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EHC Kloten Cheftrainer Kevin Schlaepfer freut sich ueber den Siegestreffer zum 3-1 im zweiten Eishockey Spiel des Playout-Final der National League zwischen dem EHC Kloten und dem HC Ambri-Piotta am Donnerstag, 29. Maerz 2018, in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Kevin Schläpfer mit Herz im Einsatz. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Kein Trainerwechsel – Kloten verneigt sich vielmehr vor Kevin Schläpfer

Kloten ist inzwischen noch eine Niederlage von der Liga-Qualifikation entfernt und steckt in der tiefsten Krise seiner Geschichte. Aber nun zeigt sich: sollte der EHC Kloten untergehen, dann zumindest mit Stil – und nicht mit Felix Hollenstein als Nachfolger von Kevin Schläpfer.



Klotens Trainer Kevin Schläpfer (48) dürfte eigentlich gar nicht mehr im Amt sein. Das stolze Schiff des EHC Kloten, das seit 56 Jahren durch die Wellen der höchsten Liga dampft, steht vor dem Untergang. Der Maschinenraum steht bereits unter Wasser.

Wollen die Zürcher die Liga-Qualifikation vermeiden, dann müssen sie jetzt dreimal hintereinander gegen Ambri gewinnen. Seit Kevin Schläpfer Cheftrainer geworden ist, hat er nie dreimal hintereinander gewonnen und zehn von elf Partien gegen Ambri verloren.

Nach der dritten Niederlage gegen Ambri am Ostermontag schien deshalb klar: Nun ist es vorbei. Wenn Kloten die Wende doch noch herbeiführen will, dann muss der Trainer ausgewechselt werden.

Doch Kevin Schläpfer bleibt im Amt. Aber wenn er zu Hause in seinem schönen Eigenheim am Sonnenhang in allerbester Lage in Sissach im Beisein seiner Freundin über die Situation nachdenkt, dann müsste er eigentlich trotzdem depressiv werden. Nicht nur wegen der Krise in Kloten.

Von einer Misere in die nächste

Die Dramatik seiner Karriere hat Hollywood-Potenzial. Vor zweieinhalb Jahren hat er den Traumjob als Nationaltrainer nicht angenommen, um in Biel zu bleiben. So ist Patrick Fischer Nationaltrainer geworden. Im Vergleich zu Kevin Schläpfer und dessen Erfahrung und Erfolgsbilanz schon nicht ganz, aber fast eine «Nullnummer».

In Biel ist Kevin Schläpfer kurz darauf gefeuert worden. Trotz Status als «Hockey-Gott». Trotz aller Verdienste. Und ausgerechnet jetzt, da er um seine berufliche Existenz kämpft, feiert dieses Biel im Halbfinale gegen Lugano die tollsten Tage seit dem Wiederaufstieg von 2008. «Sein» Biel, das er über zehn Jahre lang an vorderster Front als Sportchef und Trainer aufgebaut hat.

Klotens Head Coach Kevin Schlaepfer, waehrend dem Meisterschaftsspiel der National League, zwischen den SCL Tigers und dem EHC Kloten, am Freitag 19. Januar 2018 in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Kevin Schläpfer feuert sein Team an. Bild: KEYSTONE

Doch Kevin Schläpfer ist weder depressiv noch mutlos. Mag sein, dass er nicht mehr so charismatisch wirkt wie in seinen besten Tagen am Fusse der blauen Jura-Berge. Aber er strahlt jetzt etwas Unverwüstliches, Trotziges aus. Wie ein Kater, der nach einem Hagelwetter zerzaust an der Haustüre kratzt und selbstbewusst Einlass begehrt.

Es hat in der modernen Geschichte unseres Hockeys mit ziemlicher Sicherheit noch keinen Trainer gegeben – und in der Privatwirtschaft wohl keinen Manager und in der Politik keinen Würdenträger – der in einer so heiklen, beinahe aussichtslosen Lage so zuversichtlich und locker geblieben ist.

Bei Kevin Schläpfer gibt es kein «normalerweise»

Normalerweise sind Trainer (und Führungskräfte und Politiker) in der tiefen Krise für Chronistinnen und Chronisten nicht mehr oder nur im Rahmen von offiziellen Medienkonferenzen ansprechbar.

