Erste Frau als Bundesliga-Trainerin: Marie-Louise Eta übernimmt Union Berlin
Nach der 1:3-Niederlage bei Bundesliga-Schlusslicht Heidenheim hat sich Union Berlin von Trainer Steffen Baumgart getrennt. Den Entscheid kommunizierte der Klub kurz vor Mitternacht.
In diesem Jahr gewannen die Eisernen nur zwei von 14 Spielen und holten insgesamt elf Punkte. «Wir spielen bisher eine absolut enttäuschende Rückrunde», erklärt Geschäftsführer Horst Heldt den Entscheid. Angesichts des Vorsprungs von nur sieben Punkten auf den Relegationsplatz befindet dieser trotz Tabellenplatz 11: «Unsere Lage ist nach wie vor bedrohlich und wir benötigen dringend Punkte, um den Ligaverbleib zu sichern.»
Aufgrund der letzten Resultate und Leistungen traut die Vereinsführung Baumgart, der im Januar 2025 übernommen hatte, nicht mehr zu, eine Trendumkehr einzuleiten. Deshalb werde nun bis Saisonende die bisherige U19-Trainerin Marie-Louise Eta Cheftrainerin der Profis sein.
Die 34-Jährige wird diesen Posten damit als erste Frau in der Bundesliga der Männer bekleiden. Auch in den anderen Top-5-Ligen ist dies noch nie vorgekommen. Ohnehin sind Frauen als Coaches im männlichen Profifussball eine Seltenheit.
Sabrina Wittmann wurde 2024 bei Drittligist Ingolstadt zur Pionierin im deutschen Fussball. Davor hatten die in der Schweiz bekannten Inka Grings und Imke Wübbenhorst lediglich im Amateurbereich an der Seitenlinie gestanden. In Italien übernahm Carolin Morace in der 3. Liga Viterbese für zwei Spiele, bevor sie wieder hinschmiss. Corinne Diacre, die später Frankreichs Nationalteam der Frauen trainierte, war zwischen 2014 und 2017 Cheftrainerin bei Zweitligist Clermont.
Nun ist in Eta aber erstmals eine Frau in der höchsten Liga tätig – wenn auch nur für fünf Spiele. «Ich freue mich, dass mir der Verein diese anspruchsvolle Aufgabe anvertraut», sagt die ehemalige Fussballerin, die im Sommer dann Unions Frauenteam übernehmen wird. Dieses befindet sich im ersten Jahr in der Bundesliga auf einem stabilen Mittelfeldplatz.
Zuvor will Eta aber noch die Männer zum Verbleib im Oberhaus führen. «Der Verbleib in der Bundesliga ist angesichts der Punkteabstände in der unteren Tabellenhälfte noch nicht gesichert», weiss sie, zeigt sich aber überzeugt, «dass wir mit dem Team die entscheidenden Punkte holen». Schliesslich sei es stets eine Stärke von Union Berlin gewesen, «in solchen Situationen gemeinsam alle Kräfte zu bündeln».
Ganz neu ist die Situation für Marie-Louise Eta nicht. Im November 2023 stieg sie nach dem Abschied von Urs Fischer zur Co-Trainerin der Profis auf. Schon damals wurde sie zur ersten Frau in dieser Rolle in der deutschen Bundesliga.
In 25 Spielen als Assistentin von Marco Grote und dann Nenad Bjelica trug sie dazu bei, dass Union Berlin am letzten Spieltag auf dramatischste Art und Weise mit einem Sieg durch ein Tor in der 92. Minute der Relegation entging und den Klassenerhalt sicherte. In dieser Saison will sie den Verbleib in der Bundesliga wohl schon früher klarmachen. Einen grossen Schritt in diese Richtung könnte sie schon am nächsten Samstag machen: Ihre Premiere feiert Eta nämlich an der Alten Försterei in Berlin gegen den VfL Wolfsburg – den Tabellen-17.
