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SwitzerlandÕs Denis Malgin, SwitzerlandÕs Romain Loeffel, SwitzerlandÕs Philippe Furrer and SwitzerlandÕs Pius Suter, from left, react after the first goal (1-0) during a friendly ice hockey game between Switzerland and Russia, at the Tissot Arena in Bienne, Switzerland, , this Saturday, 22. April 2017. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Die Nati überzeugte am Wochenende mit zwei Siegen gegen Russland Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Hockey-Nationalmannschaft – so gut wie seit 2013 nie mehr

Ordnung auf dem Pausenplatz: Die Schweiz besiegt Russland zweimal hintereinander – und mahnt an die Silber-WM 2013. Und still und leise ist die internationale Karriere eines ganz grossen Schweizers zu Ende gegangen.



Für den ersten Sieg der Geschichte gegen die Russen brauchten wir noch den Porno-Trick. Am 4. Februar 1992 gewinnt die Schweiz in Fribourg das Vorbereitungsspiel fürs olympische Turnier gegen die Russen in Bestbesetzung 3:0. Eine Sensation.

Was noch niemand weiss: der damalige Verbandspräsident René Fasel hatte eine pfiffige Idee. Er sorgte dafür, dass im Hotel der Russen in der Nacht vor dem Spieltag für alle Zimmer die Bezahl-Pornokanäle freigeschaltet werden und übernächtigt zum Spiel antreten. «Ich bestätigte diese Geschichte nicht» sagt der heutige Präsident des Weltverbandes. Aber er dementiert sie auch nicht.

Swiss Rene Fasel, President of the International Ice Hockey Federation, IIHF, speaks to the media during a news press conference, at the 2014 IIHF Ice Hockey World Championships, in Minsk, Belarus, Monday, May 19, 2014. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

René Fasel überlistete die Russen. Bild: KEYSTONE

Nur vier Tage später fegen die Russen beim olympischen Turnier in Albertville die Schweizer 6:1 vom Eis. In der olympischen Unterkunft gab es keine Pornokanäle.

Heute sind Siege gegen Russland Alltag. Am Freitag haben die Schweizer in Fribourg gegen Russland 2:1 und am Samstag in Biel 2:0 gewonnen. Noch nie in der Geschichte hatten wir die Russen zweimal hintereinander so im Griff. Die Schweizer kassierten in den zwei Partien nur einen Treffer – in Unterzahl.

Neue defensive Struktur

Auf dem Pausenplatz ist nun Ordnung eingekehrt. Noch vor einem Jahr erstaunten die Schweizer in der Vorbereitung auf die erste WM unter Patrick Fischer mit wildem, chaotischen Offensivhockey («Pausenplatz-Hockey»). Auch deshalb wurde im Sommer der Schwede Tommy Albelin als neuer Assistent verpflichtet. Der ehemalige NHL-Verteidiger hat in New Jersey jahrelang als Spieler und später als Assistent das defensive Handwerk von Grund auf gelernt.

Der Schweizer Eishockey National Assistenttrainer Tommy Albelin erteilt bei einer Trainingseinheit Anweisungen, am Donnerstag, 3. November 2016, im Curt-Frenzel-Stadion in Augsburg. Die Nationalmannschaft nimmt vom 4. bis 6. November 2016 am Deutschland-Cup teil. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Der neue Defensiv-Dirigent: Tommy Albelin. Bild: KEYSTONE

Brunner: mit gebrochener Nase an die WM nach Paris

Damien Brunner hat im ersten Spiel am Freitag gegen die Russen durch einen Check gegen den Kopf von Bogdan Kiselewitsch einen Nasenbeinbruch erlitten. Der Russe wurde in die Kabine geschickt und Brunner spielte weiter – und war auch in Biel wieder dabei. Er sagt: «Die Nase ist gebrochen, aber es geht». Er gilt als Fix-Starter fürs WM-Team, in erster Linie wegen seiner Leistungsfähigkeit und sonst dank seinen guten Beziehungen zu Nationaltrainer Patrick Fischer.

