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«Novak ist Spartakus» – Djokovics Vater lässt seiner Wut in einem Interview freien Lauf

06.01.2022, 10:2206.01.2022, 13:34

Novak Djokovic darf vorerst nicht nach Australien einreisen. Zuvor hatte er von der Regierung von Viktoria eine Sonderbewilligung erhalten, damit er am Australian Open teilnehmen darf, obwohl er nicht gegen das Coronavirus geimpft ist. Am Donnerstag wurde dann allerdings sein Visum von der australischen Grenzbehörde am Flughafen in Melbourne gecancelt.

Die Nachricht sorgt besonders in Serbien für Empörung. «Ganz Serbien steht hinter ihm», schrieb der serbische Präsident Aleksandar Vucic in der Nacht zum Donnerstag nach einem Telefonat mit Djokovic auf Instagram. «Unsere Behörden werden alle Massnahmen ergreifen, um die Schikane des besten Tennisspielers der Welt binnen kürzester Zeit zu beenden.»

Novak und Srdjan Djokovic.
Novak und Srdjan Djokovic.Bild: imago sportfotodienst

Nun hat sich auch der Vater, Srdjan Djokovic, zu Wort gemeldet. In einem Interview mit dem berüchtigten serbischen Revolverblatt «Informer» stilisiert er den Fall zu einem Kampf zwischen Arm und Reich hoch:

«Mein Sohn ist heute Nacht in australischer Gefangenschaft, aber er war noch nie freier. Von diesem Moment an wurde Novak zum Symbol und Führer der freien Welt, der Welt der armen und unterdrückten Länder und Völker.»
Srdjan Djokovic zum «Informer»

Er bezeichnet seinen Sohn dabei sogar als den neuen Spartakus:

«Sie können ihn heute Nacht einsperren, morgen können sie ihn in Ketten legen, aber die Wahrheit ist, er ist wie Wasser und findet immer seinen Weg. Novak ist der Spartakus der neuen Welt, der Ungerechtigkeit, Kolonialismus und Heuchelei nicht duldet, sondern für die Gleichberechtigung aller Menschen auf dem Planeten kämpft, unabhängig von ihrer Hautfarbe, egal zu welchem Gott sie beten und wie viel Geld sie haben.»

Der römische Sklave und Gladiator Spartakus hat etwa 70 v. Chr. einen Sklavenaufstand gegen die römische Herrschaft angeführt. In der Moderne wurde er besonders in der Sowjetunion und in der DDR zur Symbolfigur des ersten Klassenkämpfers.

Nun will Vater Djokovic, dass sein Sohn die Rolle übernimmt:

«Die reiche Welt wird Nole vielleicht nicht erlauben, weiterhin Tennis zu spielen, aber sie wird dabei ihr wahres Gesicht enthüllen und damit ein weitaus ernsteres Spiel beginnen. Auf der einen Seite wird es gierige und arrogante Mitglieder der Weltoligarchie geben, auf der anderen die libertäre und stolze Welt, die immer noch an Gerechtigkeit, Wahrheit, Fairplay und die Träume ihrer Kinder glaubt.»

In Serbien hat er damit Erfolg. Die regierungsnahen Medien machten in der serbischen Hauptstadt Belgrad ebenfalls Stimmung gegen den Entscheid der australischen Behörden. «Das ist der grösste Sportskandal aller Zeiten», titelte das Boulevard-Blatt «Kurir» am Donnerstag. Ähnlich präsentierte sich die Zeitung «Informer» mit ihrer Titelseite: «Skandal und Schande: Novak in Melbourne festgenommen».

Ausserhalb Serbiens stösst Srdjan Djokovic aber auf viel Unverständnis, wie diese Reaktionen zeigen:

(leo mit Material der sda)

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quelle: keystone / alberto pezzali
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Novak Djokovic ist nach seiner Abschiebung aus Australien via Dubai nach Belgrad in den Schoss seiner Heimat zurückgekehrt. Statt sich nach dem Krimi um die Aberkennung des Visums um versöhnliche Töne zu bemühen, wird der Fall weiter politisch instrumentalisiert.

Man hätte sich gewünscht, nach der Abschiebung von Novak Djokovic aus Australien würden sich alle Beteiligten um versöhnliche Töne bemühen. Schliesslich haben alle Fehler begangen: Novak Djokovic, der sich nicht gegen das Coronavirus hat impfen lassen, obwohl das für die Einreise nach Australien Voraussetzung ist. Der Veranstalter der Australian Open, der zwei Schreiben des Bundesstaats Victoria vom November ignoriert hat. In diesen wurde darauf hingewiesen, dass eine kürzlich erfolgte Infektion, die Djokovic geltend gemacht hatte, nicht von der Impfpflicht befreit. Tennis Australia hat diese Information nicht an Djokovic weitergegeben.

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