Wer muss runter? Die Fakten zum Abstiegskampf in der Bundesliga
In der Bundesliga stehen die entscheidenden Wochen an. Während Bayern München bereits als deutscher Meister feststeht, muss fast die halbe Liga noch um den Ligaerhalt bangen. Fünf Schweizer Legionäre sind involviert.
Schon an diesem Wochenende stehen in den Partien Wolfsburg – Borussia Mönchengladbach und Heidenheim – St. Pauli (beide Samstag, 15.30 Uhr) zwei direkte Duelle im Tabellenkeller an, die möglicherweise (vor-)entscheidenden Charakter besitzen. Heidenheim stünde bei einer Heimniederlage als erster Absteiger fest.
Union Berlin (32 Punkte, 34:52 Tore)
Das spricht für die Rettung: Im ersten Spiel unter der neuen Cheftrainerin Marie-Louise Eta zeigten die Köpenicker die beste Offensivleistung seit Monaten und hätten deutlich mehr verdient gehabt als das 1:2 gegen Wolfsburg. Dazu haben die Berliner vor den letzten vier Spielen immer noch ein komfortables Polster auf die Abstiegszone.
Das spricht gegen die Rettung: Gegen Teams auf Augenhöhe sieht Union in dieser Spielzeit schlecht aus. Und es warten noch Duelle mit Köln, Augsburg und Mainz unter Ex-Trainer Urs Fischer.
1. FC Köln (31 Punkte, 44:51 Tore)
Das spricht für die Rettung: Die Kölner mit dem wieder fitten Schweizer Verteidiger Joël Schmied haben sich unter Trainer René Wagner stabilisiert. Fünfmal ist der FC zuletzt ungeschlagen geblieben. Dass die Kölner ihren Vorsprung von fünf Punkten auf den Relegationsplatz noch verspielen, scheint nach dem wichtigen 1:1 gegen Konkurrent St. Pauli am letzten Freitag nicht sehr wahrscheinlich.
Das spricht gegen die Rettung: Das Restprogramm birgt für die Domstädter durchaus Gefahren. Am Samstag tritt Köln zum rheinischen Duell gegen Bayer Leverkusen an. Am letzten Spieltag muss das Wagner-Team zudem zum Meister Bayern München.
Borussia Mönchengladbach (31 Punkte, 36:50 Tore)
Das spricht für die Rettung: Fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz und das deutlich bessere Torverhältnis gegenüber St. Pauli wirken komfortabel. Mit einem Sieg beim Vorletzten aus Wolfsburg kann die Mannschaft von Nationalverteidiger Nico Elvedi am Samstag einen grossen Schritt Richtung Klassenerhalt machen.
Das spricht gegen die Rettung: Gegen direkte Konkurrenten präsentierte sich die Borussia zuletzt erstaunlich schwach. Weder gegen Heidenheim (2:2) noch gegen Mainz (1:1) reichte es zum Heimsieg. Vier Spiele nacheinander hat das Team von Eugen Polanski nicht gewonnen. Der Trend zeigt nach unten.
Hamburger SV (31 Punkte, 33:48 Tore)
Das spricht für die Rettung: Der HSV hat trotz der sportlichen Talfahrt immer noch fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz. Auch wenn es zuletzt schlecht lief, herrscht beim Aufsteiger Ruhe. Trainer Merlin Polzin steht nicht zur Disposition. Die Geschlossenheit ist gross.
Das spricht gegen die Rettung: Der HSV hat von den letzten neun Spielen nur eines gewonnen, auch die Leistungskurve ging zuletzt nach unten. In Stuttgart und gegen Werder gab es verdiente Niederlagen. Mit Abwehrchef Luka Vuskovic und Miro Muheim, dem Schweizer Leistungsträger auf der linken Aussenbahn, fehlen zudem zwei Leistungsträger verletzt. Beide drohen bis zum Saisonende auszufallen.
Werder Bremen (31 Punkte, 35:53 Tore)
Das spricht für die Rettung: Unter dem neuen Trainer Daniel Thioune hat sich Werder mit dem ausgeliehenen Ergänzungsspieler Isaac Schmidt deutlich stabilisiert. Auch, weil sich die Personalsituation entspannt hat. Der Derby-Sieg gegen den Hamburger SV hat zudem viel Selbstvertrauen gegeben.
Das spricht gegen die Rettung: Offensiv ist Werder weiter extrem harmlos. Zudem hat es das Restprogramm in sich. In Stuttgart, Hoffenheim und Dortmund geht es noch gegen drei Klubs, die in die Champions League drängen.
St. Pauli (26 Punkte, 26:51 Tore)
Das spricht für die Rettung: Der Spielplan könnte den Hamburgern helfen. Am Samstag geht es zum Tabellenletzten Heidenheim, am letzten Spieltag kommt der aktuell Vorletzte Wolfsburg zum Millerntor. Positiv ist, dass innerhalb und ausserhalb des Vereins wenig Unruhe herrscht. Eine Diskussion um Trainer Alexander Blessin gab es nicht ernsthaft.
Das spricht gegen die Rettung: Der Trend ist gegen St. Pauli. Seit den zwei Siegen im Februar gegen Werder Bremen und bei Hoffenheim holte die Mannschaft in sechs Spielen drei Punkte. Die Offensive ist mit 26 Treffern die harmloseste der Liga. Und die Defensive, ein entscheidender Faktor beim Ligaerhalt in der Vorsaison, steht nicht mehr so sicher.
Wolfsburg (24 Punkte, 41:66 Tore)
Das spricht für die Rettung: Das 2:1 bei Union Berlin hat Hoffnung geweckt. Es war der erste Sieg nach zwölf Spielen. In Dieter Hecking haben die Niedersachsen einen Trainer mit Erfahrung im Abstiegskampf. Individuell ist der Kader stark besetzt. In den restlichen zwei Spielen geht es noch gegen die Mitkonkurrenten Borussia Mönchengladbach und St. Pauli.
Das spricht gegen die Rettung: Trotz individueller Qualität im Aufgebot ist es keinem der drei Wolfsburger Trainer in dieser Saison bislang gelungen, eine starke Mannschaft zu formen. Vor allem hinten hapert es. Zudem ist Mittelfeld-Motor, Integrationsfigur und Captain Maximilian Arnold aktuell nicht fit.
Heidenheim (19 Punkte, 33:66 Tore)
Das spricht für die Rettung: Die Heidenheimer haben sich innerlich schon vor Wochen auf den drohenden Abstieg eingestellt und machen sich womöglich nicht mehr den ganz grossen Druck. Vor der 1:2-Niederlage in Freiburg am letzten Wochenende blieb das Team des Stuttgarter Leihspielers Leonidas Stergiou immerhin dreimal in Serie ungeschlagen.
Das spricht gegen die Rettung: Der FCH hat in der laufenden Saison gerade mal vier Spiele gewonnen, der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt sieben Punkte. Verliert Heidenheim am Samstag gegen St. Pauli, ist der Abstieg bereits besiegelt. Als nächstes Auswärtsspiel steht die Partie in München an. Wenn überhaupt, rettet sich Heidenheim nur noch über die Relegation. (ram/sda/dpa)
