Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Bild: freshfocus

«Frust-Folklore»

Natitrainer Simpson immer noch sauer: «Ich fordere, dass diese beiden Linienrichter hier nicht mehr eingesetzt werden!»

Der Ärger im Schweizer Lager über die Schiedsrichter ist auch am Tag nach dem WM-Spiel gegen die USA (2:3) noch immer gross. Sean Simpson fordert, dass die beiden Linienrichter suspendiert werden.



Switzerland's head coach Sean Simpson speaks to the medias, after a training session at the 2014 IIHF Ice Hockey World Championships, in Minsk, Belarus, Sunday, May 11, 2014. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Simpson gibt nach dem Sonntagstraining Interviews. Bild: Keystone

Die beiden Linienrichter Chris Carlson (Kanada) und Stanislav Raming (Russland) haben den Schweizern im Spiel gegen die USA im Schlussdrittel zwei Tore (zum 3:2 und zum 3:3) wegen Offside aberkannt. Ohne viel Boshaftigkeit darf behauptet werden, dass die Linienrichter den Schweizer einen Sieg, zwei Tore und drei Punkte und im schlimmsten Falle sogar das Viertelfinale «gestohlen» haben.

Es sind zwar zwei Fehlentscheide. Aber beide Situationen waren keineswegs eindeutig und erst in der TV-Wiederholung ist zu sehen, dass es ganz knapp kein Offside war. Der abtretende Schweizer Schiedsrichterchef Reto Bertolotti sagt allerdings auch: «Auf diesem Niveau dürfen solche Fehler nicht passieren.»

Animiertes GIF GIF abspielen

Fehlentscheid Nummer 1. GIF: SRF

Das Jammern über die Schiedsrichter – auch die Leistung der beiden Head Roman Gofman (Russland) und Jyri Ronn (Finnland) wurde als ungenügend taxiert – führt einmal mehr zu einem «Aha-Erlebnis». Diese WM zeigt nämlich erneut, wie gut die Schiedsrichter in unserer Liga sind und wie deplatziert und billig die von Einfaltspinseln befeuerte heimische Schiedsrichterpolemik ist.

Sean Simpson hatte bereits nach dem Spiel seinem Ärger Luft gemacht und gesagt, er habe sich in vier Jahren als Nationaltrainer nie über die Schiedsrichter beklagt. Aber jetzt tue er es. Dabei bleibt es nicht. Den Worten sind Taten gefolgt.

Fehlentscheid Schweiz USA

Fehlentscheid Nummer 2. Bild: SRF

Der Nationaltrainer hat um eine Aussprache mit dem Schiedsrichter-Chef nachgesucht und wird heute angehört. Er sagt: «Es war nicht einfach, den Termin zu bekommen. Ich verlange, dass diese beiden Linienrichter im Interesse des Eishockeys an diesem Turnier nicht mehr eingesetzt werden.» Er sei diese Forderung seinem Team, aber auch dem Eishockey schuldig.

Keine besonders schlaue Idee

Der Zorn unseres Nationaltrainers ist verständlich und ein Coach setzt sich in jeder Situation bedingungslos für sein Team ein. Aber sein Zorn wird keine Früchte tragen. Seinem Wunsch wird nicht entsprochen. Es wäre besser gewesen, wenn Verbands-Präsident Marc Furrer oder Verbands-Sportchef Pius-David Kuonen oder Verbands-CEO Florian Kohler Sean Simpson entweder von diesem Schritt abgehalten oder an seiner Stelle interveniert hätten. Aber es hat bis heute noch niemand behauptet, unser Verband sei ein Musterbeispiel exzellenter Führung.

Letztlich ist diese Episode so etwas wie «Frust- Folklore»: So oder so werden diese beiden Linienrichter in Spielen mit der Schweiz nicht mehr eingesetzt und nach den Gruppenspielen kommen nur noch die Besten zum Zuge.

