DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Eine verschworene Einheit: Die Spieler des SC Bern.<br data-editable="remove">
Eine verschworene Einheit: Die Spieler des SC Bern.
Bild: KEYSTONE

Der Meister, den vor den Playoffs wirklich niemand auf der Rechnung hatte

Dank einer nicht für möglich gehaltenen Steigerung auf allen Ebenen und zum richtigen Zeitpunkt ist der SC Bern zum 14. Mal Meister geworden. Der Triumph ist ein Musterbeispiel für Team-Zusammenhalt, mentale Stärke und unerschütterliches Selbstvertrauen.
12.04.2016, 22:3513.04.2016, 07:40

Vom taumelnden Krisenklub zum verdienten Schweizer Meister in zwei Monaten – so lässt sich der Weg der Berner in der finalen Phase der NLA-Meisterschaft in Kurzform beschreiben. Dabei sorgte der SCB für eine Premiere. Nie davor hatte ein Achtklassierter der Qualifikation den Pokal in die Höhe stemmen können. Kloten (1995) und die ZSC Lions (2012) schafften es jeweils von Platz 7 aus.

Die beiden Zürcher Klubs schlitterten aber nicht dermassen knapp in die Playoffs wie der SCB in diesem Jahr. Nur dank den Direktbegegnungen gegenüber dem punktgleichen, neuntklassierten Lausanne hatte es dem Klub mit dem höchsten Zuschauer-Durchschnitt ausserhalb der NHL überhaupt in die Endausmarchung gereicht. Mit der erknorzten Playoff-Qualifikation löste sich im Team von Trainer-Rookie Lars Leuenberger aber die Verkrampfung.

Die Meisterspieler des SC Bern

Klar bestes Team der Playoffs

Die Berner waren plötzlich nicht mehr wiederzuerkennen. Nach Monaten der Baisse setzten sie ihre Klasse in den Playoffs um und arbeiteten ihre Gegner mit einer mannschaftlichen Geschlossenheit Mal für Mal vom Eis. Gegen die Energie, die Wucht, das Tempo und das Selbstvertrauen fanden weder der Qualifikationssieger ZSC Lions (4:0 für Bern) noch die Titelverteidiger aus Davos (4:1) und im Final das in diesem Frühling wieder erstarkte Lugano (4:1) ein Rezept. Der SCB sicherte sich den Titel nicht mit Glück, sondern, weil er in diesen Playoffs klar die beste Mannschaft war.

Das Potenzial, um Meister zu werden, hatte Bern bereits zum Saisonstart besessen. Doch unter dem kanadischen Trainer Guy Boucher lief es dem Grossklub nicht. Zudem verletzten sich immer wieder Schlüsselspieler, wie zum Beispiel der mittlerweile zurückgetretene Torhüter Marco Bührer. Seine acht Ausländerlizenzen hatte Bern deshalb bereits vor dem Jahreswechsel vergeben.

Die Verpflichtung Bouchers stellte sich im Nachhinein als grosser Irrtum heraus.<br data-editable="remove">
Die Verpflichtung Bouchers stellte sich im Nachhinein als grosser Irrtum heraus.
Bild: KEYSTONE

Ein Trainerwechsel, der fruchtete

Zu diesem Zeitpunkt war Boucher nicht mehr dabei. Der ehemalige NHL-Trainer wurde im November freigestellt. Sven Leuenberger hievte stattdessen seinen jüngeren Bruder und bisherigen Assistenten Lars auf den Trainerstuhl, musste dafür aber seinen Posten als Sportchef räumen und an Alex Chatelain übergeben. Die Neubesetzungen lösten Stirnrunzeln aus, erwiesen sich nun aber als ideale Lösungen.

Lars Leuenberger, als Spieler und Trainerassistent bereits Meister mit Bern, machte die mangelnde Erfahrung – der 41-Jährige hatte davor in der NLA einzig zwei Monate als Interimstrainer in Bern gewirkt (Saison 2013/2014) – mit Leidenschaft und cleverem Coaching wett. Er fand offenbar die richtigen Worte und hinterliess an der Bande den besseren Eindruck als die etablierten Marc Crawford (ZSC), Arno del Curto (Davos) und Doug Shedden (Lugano).

