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Letzte Saison zunächst stark, dann weit an den Playoffs vorbei, nun in der NHL an der Spitze: Die Montreal Canadiens.
Letzte Saison zunächst stark, dann weit an den Playoffs vorbei, nun in der NHL an der Spitze: Die Montreal Canadiens.Bild: X02835

Die Kanadier plötzlich ganz oben: In der NHL muss man sterben, um wieder zu leben

Die kanadischen NHL-Teams haben in der vergangenen Saison allesamt die Playoffs verpasst. Daher erstaunt momentan der Blick auf die Tabelle: Ganz zuvorderst stehen zwei Mannschaften aus dem Mutterland des Eishockeys.
26.10.2016, 18:1027.10.2016, 19:18
Donat Roduner
Donat Roduner
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Die Saison 2015/16 ist als sehr düsteres Kapitel in die Geschichte des kanadischen Eishockey eingegangen. Sämtliche sieben Teams aus dem Mutterland der Sportart verpassten die Qualifikation für die Playoffs – zum ersten Mal seit 1970, als Kanada noch nur mit drei Teams vertreten war.

Offensichtlich hat man diesen Tiefschlag im Sommer weggesteckt – oder wie ist folgende, leicht zynische Passage des kanadischen Hockey-Journalisten Michael Traikos in der «National Post» zu erklären?

«Was ist erstaunlicher nach drei Wochen: Dass die Edmonton Oilers in der NHL am meisten Siege auf dem Konto haben oder dass die Vancouver Canucks keinen Grund hatten, um Headcoach Willie Desjardins zu feuern?»

Klar ist es noch früh in der Saison, doch der erste Trend ist eindeutig: Die Kanadier sind zurück! Montreal und Edmonton liegen an der Tabellenspitze und auch die anderen Vertreter aus dem «Great White North» spielen ansprechend auf. Mit einer Ausnahme: Die Calgary Flames können die Erwartungen bislang nicht erfüllen.

Potz Holzöpfel und Zipfelchappe! Die Edmonton Oilers mischen auch vorne mit.
Potz Holzöpfel und Zipfelchappe! Die Edmonton Oilers mischen auch vorne mit.Bild: AP/The Canadian Press

Es scheint sich die NHL-Weisheit zu bewahrheiten, dass ein Team erst richtig schlecht sein muss, bevor es wieder richtig gut werden kann. Und das hat seine Gründe: Zum einen kommen die schwächsten Teams in der Draft-Lotterie zuerst zum Zug und erhalten dadurch Zugriff auf die vielversprechendsten Talente (was nicht zwingend von Erfolg gekrönt sein muss, wie das Beispiel Edmonton zeigt).

Zum anderen erlaubt es der sportliche Misserfolg, drastische Massnahmen zu ergreifen. «Burn-it-to-the-ground»-Wiederaufbau nennt das der kanadische Schreiber Sean McIndoe. Will ein NHL-Team wieder leben, muss es erst richtig sterben.

So sieht das bei den kanadischen Teams jeweils aus:

Bemerkung: Für die Positionen wird hier ausnahmsweise die NHL-Gesamttabelle beigezogen.

Montreal Canadiens

Letzte Saison: 22.

Zum Leidwesen von Sven Andrighetto, der im Farmteam spielen muss, läuft es den Canadiens wie geschmiert. Als einziges Team haben sie bisher in jedem Spiel gepunktet und zuletzt vier Siege in Serie gefeiert. Zwei Erfolgsfaktoren sind auszumachen: Die vergangene Saison erlaubte es den Verantwortlichen in Montreal, den äusserst populären Star-Verteidiger P.K. Subban (27) nach Nashville zu tauschen, ohne dass darum übermässiger Klamauk entstanden wäre.

Neu bei Nashville: P.K. Subban.
Neu bei Nashville: P.K. Subban.Bild: Mark Humphrey/AP/KEYSTONE
Dafür in Montreal: Shea Weber.
Dafür in Montreal: Shea Weber.Bild: AP/FR 171450 AP

Dafür hat man den erfahreneren Shea Weber (31) in den Norden geholt. Roman Josis bisheriger Defensivpartner hat bei seinem neuen Arbeitgeber eingeschlagen: Nicht nur hat er die Abwehr stabilisiert, sondern er zeigte sich mit sieben Punkten aus sechs Spielen auch offensiv äusserst produktiv.