Bei Kevin Schläpfer gibt es kein «normalerweise». Er war im Erfolg anders. Und er ist es auch im Misserfolg. Er ist offen und zugänglich wie eh und je. «Es hilft mir, dass ich so kritische Situationen schon erlebt habe», sagt er. «Wir lagen in Biel in einer Liga-Qualifikation 0:2 zurück und haben uns gerettet.»

«Es hilft mir, dass ich so kritische Situationen schon erlebt habe.»

Kevin Schläpfer

Wenn er sagt, die Rettung in Kloten sei möglich, so ist das nicht einfach dahergeredet. Er hat als Nottrainer eine solche Rettung in Biel zweimal an vorderster Trainerfront organisiert. Aber Kloten ist nicht Biel. «Das stimmt» sagt Kevin Schläpfer. «Wir sind mit Biel aufgestiegen und allen in unserer Organisation war in den ersten Jahren stets bewusst, dass wir um den Ligaerhalt spielen müssen.» In Kloten sei es anders. Hier fehle dieses Bewusstsein.

Und tatsächlich ist Kloten im Laufe seiner ruhmreichen Geschichte seit 1934 nie in so akute Abstiegsgefahr geraten wie im Frühjahr 2018.

Und was macht also den Unterschied zwischen Kloten und Biel? «In Biel war es auch in den schwierigsten Zeiten ruhig.» Und in Kloten? «Also hier ist es schon unruhiger.» Sagt er, hält inne, denkt kurz nach und stellt erleichtert fest: «Aber wenn Sie so fragen, muss ich sagen: jetzt ist es auch bei uns ruhig. Eigentlich erstaunlich…» Kevin Schläpfer wertet das als positives Signal. Als Zeichen, dass vielleicht nun doch alle begriffen haben, wie schwierig die Situation ist.

Diese Ruhe ist in der Tat bemerkenswert. Nach der dritten Niederlage gegen Ambri (2:3 n.V) am Ostermontag schien klar: nun passiert etwas. Die gängige Lehrmeinung: Wenn Kloten die Wende herbeiführen will, dann muss der Trainer jetzt entlassen werden. Mit Felix Hollenstein und André Rötheli stehen zwei Legenden bereits als Juniorentrainer beim Klub in Lohn und Brot. Beide helfen Kevin Schläpfer bereits als Spielbeobachter und Video-Zuschneider. Sie sind mit der Situation vertraut und können übernehmen.

Wäre Felix Hollenstein der bessere Trainer?

Niemand ist für das Amt eines Nottrainers (und Schläpfer-Nachfolgers) besser geeignet und qualifiziert als Felix Hollenstein (52) – Klotens charismatischste, grösste Persönlichkeit. Captain bei vier Meisterteams. Später jahrelang Trainer und Assistenztrainer und beim letzten Finale, während der letzten Tage des Ruhmes im Frühjahr 2014 als Cheftrainer an der Bande.

ZUR AUFLOESUNG DES VERTRAGS MIT DEM SCHWEIZER EISHOCKEY NATIONALTRAINER GLEN HANLON UND ZUR INTERIMS-NACHFOLGE VON FELIX HOLLENSTEIN STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Felix Hollenstein, entraineur du Kloten Flyers reagit, lors du match du championnat suisse de hockey sur glace de National League LNA, entre le Geneve Servette HC et le Kloten Flyers, ce vendredi 28 octobre 2014 a la patinoire des Vernets a Geneve. (KEYSTONE/Martial Trezzini)

Felix Hollenstein. Bild: KEYSTONE

Doch Felix Hollenstein wird nicht Trainer. Kevin Schläpfer bleibt und Hollenstein sagt, er wisse wohl, dass man ihm nachsage, er destabilisiere den Trainer. Solche Gerüchte empfindet er als Angriff auf seine Integrität.

Den Sinn für Humor hat er trotz allem auch in diesen schwierigen Zeiten nicht verloren. Er sagt: «Meine Motorsäge ist scharf geschliffen und ich werde sie in den nächsten Tagen einsetzen. Aber nicht so wie Sie denken um Kevin Schläpfer abzusägen. Ich habe ein Stück Wald und wegen Sturmschäden habe ich dort noch viel Arbeit. Eine gute Abwechslung zum Hockeyalltag.»

Hollenstein verneigt sich vor Schläpfer

Aber jetzt Hand aufs Herz: im Falle eines Falles – sagen wir bei einem Sturz in die Liga-Qualifikation – würde er schon als Trainer einspringen. Oder? «Nein, das werde ich nicht tun. Unter keinen Umständen. Aber ich helfen, wo ich nur kann. Ich habe mich auch nach dem letzten Spiel gegen Ambri mit Kevin unterhalten und wir haben darüber gesprochen, was die Situation verbessern könnte.»

