktioniert. Aber das ist auch der Grund, warum Contini mit GC in diese missliche Lage geraten ist.

Keine Struktur und keine Leidenschaft

Beginnen wir ganz oben. Jeff Shi ist der Boss von Wolverhampton und damit der oberste Angestellte der Fussball-Division des chinesischen Konzerns Fosun. Vielleicht war es seine Eingebung, eine Filiale zu eröffnen. Egal. Die Idee, jene Spieler, die für die Premier League noch nicht gut genug sind, im eigenen Stall zu behalten, ist gut. Schliesslich hat man geschäftliche Bande mit Ronaldos Berater Jorge Mendes geknüpft, dessen Portfolio man auch anzapfen kann. Kurz: Spieler zu verpflichten ist das kleinste Problem, selbst wenn sie von GC oder Zürich noch nie etwas gehört haben.

Sky Sun (l.) mit seinem Boss Jeff Shi an einem Match der Wolverhampton Wanderers.
Sky Sun (l.) mit seinem Boss Jeff Shi an einem Match der Wolverhampton Wanderers.bild: imago-images.de

Jeff Shi ist der Mann, dem GC-Präsident Sky Sun Bericht erstatten muss. Heisst, GC wird in letzter Konsequenz aus England geführt. Jeff Shi ist auch der Mann, der Sky Sun den Auftrag gegeben haben soll, aus dem Wolves-Mitarbeiter Seyi Olofinjana den GC-Sportchef zu machen. Dass bei diesem Personalentscheid Erfahrung, Kompetenzen, Wissen und lokaler Bezug eine Rolle gespielt haben, darf bezweifelt werden. Doch für Shi ist Olofinjana gleichwohl der richtige Mann, weil er auch sein Ohr in Zürich ist.

Zweifel an Olofinjanas Qualifikationen soll gegen Ende Jahr Sky Sun geäussert haben. Gewährsleute berichten, dass Sun deshalb die Wintertransfers – der Chinese Li Lei, der Südkoreaner Sangbin Jeong und der Japaner Ayumu Seko – ohne Olofinjana getätigt haben soll.

Olofinjana wiederum ist im Dauerclinch mit Managing Director Berisha. Dieser lehnt sich gegen die Entfremdung der «Hoppers» auf. Aber erfolglos. Stattdessen driftet das seelen- und konzeptlose GC immer mehr in die Bedeutungslosigkeit ab. In der Saison 18/19 beispielsweise gingen 22,4 Prozent der Einsatzminuten auf das Konto von Schweizer U21-Spielern. In dieser Saison ist dieser Wert auf 1,2 Prozent geschrumpft.

Kontakt zur neuen Führung lief über Mendes

Dabei war es Berisha, der die bösen Geister rief. Er hat über seinen guten Kontakt zu Mendes dafür gesorgt, dass die Chinesen Interesse an GC bekunden. Daraus könnte man schliessen, dass er mit Mendes einen wichtigen Fürsprecher hätte. Aber es gibt Zeichen, die darauf deuten, dass sich die Chinesen von Mendes – Fosun ist an seiner Agentur Gestifute beteiligt – ein Stück weit emanzipieren. In der letzten Saison soll Mendes einige Spiele von GC geschaut haben, egal wo er sich auf der Welt gerade aufgehalten hat. In dieser Saison soll es ihn nicht mehr kümmern, was die Chinesen bei GC anrichten.

Jorge Mendes mag das Scheinwerferlicht – und das gibt es bei GC momentan nicht.
Jorge Mendes mag das Scheinwerferlicht – und das gibt es bei GC momentan nicht.Bild: Joan Valls/Cordon Press

Wahrscheinlich kümmert es ihn auch nicht, wenn sein Einfluss bei den Wolverhampton Wanderers abnimmt. Mendes ist Pragmatiker. Einer, der persönlich nur die ganz grossen Deals macht. Einer, der gebeten wird, die Lücke, die Kylian Mbappé in Paris hinterlassen wird, zu schliessen. Etwa mit dem Portugiesen Rafael Leao von der AC Milan?

Aber zurück zu GC. Noch ist es nicht zu irgendeinem Knall gekommen, weil alle ausser Oberboss Jeff Shi aus Wolverhampton entweder nicht wirklich etwas zu melden haben oder hauptsächlich damit beschäftigt sind, ihren Job und ihren Status zu retten. Das sind schlechte Voraussetzungen, um GC zum Fliegen zu bringen. Und noch schlechtere Voraussetzungen, um Trainer Giorgio Contini eine vernünftige Mannschaft zur Verfügung zu stellen. Stattdessen muss er mit einer kickenden Kakofonie arbeiten.

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