Sein Einfluss ist nicht zu übersehen. Im Spiel der Schweizer steckt viel von der klaren Struktur des meisterlichen SC Bern – und der New Jersey Devils, dem NHL-Team, das zeitweise bis heute das wohl extremste Defensivspiel entwickelt hat. Damien Brunner, der für New Jersey gespielt hat (als Albelin als Assistent an der Bande stand) sagt: «Ja, unser Spiel lässt sich mit dem Defensivsystem vergleichen, das wir in New Jersey hatten. Nicht ganz so extrem, aber in den Grundzügen ähnlich.»

Die zwei Siege gegen Russland wecken Hoffnung. Wir haben bis heute erst einmal in der WM-Vorbereitung Russland zweimal hintereinander besiegt. Im Frühjahr 2013. In Fribourg 2:1 und einen Tag später in Winterthur 4:3. Anschliessend holten wir in Stockholm WM-Silber.

Abhängig von der NLA

Paris 2017 wird trotzdem anders sein als Stockholm 2013. Es zeichnet sich ab, dass das WM-Team so stark von NLA-Spielern geprägt sein wird wie seit 2011 (als mit Luca Sbisa nur ein NHL-Spieler dabei war) nie mehr. Vorerst ist Denis Malgin der einzige Spieler, der diese Saison in der NHL zum Zuge gekommen ist.

Sven Andrighetto (Colorado) wird nicht zur WM kommen (Leistenzerrung) und auch die Freigabe von Sven Bärtschi (Vancouver) ist ungewiss. Und erstmals seit 2012 vertraut der Nationaltrainer bei der WM auf NLA-Torhüter – Berns Leonardo Genoni und Biels Jonas Hiller bilden unser WM-Duo. Zürichs Niklas Schlegel reist als Nummer drei mit und wird nur auf der Tribüne sitzen.

Vancouver Canucks' Sven Baertschi, of Switzerland, grabs the puck out of the air during second period NHL hockey action against the Nashville Predators in Vancouver, British Columbia, Tuesday, Jan. 26, 2016. (Darryl Dyck/The Canadian Press via AP)

Sven Bärtschi: Kommt er oder kommt er nicht? Bild: AP/The Canadian Press

Mit einer NLA-Auswahl (nur mit dem NHL-Profi Denis Malgin) haben wir nun zweimal hintereinander eine Mannschaft aus KHL-Stars besiegt – ein Zeichen, dass unsere höchste Liga eben doch eine der besten neben der NHL ist.

Plüss gibt Fischer einen Korb

Am Samstag ist in Biel auch heimlich, still und leise eine der ganz grossen internationalen Karrieren zu Ende gegangen. Martin Plüss (40) hat Nationaltrainer Patrick Fischer einen WM-Korb gegeben. «Ich habe noch einmal mit Martin Plüss gesprochen. Er hätte einen Platz im WM-Team bekommen. Aber er hatte gewisse Zweifel, ob er der Mannschaft wirklich helfen könne. Er ist 40 Jahre alt und wenn nur ein Prozent Zweifel da sind, dann macht es keinen Sinn und so hat er schliesslich abgesagt.»

ZUR NOMINIERUNG DES EISHOCKEY OLYMPIA-KADERS FUER DIE OLYMPISCHEN WINTERSPIELE IN SOCHI, RUSSLAND, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Switzerland's Martin Pluess controls the puck, during the IIHF Ice Hockey World Championships preliminary round game Sweden vs Switzerland at the Globen Arena in Stockholm, Sweden, on Friday, 3 May 2013. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Martin Plüss wird nicht mehr im Nati-Trikot zu sehen sein. Bild: KEYSTONE

Martin Plüss hatte seine Nationalmannschafts-Karriere bereits offiziell beendet gehabt. Aber der SCB-Leitwolf hat diese Saison erklärt, wer werde mit Patrick Fischer noch einmal über einen möglichen WM-Einsatz reden. Mit diesem Verzicht auf einen Rücktritt vom Rücktritt ist nun seine internationale Karriere nach zwölf WM-Turnieren (1998, 1999, 2001, 2002, 2003, 2004, 2005, 2006, 2008, 2010, 2011 und 2013) zu Ende. Er hat 81 WM-Partien bestritten und dabei 23 Tore und 24 Assists erzielt. Und natürlich gehört er zu den WM-Silberhelden von 2013.

