
Mit 35 Jahren und beeindruckender Vorgeschichte: Federica Brignone ist erstmals Olympiasiegerin.Bild: keystone
Im April brach sich Federica Brignone Schien- und Wadenbein und riss sich das Kreuzband. Nun fuhr die gebürtige Mailänderin im Olympia-Super-G allen davon. Auch Cornelia Hütter sorgte für eine schöne Geschichte – den Schweizerinnen gelang hingegen kein Exploit.
12.02.2026, 12:3412.02.2026, 15:53
«Es ist unglaublich, es ist verrückt, dass ich Gold habe!» Federica Brignone krönte sich zehn Monate nach ihrer schweren Verletzung zur Olympiasiegerin und war selbst wohl am überraschtesten. «Ich hätte nie gedacht, dass ich heute gewinne», sagte die Super-G-Siegerin im ORF, «ich habe das Unmögliche möglich gemacht.»
Die 35-jährige beeindruckte im schwierigen Super-G von Cortina mit einer überlegenen Fahrt zu ihrer ersten Goldmedaille bei Olympischen Spielen. Um 41 Hunderstelsekunden distanziert sie die Französin Romane Miradoli, die Silber holt. Die Österreicherin Cornelia Hütter holt in ihrem letzten Olympiarennen als Dritte endlich die lang ersehnte Medaille. Nur um eine Hundertstelsekunde distanziert sie ihre Landsfrau Ariane Rädler.
Die Siegesfahrt von Federica Brignone.Video: SRF
Die Geschichte des Tages schreibt aber Brignone. In der Saison 2024/25 war sie die grosse Figur, gewann Gesamtweltcup sowie die kleinen Kristallkugeln für die Abfahrts- und Riesenslalomwertung. Im April stürzte sie bei den italienischen Meisterschaften aber schwer und zog sich dabei schwere Verletzungen zu. Ein doppelter Schien- und Wadenbeinbruch sowie ein gerissenes Kreuzband lautete die Diagnose. Ab da begann ihr Kampf gegen die Zeit.
Von Beginn an war klar, dass es eine grosse Herausforderung sein würde, bis zu den Olympischen Spielen in ihrer Heimat dabei zu sein. Die gebürtige Mailänderin bewies aber ihren bekannten Kampfgeist, im November – 237 Tage nach dem schweren Unfall kehrte sie auf die Ski zurück. Doch noch immer schien eine Rückkehr in den Weltcup weit weg. Und dann, Mitte Januar, startete Brignone beim Riesenslalom in Kronplatz und wurde Sechste. Danach wurde sie im Super-G von Crans-Montana 18. und schon standen die Olympischen Spiele bevor.
Das SRF-Interview mit Brignone (Französisch).Video: SRF
Nach einem 10. Platz in der Abfahrt war unklar, ob sie auch den Super-G fahren würde. Schliesslich hätte sie mit einem Sturz im zweiten Speedrennen einen Start in ihrer Paradedisziplin Riesenslalom gefährden können. Doch Brignone ging dieses Risiko ein – und es zahlte sich aus.
Auf einem schwierigen Kurs fuhr sie gerade in der unteren Streckenhälfte, die viele Ausfälle forderte, allen davon. Sie fand die perfekte Linie – nicht zu direkt, nicht zu vorsichtig. Andere Topfahrerinnen wie Alice Robinson kamen dort von der Ideallinie ab oder schieden wie Sofia Goggia oder Emma Aicher aus. Und so krönte sich Federica Brignone, die bei Olympischen Spielen bereits Silber und zweimal Bronze holte, erstmals zur Olympiasiegerin.

Vor Romane Miradoli (l.) und Cornelia Hütter (r.) holte Federica Brignone die Goldmedaille.Bild: keystone
«Es ist unfassbar», schwärmte die verletzte Michelle Gisin beim SRF von Brignones Leistung. «Die kann man nicht hoch genug einschätzen.» Mit so einer schweren Verletzung überhaupt teilnehmen zu können, sei «schon fast ein Wunder. Dass sie sogar gewinnt, kann ich fast nicht fassen», sagte die 32-Jährige. Expertin Tina Weirather rührte der Erfolg der Lokalmatadorin gar zu Tränen. «Es ist eines der grössten Wunder, das ich in diesem Sport in den letzten 15 Jahren erlebt habe», so die 36-jährige Liechtensteinerin.
