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Eismeister Zaugg: Warum die ZSC Lions im Final gegen Lausanne führen

Justin Sigrist (ZSC), rechgts, schiesst das Tor zum 4:2 gegen Torhueter Connor Hughes (LHC), links, im dritten Playoff Final Eishockeyspiel der National League zwischen den ZSC Lions und Lausanne HC,  ...
Justin Sigrist zieht davon und sorgt gegen Lausanne in Spiel 3 des Playoff-Finals für die Entscheidung. Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Die ZSC Lions sind jetzt dem Titel gefühlt näher als vor zwei Jahren gegen Zug

Die ZSC Lions finden in einer heiklen Lage immer eine Antwort, besiegen Lausanne 4:2 und führen im Final 2:1. Auch dank der namenlosen Helden.
21.04.2024, 12:3922.04.2024, 11:16
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Nehmen wir an, jemand ist irgendwo im Stau steckengeblieben oder hat keinen Parkplatz in der Nähe gefunden oder den Zug verpasst und kommt erst nach Spielschluss doch noch im Kabinengang des Hockey-Tempels an. Der verspätete Besucher weiss nach zwei Minuten, warum die ZSC Lions das Spiel 4:2 gewonnen haben.

Wenn die Spieler nach dem letzten Sirenenton in der Garderobe verschwunden sind, nimmt Kommunikations-Direktor Sandro Frei Bestellungen entgegen: mit wem die im Kabinengang wartenden Chronistinnen und Chronisten reden möchten. Ein kurzes Gespräch nach einem Spiel ist zwar kein tiefgründiger Austausch von Lebensphilosophien. Erstens sind die Spieler heute gut geschult und wissen nicht nur, was sie in die hingehaltenen Diktiergeräte und Mikrofone sagen dürfen. Sie wissen vor allem, was sie nicht sagen dürfen. Und zweitens sind die Abgesandten der Medienhäuser pressiert: Das Gehörte, Vernommene und Erlauschte muss so schnell wie möglich der Welt mitgeteilt werden. Erst recht im Medienzeitalter des Sofortismus.

Grosse Worte werden auch nach dem 4:2 keine gesprochen. Es wird gesagt, was nach dem zweiten Sieg im dritten Finalspiel gesagt sein muss. Zusammengefasst: Wir nehmen Spiel für Spiel und Lausanne ist ein ebenbürtiger Gegner.

Es sind nicht Worte, die den ZSC-Erfolg erklären. Es ist die Bestellliste von Sandro Frei: Es wird nach Simon Bodenmann, Justin Sigrist und Yannick Weber verlangt. Justin Sigrist und Simon Bodenmann sind zwei «Hinterbänkler» aus der vierten Linie.

Dieses ZSC-Trio steht für den Stoff, aus dem noch jedes meisterliche Tuch gewoben worden ist: echte Helden, namenlose Helden und ein bisschen Romantik.

Yannick Weber (ZSC) jubelt nach seinem Tor zum 2:2 im dritten Playoff Final Eishockeyspiel der National League zwischen den ZSC Lions und Lausanne HC, am Samstag, 20. April 2024 in der Swiss Life Aren ...
Yannick Weber ist einer der wichtigsten ZSC-Spieler in diesem Final.Bild: keystone

Yannick Weber (35) schreibt die Heldengeschichte, die zu jeder Meistererzählung gehört. In den 11 Playoff-Partien hat er sich bereits 3 Tore und 5 Assists notieren lassen. Fast so viele Punkte wie während 52 Qualifikationspartien (4 Tore/5 Assists). Im Final ist er mit 3 Skorerpunkten (2 Tore/1 Assist) gar Liga-Topskorer. Solche Werte kennen wir sonst nur von Roman Josi. In dieser dritten Partie gegen Lausanne hat er das so wichtige 2:2 erzielt und beim Siegestreffer von Denis Malgin (3:2) hatte er den Stock im Spiel.

Simon Bodenmann (36) und Justin Sigrist (25) sind namenlose Helden. Die ZSC Lions wanken gegen Spielende unter dem Druck des Gegners, Lausanne dominiert das Schlussdrittel (13:7 Torschüsse). Da erwischt Justin Sigrist den Puck, enteilt allen Gegenspielern und trifft eiskalt zum 4:2 ins Netz von Connor Hughes. Die Erlösung. Die Entscheidung. Justin Sigrist hatte in der Qualifikation bloss einen Treffer erzielt.

Simon Bodenmann reitet ins Abendrot einer grossen Karriere: Er wird nach dieser Saison die Schlittschuhe an den Nagel hängen. Er war 2013 WM-Silberheld und in Bern zweimal Meister (2016 und 2017). Aber nun ist er ein «Hinterbänkler» geworden: Er war für die Partie am Donnerstag in Lausanne nicht einmal aufgeboten worden und hatte das Spiel zu Hause auf dem Sofa verfolgt.

Zuerichs Simon Bodenmann im Eishockeyspiel der National League zwischen den ZSC Lions und dem EHC Kloten am Samstag, 20. Januar 2024, in der Swiss Life Arena in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)
Simon Bodenmann ist unter Marc Crawford längst nicht mehr gesetzt.Bild: keystone

Wenn eine Mannschaft so ausgeglichen besetzt, so breit abgestützt ist, dass einer aus der vierten Linie den alles entscheidenden Treffer zum 4:2 erzielt und wenn einer, der einmal ein Star war, am Ende seiner Karriere klaglos und willig die Rolle eines Ergänzungsspielers und gut 10 Minuten Eiszeit übernimmt, dann findet diese Mannschaft auf alle schwierigen Situationen eine Antwort.

Am Donnerstag hatten die ZSC Lions in der bis dahin mit Abstand intensivsten Playoff-Partie auf die gegnerische Härte noch keine Antwort gefunden und die erste Niederlage (2:4) erlitten. Es war sozusagen das erste echte Playoff-Spiel und die grosse Frage war: Können die ZSC Lions Playoff? Nun wissen wir die Antwort: Ja, sie können Playoff.

Auch und gerade dank der namenlosen Helden. Lausanne war gleich gut wie beim 4:2 am Donnerstag. Aber die ZSC Lions waren schon fast im Quadrat besser, standfester als am Donnerstag. Deshalb ist es Lausanne trotz einer Führung (2:1) bei «Halbzeit» nicht gelungen, das Glück festzuhalten. Die ZSC Lions sind jetzt dem Titel gefühlt näher als vor zwei Jahren beim Stande von 3:0 gegen Zug.

Etwas Romantik gehört zu jeder Meister-Saga: Justin Sigrist hat seinen ersten Finaltreffer an seinem 25. Geburtstag erzielt.

PS: Die ZSC Lions brauchen noch zwei Siege zum Titelgewinn. Nächste Partie am Dienstag in Lausanne.

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20 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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isbär
21.04.2024 12:59registriert April 2024
Eindrückliche Reaktion des Z!
Geile und intensive Spiele.
Freue mich auf Dienstag!
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Zum Kommentar
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josoko
21.04.2024 16:38registriert Januar 2021
Ich hätte nicht gedacht, dass Lausanne so gut ist. Der ZSC mag favorisiert sein, aber Lausanne hat auch nicht gerade viele Schwächen gezeigt. Die sind schon gefährlich.
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