Opferte sich für seinen Bruder: Ex-Sportchef Sven Leuenberger (links) mit Nachfolger Alex Chatelain und Meistertrainer Lars Leuenberger.<br data-editable="remove">
Opferte sich für seinen Bruder: Ex-Sportchef Sven Leuenberger (links) mit Nachfolger Alex Chatelain und Meistertrainer Lars Leuenberger.
Bild: freshfocus

Unerschütterlicher Glaube an die eigenen Qualitäten

Bern brach als Mannschaft nie auseinander, auch als es im Januar die längste Negativserie seit Einführung der Playoffs (acht Niederlagen in Folge) verkraften musste. «Wir sind immer positiv geblieben», sagten die Protagonisten vor dem Playoff-Start unisono. Und als Bern endlich komplett antreten konnte, begann die Maschinerie unermüdlich zu laufen. Die Ausgeglichenheit, dank der die Berner konsequent mit vier Linien losstürmen konnten, erwies sich als einer der grossen Trümpfe.

Durch nichts liessen sich die Berner erschüttern. Wie gross das Selbstvertrauen der Berner in diesen Playoffs war, zeigt ein Blick auf die Overtime-Statistik. Alle fünf Verlängerungen und Penaltyschiessen entschieden die Berner für sich – mehrmals nach Rückständen und nachdem sie den Ausgleich erst kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit erzielt hatten.

Die Entscheidung in Spiel 4: Conacher schiesst den SCB in der Verlängerung zum dritten Sieg im Final gegen Lugano.srf

«Büezer» im Fokus

Typischerweise gehörten deshalb nicht offensive Künstler zu den wichtigsten Figuren der Meistermannschaft, sondern harte Arbeiter und Antreiber sowie für den Gegner unbequeme Gegenspieler wie Thomas Rüfenacht oder Tristan Scherwey. Und mit dem tschechischen Weltmeister Jakub Stepanek fanden sie auch auf der so wichtigen Position des Torhüters einen idealen Ersatz für Bührer. Stepanek war nach einer Eingewöhnungsphase der grosse Rückhalt der Mannschaft.

Im Hinblick auf die kommende Saison ist beim SCB noch einiges unklar, auch wenn das Gerüst der Mannschaft steht und mit der Verpflichtung des Davoser Goalies Leonardo Genoni der «Königstransfer» bereits getätigt ist. Von den Ausländern besitzen einzig der Center Andrew Ebbett und Topskorer Cory Conacher (dieser mit Ausstiegsklausel für die NHL) einen Vertrag für 2016/2017.

Aus dem Schatten ins Rampenlicht: Tristan Scherwey.<br data-editable="remove">
Aus dem Schatten ins Rampenlicht: Tristan Scherwey.
Bild: KEYSTONE

Nicht der erste Meistertrainer, der aus Bern verjagt wird

Zumindest offiziell noch nicht vergeben ist zudem der Posten des Trainers. Klar ist, dass Meistertrainer Leuenberger gehen muss. Die Führungsriege um CEO Marc Lüthi hatte bereits vor dem Playoff-Auftakt entschieden, dass der ehemalige Stürmer keine Chance erhält. Dem Vernehmen nach soll der aktuelle finnische Nationaltrainer Kari Jalonen (56) Leuenberger ablösen.

Übrigens: Dass ein Trainer in Bern mit einem Meistertitel abtreten muss, ist keine Premiere. 2004 hatte Kent Ruhnke trotz Titelgewinn gehen müssen – nach einem Finalsieg gegen ... Lugano. (ram/sda)

Die Strafenkönige in der NLA seit 2001

1 / 23
Die Strafenkönige in der NLA seit 2001
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Unvergessene Eishockey-Geschichten

Alle Storys anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Aarau-Legende Wassmer schiesst mit drei Toren die Bayern ab
27. November 1993: Beim FC Aarau gerät der verdiente Stürmer Uwe Wassmer nach dem überraschenden Meistertitel neben die Schienen. Doch die führen nicht auf ein Abstellgleis, sondern zu einer glorreichen Zeit beim SC Freiburg.

Das Jahr 1993 haben viele Menschen in Aarau und im deutschen Freiburg heute noch in guter Erinnerung. Der FCA wird sensationell und bis heute zum letzten Mal Schweizer Meister. Und der SC Freiburg steigt zum ersten Mal in seiner Geschichte in die 1. Bundesliga auf.

Zur Story