Powerplay-Allergie: Diese verrückte Statistik prägt Duell zwischen Rappi und Fribourg
Die Schlussphase in Spiel 6 war bezeichnend: Nach dem Aussetzer von Fribourgs Patrik Nemeth, der Jonas Taibel gleich zwei Crosschecks verpasste, spielte Rapperswil-Jona 4:20 Minuten in Überzahl – zwei Minuten davon gar mit zwei Mann mehr als Fribourg-Gottéron. Hätte Malte Strömwall gut anderthalb Minuten vor Schluss nicht noch eine Strafe kassiert, hätte das Powerplay noch länger gedauert.
Doch auch in der kürzeren Zeit hätte der SCRJ eigentlich ein Tor schiessen müssen. Gerade in dieser entscheidenden Phase des Spiels und der Viertelfinalserie, die Rapperswil-Jona zu dem Zeitpunkt noch 3:2 anführte. Wirklich zwingend wurden die Lakers aber nie. Und so blieb es trotz einer sonst guten Leistung bei der 1:3-Niederlage aus Sicht der Gastgeber, die nun am Mittwoch für Spiel 7 erneut nach Fribourg reisen müssen.
Nun kann diskutiert werden, ob Trainer Johan Lundskog schon früher einen sechsten Feldspieler für Goalie Melvin Nyffeler hätte einwechseln sollen. Olten-Coach und MySports-Experte Christian Wohlwend erklärte während des Spiels, dass er sich gleich entschieden hätte wie sein Trainerkollege. Am Ende bleibt aber die Erkenntnis: Sowohl die Rapperswiler als auch die Fribourger leiden in dieser Serie bisher an einer Powerplay-Allergie.
Über 95 Minuten Powerplay und erst ein Tor
In 47:12 Minuten Überzahl erzielte der SC Rapperswil-Jona in sechs Spielen bisher erst ein Tor. Bei Fribourg ist die Statistik noch beängstigender: Gottéron traf in 48:11 Minuten noch kein einziges Mal im Powerplay. Lakers-Stürmer Yannick-Lennart Albrecht bezeichnete dies als «unerklärlich», Fribourgs Christoph Bertschy empfindet es als «absurd».
Bei den Lakers kommt dies nicht ganz überraschend, trafen sie doch schon in der Regular Season nur in 17,9 Prozent der Überzahlsituationen und hatte Fribourg mit 88 Prozent überstandener Strafen das beste Unterzahlspiel der Liga. Fribourg wäre aufgrund des drittbesten Powerplays (23,7 Prozent) in der Ligaqualifikation gegen das schwache Penalty-Killing der Lakers (77,98 Prozent) aber durchaus mehr zuzutrauen gewesen.
Besonders verrückt: In der Serie fielen bereits vier Shorthander. Sowohl Rapperswil-Jona als auch Fribourg-Gottéron waren in Unterzahl schon zweimal erfolgreich. Am gestrigen Montagabend erzielte Sandro Zangger den einzigen Treffer der Lakers, während Teamkollege Jacob Larsson auf der Strafbank sass. Dass in einer Playoffserie mehr Unterzahl- als Überzahltore fielen, dürfte in der National League noch nicht häufig vorgekommen sein.
«Typisch» für Rapperswil-Jona
Wer auch immer die Belle am morgigen Mittwoch verliert, muss sich also an der eigenen Nase nehmen, wie auch SCRJ-Stürmer Zangger weiss. «Es war ein bisschen typisch: Wir haben zu viele Strafen genommen und konnten die vielen Überzahlsituationen nicht nutzen», sagte der 31-Jährige nach der Niederlage gegen Fribourg bei MySports. Vor dem entscheidenden Spiel 7 gab sich Zangger kämpferisch: «Wir freuen uns auf die Belle, wir haben nichts zu verlieren, wir geben alles und kämpfen bis zur letzten Minute.»
Auf der Gegenseite klang es bei Christoph Bertschy ähnlich: «Wir haben eine enge Serie erwartet und jetzt sind wir dort, wo wir es uns erhofft haben: Wir spielen zu Hause und haben alles in unseren Händen.» Der 31-jährige Stürmer, der nach seinem Faustschlag gegen SCRJ-Goalie Nyffeler in Spiel 5 mit einem Pfeifkonzert im Rapperswiler Lido begrüsst wurde, bilanzierte: «Gefallen hat mir heute der Sieg.»
Bertschy gab zu, dass es einige Sachen gebe, die Fribourg verbessern könne, wollte aber so kurz nach dem Spiel nicht detailliert darauf eingehen. Klar ist: Das schwache Powerplay könnte in beide Richtungen zum Knackpunkt werden.
Verletzungen – und eine Sperre?
Genau zu beobachten sein wird auch die Personalsituation beider Teams. Bei Fribourg fehlten auch am Montagabend in Marcus Sörensen, Attilio Biasca, Sandro Schmid und Andrea Glauser vier wichtige Leistungsträger. Nun kommt mit Patrik Nemeth ein weiterer Ausfall hinzu, wie die National League am Dienstagmorgen mitteilte. Gegen den schwedischen Verteidiger wurde nach seiner hässlichen Aktion gegen den künftigen Fribourger Jonas Taibel ein Verfahren eröffnet und eine vorsorgliche Sperre für ein Spiel verhängt.
Bei Rapperswil-Jona fiel in Spiel 6 Topskorer Tyler Moy aus. Der Stürmer verletzte sich wohl beim letzten Bully am Samstagabend. Wie schwer die Knieverletzung ist und ob er am Mittwoch schon wieder mittun kann, ist derzeit offen. Nach der harmlosen Offensivleistung im letzten Heimspiel der Viertelfinals wäre eine Rückkehr des 30-Jährigen ein grosser Boost für die SCRJ Lakers.