«Wenn mich Kevin Schläpfer bitten würde, ihn an der Bande zu unterstützen, dann würde ich es tun.»

Felix Hollenstein

Und dann bringt Felix Hollenstein eine interessante Variante ins Spiel. «Wenn mich Kevin Schläpfer bitten würde, ihn an der Bande zu unterstützen, dann würde ich es tun. Ich weiss zwar nicht, ob zwei Alphatiere wie Kevin und ich funktionieren. Aber wenn er als Cheftrainer meine Hilfe wünscht, werde ich nicht nein sagen.»

Also keine Kritik an Kevin Schläpfer. Vielmehr die Bereitschaft, ihm zu helfen. Klotens «Hockeygott» verneigt sich vor Kevin Schläpfer und wäre bereit, vom Thron herabzusteigen und sich in dessen Dienst zu stellen. Wahre Sportromantik und Männer-Kameradschaft. 

Die Helden Kevin und Felix als Schicksalsgemeinschaft auf der Kommandobrücke, wenn Kloten nach 56 Jahren in der höchsten Liga untergeht – zumindest wäre dieses Spektakel im Falle eines Falles selbst einer Schluss-Szene im Film «Titanic» würdig. Mit Blick nach Westen, in die über dem Flughafen untergehende Sonne. Sollte Kloten untergehen, dann wenigstens mit Stil.

Der 1000er-Klub des Schweizer Eishockeys

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Chloote 05.04.2018 07:14
    Highlight Highlight In der Situation in der sich Kloten befindet, bring ein Trainerwechsel nicht wirklich etwas.
    Zudem ist nicht Schläpfer das Problem.
    In Kloten wurde in den letzten Jahren so viel Falsch gemacht, das dies nun die Quittung dafür ist.
    Um nur ein Beispiel zu nennen.
    Angebliche Leistungsträger wurden Fürstlich Bezahlt obwohl sie in keinem Verhältnis zu ihrem Lohn spielten.
    Auch zum jetzigen Zeitpunkt geht keiner dieser Grossverdiener mit gutem Beispiel vorran.
    Kloten wird auch gegen Rappi keinen Stich haben.
    Weil Rappi Hungrig und überzeugt ist das man Kloten packen kann.
    Das wird auch gelingen.
    • jetways 05.04.2018 09:35
      Highlight Highlight Der momentane Zustand von Kloten ist desolat und ich denke auf die Kürze kann die Einstellung nicht geändert werden. Olten oder Rapperswil sind durchaus möglich Kloten in die Abgründe zu schicken. Vielleicht ist ein Abstieg in die NLB oder sogar die Mysports League der richtige Weg für einen neu Anfang. Es gibt dutzende Baustellen in Kloten die nicht so einfach wieder gelöst werden können.
  • Wilson_Wilson 04.04.2018 18:13
    Highlight Highlight Die Kloten-Bosse kacken ab. Holen Schläpfer. Der tut was er kann – und wird dann trotzdem gehen müssen. Bitter.

    Liebe Kloten-Bosse, wer ist das Problem? Kleiner Typ: Nicht Schläpfer.
  • jetways 04.04.2018 12:27
    Highlight Highlight So warm kann sich der EHC Kloten gar nicht mehr anziehen um den tau und frost loszuwerden. Jetzt hilft nur noch beten. Was die Abgänger da zusammenspielen ist eine reine Frechheit, eine Arbeitsverweigerung. Ich bin kein Kloten fan und mir ist egal wenn Sie in der versenkung verschwinden aber was diese Mannschaft an den Tag legt, da bleibt jedem die Spucke weg.
    Ich kann euch garantieren, Olten oder Rapperswil die sind hungrig, hungrig, hungrig..
    • Rumpelstilzchen 04.04.2018 17:56
      Highlight Highlight Stimmt absolut. Bitter enttäuscht von den Abgängern.
  • ralck 04.04.2018 09:55
    Highlight Highlight Zitat Eismeister: « […] Das stolze Schiff des EHC Kloten, das seit 56 Jahren durch die Wellen der höchsten Liga dampft, steht vor dem Untergang. Der Maschinenraum steht bereits unter Wasser.»