Nach der Absage von Martin Plüss rückt nun Zugs Stürmer Reto Suri ins Aufgebot. Der WM-Silberheld bekommt die Chance auf ein viertes WM-Turnier nach 2013, 2014 und 2015. Aber nur, wenn er in den beiden Testspielen gegen Dänemark überzeugt. Er hat in dieser Saison in 61 Spielen bloss 6 Tore erzielt. Schafft er mit dieser offensiven Ausbeute einen Platz im WM-Team, dann ist es eine der grösseren Überraschungen aller Länder, Zeiten und WM-Aufgebote. Seine WM-Chancen liegen bei 20 Prozent.

Wie weit kommt die Nati an der WM in Paris und Köln?

Das sind die WM-Wackelkandidaten

Wer fährt zur WM nach Paris? Wichtige Personalentscheide sind gefallen. Die beiden Verteidiger Patrick Geering (ZSC, wegen einer Leistenzerrung) sowie Fabian Heldner (Davos) und Torhüter Lukas Flüeler (ZSC) sind ausgemustert worden. Neu rücken am Dienstag Torhüter Leonardo Genoni (SCB), die Verteidiger Roman Untersander (SCB), Rafael Diaz, Dominik Schlumpf (Zug) und Dean Kukan (Cleveland/AHL) sowie die Stürmer Simon Bodebmann, Thomas Rüfenacht (SCB) und Reto Suri (Zug) ein.

Noch im WM-Rennen:

Torhüter: Leonardo Genoni (Bern), Jonas Hiller (Biel), Niklas Schlegel (ZSC). Dieses Trio ist definitiv für die WM aufgeboten.

Verteidiger: Raphael Diaz (Zug), Philippe Furrer (Lugano), Joël Genazzi (Lausanne), Dean Kukan (Cleveland/AHL), Romain Loeffel (Servette), Christian Marti (ZSC), Claude Paschoud (Davos), Dominik Schlumpf (Zug), Dave Sutter (Biel), Ramon Untersander (Bern). – Zwei müssen noch über die Klinge springen. – Wackelkandidaten: Joël Genazzi, Romain Loeffel, Christian Marti, Claude Paschoud.

Stürmer: Cody Almond (Servette), Andres Ambühl (Davos), Chris Baltisberger (ZSC), Simon Bodenmann (Bern), Damien Brunner (Lugano), Gaëtan Haas (Biel), Fabrice Herzog (ZSC), Denis Hollenstein (Kloten), Denis Malgin (Florida/NHL), Vincent Praplan (Kloten), Damien Riat (Servette), Kevin Romy (Servette), Thomas Rüfenacht (Bern), Reto Schäppi (ZSC), Reto Suri (Zug), Pius Suter (ZSC). – mindestens 2 fahren nicht zur WM. – Wackelkandidaten: Baltisberger, Riat, Schäppi und Suri.

Die restlichen Spiele: Mittwoch (19.45) in La Chaux-de-Fonds und Freitag (20.15 in Basel) gegen Dänemark – dann wird das WM-Aufgebot gemacht. – Dienstag, 2. Mai in Genf gegen Kanada (19.30) mit dem WM-Team

Noch stehen 16 Stürmer und 10 Verteidiger im Aufgebot. Also 26 Feldspieler. Patrick Fischer wird mit 22 Feldspielern nach Paris reisen. Mindestens zwei Verteidiger und zwei Stürmer, die jetzt im Kader stehen, werden also nach den beiden Testspielen gegen Dänemark noch ausgemustert. Sollte Sven Bärtschi (Vancouver) doch eine Freigabe erhalten, muss noch ein dritter Stürmer die Koffer packen.

Definitiv ist erst das WM-Torhütertrio: Leonardo Genoni, Jonas Hiller sowie Niklas Schlegel als Nummer drei können Paris fix buchen. «Es war ein harter Entscheid» sagt Patrick Fischer zur Goaliefrage. «Flüeler hat in der Slowakei und im ersten Spiel gegen Russland sehr gut gespielt. Aber es bringt nichts, einen bestandenen Goalie als Nummer drei mitzunehmen. Deshalb haben wir uns für Schlegel entschieden.»

Die Strafenkönige in der NLA seit 2001

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