SCRJ-Sportchef Cadonau: «Ein Signal für andere Topspieler: Wir bauen hier etwas auf»
Das Risiko scheut Claudio Cadonau nicht. Sonst wäre der 37-Jährige nicht direkt im Anschluss an seine Spielerkarriere Sportchef in der National League geworden. Noch dazu beim SC Rapperswil-Jona, der in den letzten fünf Saisons dreimal die Playoffs und einmal immerhin das Play-In erreicht hat – und damit wohl etwas über den eigenen Verhältnissen gespielt hat. Da die Nachfolge von Erfolgsarchitekt Janick Steinmann, der zu Lugano abgewandert ist, anzutreten, war mit Risiko verbunden.
Doch Cadonau hat die Lakers bisher auf Kurs gehalten. Nach mehr als zwei Dritteln der Regular Season steht der SCRJ auf Platz 7, der Vorsprung auf einen Nicht-Play-In-Platz beträgt zwölf Punkte, auch die SCL Tigers auf dem 9. Rang sind schon sieben Zähler zurück. «Wir sind voll im Fahrplan», sagt Cadonau im CH-Media-Podcast Roost Röthlisberger – Hockey Talk.
Über seinen neuen Job sagt der Zürcher, der für den ZSC, Biel, Langnau und Zug in der National League gespielt hat: «Ich lerne jeden Tag Neues dazu.» Auch nach acht Monaten sei es immer noch ein Lernprozess. Zu Beginn sei er «ins kalte Wasser geworfen worden». «Ich habe meinen Laptop bekommen und es hat geheissen: ‹Mach mal!› So durfte ich meinen eigenen Weg finden.» Dank seines guten Teams im Büro konnte er den Start in die Karriere nach der Karriere gut meistern. Der Erfolg auf dem Eis habe ihm dies natürlich ebenfalls erleichtert.
Von den ersten 16 Partien gewann Rapperswil-Jona 13, zwischendurch sogar 7 in Serie. Cadonau war sich aber stets bewusst: «Wir haben absolut überperformt. Die Goalies haben überragend gespielt, wir hatten hinten Glück und vorne sind die Pucks einfach reingegangen.» Zwar hoffe man natürlich, dass dies bis zum Ende so weitergehe, aber: «Mir war immer klar, dass uns die Realität irgendwann einholt. Ich musste den Verwaltungsrat und die Fans etwas bremsen.»
Wie vom Sportchef erwartet kam dann eine weniger erfolgreiche Phase. Auf die sieben Siege am Stück folgten ebenso viele Niederlagen in Serie. Seither haben sich die Rosenstädter etwas gefangen, über die letzten 20 Spiele gesehen sind sie aber das schlechteste Team der Liga. Da sei es wichtig, die Balance zu halten, findet Cadonau, dem seine Erfahrung aus 437 National-League-Spielen hilft. «Am Anfang der Saison war nicht immer alles perfekt, es sah einfach super aus. Und dann war auch nicht immer alles so schlecht, wie die Resultate ausgesehen haben», sagt er, «man muss da immer etwas differenzieren.»
Erschwerend hinzugekommen sei in letzter Zeit auch die lange Verletztenliste. «Unser Line-up sieht in jedem Spiel anders aus. Es ist wirklich krass im Moment», so Cadonau. Der als Saisonziel ausgegebene Platz unter den Top 10 sollte aber nach wie vor gut zu erreichen sein.
Und auch neben dem Eis feierte Cadonau bereits erste Erfolge. Allen voran die Vertragsverlängerung von Tyler Moy. «Für mich war es der erste grössere Vertrag, den ich abschliessen konnte», so der Sportchef, der anfügt: «Es war für die Organisation sehr wichtig, Tyler Moy zu halten.» Der 30-jährige Stürmer, der für vier weitere Saisons unterschrieb, könne ein Leuchtturm für das Projekt am Obersee sein. «Es ist das Ziel, dass er eine Signalwirkung nach aussen hat, damit auch andere Spieler denken: ‹Moy bleibt, die bauen da echt etwas auf.›»
Da nimmt es Cadonau gerne in Kauf, dass die Verhandlungen «eine Zangengeburt» waren. Auch die Verpflichtung von Fabrice Herzog sei ein klarer Schritt nach vorn für den SCRJ. Vom 31-jährigen EVZ-Stürmer verspricht sich der Klub mehr Präsenz vor dem gegnerischen Tor.
In Daniil Ustinkov von den ZSC Lions brachten die Rapperswiler für den nächsten Sommer schon eine weitere Verpflichtung unter Dach und Fach. Dabei half es Cadonau, dass der 19-jährige Verteidiger von seinem langjährigen Agenten betreut wird. «Es war eines meiner ersten Telefonate, dass ich ihm gesagt habe, er solle doch schauen, dass Usti zu uns kommt», berichtet der ehemalige Verteidiger.
Ustinkov vom Wechsel zu überzeugen, sei dann gar nicht so schwierig gewesen. «Wir konnten ihm einen Plan zeigen und welche Chancen er bei uns hat. Wir können finanziell nicht mithalten, aber den Jungs eine Rolle bieten, die sie sonst nicht haben. Das ist unser Vorteil», weiss Cadonau.
Der 37-Jährige betont, wie wichtig die verschiedenen Charaktere beim Zusammenstellen eines Teams seien. Er selbst sei nie der talentierteste Spieler gewesen, habe aber oft als Typ in die Mannschaft gepasst. «Es ist sehr, sehr spannend, die verschiedenen Typen in ein Team hereinzubringen, damit es am Ende als Ganzes funktioniert», findet Cadonau und erklärt: «Wenn du 25 Andrighettos hast, hast du ein unglaubliches Team, aber jeder will im Powerplay spielen, und in Unterzahl Schüsse zu blockieren, wird dann eher schwierig.»
Mit seinem Start in den neuen Job ist Claudio Cadonau sehr glücklich. Selbiges gilt auch für die Zusammenarbeit mit Trainer Johan Lundskog, der für den Sportchef eine Wundertüte war. Als er im Mai in Rapperswil unterschrieb, war der Vertrag des Schweden bereits bis 2027 verlängert. Da habe sich Cadonau schon zuerst die Frage gestellt: «Passen wir zusammen?» Die Antwort ist eindeutig: «Wir verstehen uns sehr gut, sprechen die gleiche Hockey-Sprache, haben dieselben Ansichten und Ideen und sind fast immer derselben Meinung. Ausserdem ähneln wir uns auch in der Art und Weise und in dem, was wir von den Jungs erwarten.»
Es sei ein Riesenglück, befindet Cadonau und spricht von einer guten Zusammenarbeit. «Bis jetzt macht es sehr viel Spass.» Das dürfte derzeit vielen in Rapperswil-Jona so gehen.
Heute Donnerstag empfängt der SCRJ Cadonaus Ex-Klub Langnau (ab 20 Uhr live auf TV24).