    – Dieses Schiff stich mit 10 Prozent der zu benötigten Kohle in See.
    – Das Wasser strömt ins Schiff, seit es einen Wellenbrecher rammte – nicht erst seit heute oder gestern.
    – Ich würde auch sagen, dass im Maschinenraum bereits Algen gewachsen sind – solange ist dieser schon unter Wasser.

    Das Wrack mit Crew (Kloten) kann froh sein, ist der Kapitän (Schläpfer) noch an Board. Und sicher nicht umgekehrt!
    • Bene86 04.04.2018 11:48
      Highlight Highlight So viel Hass und Neid in so wenigen Worten...
  • Andy14 04.04.2018 08:42
    Highlight Highlight Finde das doch einen guten Vorschlag von Fige. Nimmt Schläpfer ihn aber auch an die Bande? Versuch ist es sicher wert. Schlimmer kann es eh nicht mehr kommen.
  • Willy Tanner 04.04.2018 08:30
    Highlight Highlight Wenn etwas eine Nullnummer ist, dann des Eismeisters Beurteilungen des Jalonen. Bei einem Scheitern im Halbfinale geht er wohl als schlechtester Trainer des SCB in die Geschichte ein. Nach so einer Saison mit diesem Kader. . Bin gespannt wer übernimmt.
    • Stogge 04.04.2018 14:43
      Highlight Highlight Ist das dein Ernst? Du bezeichnest Kari Jalonen als Nullnummer? Über Fischer können wir streiten, ob er eine Nullnummer ist...

      Ich mag den SCB nicht, aber Jalonen ist ein grosser Trainer und auch wenn der SCB im Halbfinal scheitert. Oder war Fischer schon mal Vize-Weltmeister als Cheftrainer? 4x finnischer Meister, 1 x CH-Meister usw...

    • Willy Tanner 04.04.2018 15:17
      Highlight Highlight Also bestimmt stichhaltiger als das ganze Fischer-Bashing hier ist die Behauptung dass Fischer dieses Jahr mit dem SCB wesentlich weiter gekommen wäre! Was ja aber auch nicht sehr schwierig wäre!
    • Willy Tanner 04.04.2018 15:18
      Highlight Highlight Als Nullnummer habe ich nicht Jalonen sondern die unzähligen Berichte vom Eismeister bezeichnet, in denen er Jalonen als Übertrainer dargestellt hat. Unbesiegbar, Unfehlbar..... davon ist er ja wohl sehr sehr weit entfernt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • FloRyan 04.04.2018 08:08
    Highlight Highlight Jedem Trainer wird kurz vor der Entlassung immer das Vertrauen ausgesprochen.
    Jede wette dass er in in Spiel 3 gegen den B Meister nicht mehr an der Bande steht.
  • Der müde Joe 04.04.2018 08:03
    Highlight Highlight Schläpfer ist und war nie das Problem dieses Teams (wenn man das überhaupt noch Team nennen kann). Was ich interessant gefunden habe war, dass Kloten beim einzigen Sieg gegen Ambri, ohne „klein-Fige“ gewonnen hat. An diesem Abend konnte man den Begriff Team eher wieder verwenden. Vielleicht war das aber auch nur Zufall.🤷🏻‍♂️
    Und jetzt ein kleiner Wink, -das wissen nur die Götter!😉
    • Thomtackle 04.04.2018 09:33
      Highlight Highlight Das ist kein Zufall. Ich sehe gewisse Parallelen beim HCL. Die Bilanz mit oder ohne Brunner ist bemerkenswert....
  • bullygoal45 04.04.2018 07:54
    Highlight Highlight Ich weiss das Rappi/Olten von dem ganzen Theater profitiert und ich eine gewisse Brille auf hab..

    ..aber so schön diese Statements auch klingen, hab ich das Gefühl das führt in einen „geplanten Abstieg“..😬
    • Santale1934 04.04.2018 09:57
      Highlight Highlight Naja wer Fan ist, hat immer eine gewisse Brille auf ;-)

      Ich bin mit dir einer Meinung bez. den Statements, sie klingen schön, aber machen die Welt nicht besser.
      Jedoch hoffe ich wirklich und gehe auch davon aus, dass ein Abstieg sicher nicht geplant ist und vorallem, dass es auch nicht eintreffen wird.
      Aber ich bin ehrlich, dafür muss per sofort eine Leistungsänderung eintreten, sonst...

      EHCK1934!
  • Mänu Renfer 04.04.2018 06:47
    Highlight Highlight scheinbar liebäugelt lehmann mit budgetkürzung im B

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