Noch wichtiger ist aber, dass Stargoalie Carey Price, der letzte Saison lange verletzt war, mit Al Montoya neu einen äusserst kompetenten Ersatz neben sich weiss. Die beiden belegen unter den Torhütern mit mindestens drei Spielen aktuell die Plätze 1 und 3, was die Fangquote anbelangt. Ein starkes Indiz dafür, dass der Erfolg Montreals längerfristiger sein könnte.

Edmonton Oilers

Letzte Saison: 29.

Der chronische Misserfolg der Edmonton Oilers wird auch begünstigt durch ihr schlechtes Händchen im Draft – die diesjährige Nummer 4, Jesse Puljujärvi, hat übrigens auch noch keine Stricke zerrissen (4 Spiele/1 Tor). Immerhin haben die Oilers aber mit der Vergangenheit aufgeräumt und zwei «faule Pflaumen» aus der Vergangenheit abgeschoben: Taylor Hall (1. Pick 2010) und Nail Jakupow (1. Pick 2012).

Stark am aktuellen Erfolg beteiligt ist dafür der Top-Pick des letzten Jahres: Der 19-jährige Captain (!) Connor McDavid befindet sich in Topform und hat bereits neun Punkte auf dem Konto. Aber auch der Rest der Oilers-Offensive kann sich sehen lassen und kompensiert aktuell die defensiven Schwächen zur Genüge.

Connor McDavid hat erst eine NHL-Saison in den Knochen, ist bei den Oilers aber bereits der Leader.
Connor McDavid hat erst eine NHL-Saison in den Knochen, ist bei den Oilers aber bereits der Leader.Bild: X02835

Und dass Klub-Legende Wayne Gretzky seit neustem fix in der Chefetage tätig ist, bringt die Erfolgswelle definitiv auch nicht zum Verebben.

Vancouver Canucks

Letzte Saison: 28.

Trainer Willie Desjardins scheint in Vancouver in der Vorbereitung Mentaltraining gemacht zu haben. Eine grosse Schwäche der Canucks in der letzten Saison, einen Rückstand nach zwei Dritteln praktisch nie aufholen zu können, ist plötzlich eine Stärke: In dieser Saison haben sie schon dreimal ein Spiel nach der zweiten Drittelspause noch drehen können.

Die Sedin-Zwillinge Daniel (2.v.l.) und Henrik (3.v.l.) scheinen es mit 36 Jahren noch einmal wissen zu wollen. 
Die Sedin-Zwillinge Daniel (2.v.l.) und Henrik (3.v.l.) scheinen es mit 36 Jahren noch einmal wissen zu wollen. Bild: AP/The Canadian Press

Auffallend stark sind im Team der beiden Schweizer Sven Bärtschi und Luca Sbisa der neue Verteidiger Erik Gudbranson und der junge Bo Horvat. Die aktuelle Erfolgsquote des 21-jährigen Kanadiers (3 Tore mit 8 Schüssen, also 37,5 Prozent) lässt die Nachhaltigkeit allerdings etwas infrage stellen.

Ottawa Senators

Letzte Saison: 19.

In Ottawa durfte man im Frühjahr von den kanadischen Teams noch am längsten auf einen Playoff-Platz hoffen. In dieser Saison ist die Zuversicht noch grösser, weil die Offensive nicht allein auf den Schultern von Erik Karlsson ruht. Der Schwede hat zwar bereits wieder sieben Punkte gesammelt, doch auch Kyle Turris (3 Tore) und Bobby Ryan (2 Tore) wirkten an den vier Saisonsiegen mit.

Ottawas Captain, Topskorer und Posterboy Erik Karlsson.
Ottawas Captain, Topskorer und Posterboy Erik Karlsson.Bild: AP/The Canadian Press

Calgary Flames

Letzte Saison: 26.

Trotz immerhin drei Siegen aus sieben Spielen hat man sich bei den Calgary Flames mehr vom Saisonstart erhofft. Unter dem neuen Trainer Glen Gulutzan, dem Nachfolger von Bob Hartley, greifen noch nicht alle Mechanismen. Die Hütte brennt bei den Flames zwar noch nicht lichterloh, doch wollen sie realistische Playoff-Chancen haben, müssen vor allem die Leistungen der Goalies besser werden.

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    Werden aus den knappen Niederlagen Siege, wird die Miene von Torontos Coach Mike Babcock bald besser.
    Werden aus den knappen Niederlagen Siege, wird die Miene von Torontos Coach Mike Babcock bald besser.Bild: AP/CP

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    Patrik Laine (r.) die Nummer 2 des Drafts.Bild: AP/The Canadian Press

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