Wieder mit Berra im Kasten

Simpson richtet den Fokus bereits wieder auf die Zukunft. «Wir können die Szenen nicht rückgängig machen. Es bringt nichts, wenn wir uns darüber aufregen. Wir müssen uns nun auf das Spiel morgen gegen Weissrussland konzentrieren. Und wenn wir so spielen wie gegen die USA, dann haben wir eine gute Chance das Spiel zu gewinnen und an diesem Turnier etwas zu erreichen.»

Die Partie gegen den WM-Gastgeber dürfte für den weiteren Verlauf der WM wegweisend sein. Dessen ist sich auch Simpson bewusst. Er setzt im Tor wieder auf Reto Berra, der die Schweiz gegen die USA im Spiel hielt und wie an der letzten WM und in Sotschi der sichere Rückhalt war.

Tommy Wingels of the U.S. falls in front of Switzerland's goaltender Reto Berra (top) during the second period of their men's ice hockey World Championship group B game at Minsk Arena in Minsk May 10, 2014. REUTERS/Alexander Demianchuk (BELARUS  - Tags: SPORT ICE HOCKEY)

Bild: Reuters

Änderungen in der Aufstellung plant Simpson keine. Das heisst, er wird erneut nur mit sieben Verteidigern antreten und weiter darauf hoffen, dass NHL-Crack Rafael Diaz das Team im Verlauf des Turniers noch verstärken wird. (si)

» Mehr zur Eishockey-WM 2014 in Minsk

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

3
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Horny 11.05.2014 17:04
    Highlight Highlight Wie kann die Diskussion um die Schiedsrichterleistung in einer Sportart mit Videobeweis mit so einer miserablen Schiedsrichterleistung überhaupt geschehen? Und wofür existiert den der Videobeweis, wenn dieser nicht genutzt wird?
    Aber es werden ja immer nur die Schiedsrichter beschuldigt, Fehler zu machen, egal ob diese Götter den Regeln entsprechend ihre Aufgabe erledigen, oder nicht, den sie haben immer Recht. Also ich kenne keinen Job, wo ich immer Recht habe.
    Darum werde ich jetzt Schiedsrichter, dann hab ich grundsätzlich Recht. Ich muss ja nicht mal alle mir möglichen Möglichkeiten in Betracht ziehen, um meine Entscheidungen zu Rechtfertigen, denn "Schiedsrichter haben immer Recht"
    • Bulawa 11.05.2014 19:33
      Highlight Highlight Ich werde (als Schiedsrichter der ich bin) nie müde zu betonen, dass der videobeweis nicht ein universalheilmittel eingesetzt wird. Er dient zur Klärung der frage ob ein Tor erzielt worden ist, ob also der puck die Torlinie überquert hat. Und obwohl ich viel Verständnis für SR entscheide und Fehler habe, so war das definitiv viel zu viel des Guten....
  • pun 11.05.2014 17:00
    Highlight Highlight :D Als Fussballfan lohnt es sich an dieser Stelle, auf die Zaugg-Polemik zu den Fussballidioten, die auf Schiedsrichtern rumhacken zu verweisen:
    http://www.watson.ch/Eismeister+Zaugg/articles/371311282-Warum-wir-uns-f%C3%BCr-unseren-Klubfussball-sch%C3%A4men-m%C3%BCssen

    Fehlen noch prügelnde Fans - ach stimmt, die gibts ja auch - und die Hockey-Stammtisch-Parolen-Schwinger können ihre Nase wieder auf Normalniveau senken.

«Traum wird wahr» – Josi erhält Norris Trophy als bester NHL-Verteidiger

Grosse Ehre für Roman Josi: Der Berner erhält die James Norris Memorial Trophy. Mit ihr wird der wertvollste Abwehrspieler der Saison geehrt. Der 30-jährige Captain der Nashville Predators tritt damit in die Fussstapfen von Rekordsieger Bobby Orr (8 Trophäen), Ray Bourque, P.K. Subban, Drew Doughty, Erik Karlsson oder Brent Burns. Er ist der erste Schweizer Eishockeyspieler, dessen Leistungen mit einer der wichtigsten Trophäen der NHL gewürdigt werden.

«Das bedeutet mir sehr viel», freute sich …

Artikel lesen
Link zum Artikel