Am nächsten kam Brignone in den entscheidenden Abschnitten die Französin Romane Miradoli. Die 31-Jährige, die bei Grossanlässen noch nie auf dem Podest stand, und im Weltcup vor vier Jahren ihren einzigen Sieg feierte, sorgte damit für eine Überraschung.
Romane Miradoli kam Brignone am nächsten.Video: SRF
Dahinter sorgte Cornelia Hütter für einen versöhnlichen Abschluss ihrer Olympia-Karriere. Die 33-jährige Österreicherin, die in der Abfahrt Vierte und in der Team-Kombination mit Katharina Truppe Fünfte wurde, schnappte sich doch noch ihre erste olympische Medaille. Nur zwei Hundertstelsekunden langsamer und sie wäre wieder leer ausgegangen. Nun ist Ariane Rädler der Pechvogel, der mit dem knappsten möglichen Rückstand aufs Podest eine Medaille verpasst.
Den Schweizerinnen gelang kein Exploit. Malorie Blanc war mit dem Handicap von Startnummer 1 auf der tückischen Piste als Zehnte noch die Beste. Bis zur Hälfte war sie sogar noch schneller als Brignone, dann unterliefen ihr aber ein grosser und einige kleinere Fehler. Direkt dahinter platzierte sich Corinne Suter, der nach ihrer Verletzung weiterhin der Mut fehlte, wie sie selbst beim SRF erklärte. Delia Durrer fuhr mit über zweieinhalb Sekunden Rückstand auf Platz 17, Janine Schmitt schied aus. Damit bleibt das Schweizer Speed-Team bei den Olympischen Spielen ohne Medaille.
Bis zur Hälfte der Strecke war Blanc sehr gut unterwegs, danach folgten die Fehler.Video: SRF
Der Liveticker zum Nachlesen
Federica Brignone ist erstmals in ihrer grandiosen Karriere Olympiasiegerin – und das nur zehn Monate, nachdem sie sich einen doppelten Schien- und Wadenbeinbruch sowie einen Kreuzbandriss zugezogen hat. Dahinter holen Romane Miradoli Silber und Cornelia Hütter in ihrem letzten Olympia-Rennen Bronze.

Die als neutrale Athletin startende Russin ist wie die vor ihr startenden von oben an deutlich langsamer als Brignone, die sich bald Olympiasiegerin nennen darf. Pleshkova fährt ans Ende der Rangliste.
Die letzte Schweizerin im Super-G rückte für die verletzte Jasmine Flury nach. Delia Durrer ist aber langsam unterwegs und kommt als Zweitletzte ins Ziel.
Die Bosnierin ist bei der ersten Zwischenzeit im Mittelfeld unterwegs, fällt dann mit einer vorsichtigen Fahrt aber immer weiter zurück. Dafür kommt sie im Ziel an und bleibt immerhin vor Gasienica-Daniel.
Die polnische Riesenslalom-Spezialistin kommt im Super-G nicht auf Touren. Sie ist von oben bis unten deutlich langsamer als Federica Brignone und kommt als neue Letzte ins Ziel.
Und der nächste Ausfall: Die Kanadierin Grenier macht eine Kurve zu früh, versucht zu korrigieren, verpasst dann aber das übernächste Tor.
So ergeht es auch Janine Schmitt. Die 25-jährige St.Gallerin kommt nicht im Ziel an.
Federica Brignone wird im Zielraum geherzt, so langsam kann sie Gratulationen entgegennehmen. Aber einige Fahrerinnen stehen noch oben. Nina Ortlieb macht ihr die Führung aber nicht streitig, die Österreicherin scheidet im selben Teil aus wie schon viele vor ihr.
«Es war nicht ganz einfach. Mit der Nummer 1 war es noch eine grössere Herausforderung heute. Ich habe trotzdem versucht, Gas zu geben, und ohne den Fehler wäre das vielleicht etwas geworden. Aber es ist jetzt halt so.»
Und noch die letzte der vier US-Amerikanerinnen am Start: Jacqueline Wiles beginnt gut, verliert nach der Hälfte der Strecke aber doch schon fast acht Zehntelsekunden. Der Rückstand vergrössert sich noch deutlich, im Ziel ist Wiles mit knapp zwei Sekunden Rückstand 13.
Auch die 22-jährige Bocock ist von Beginn an chancenlos. Kurz nachdem SRF-Expertin Tina Weirather erklärt, bei den US-Amerikanerinnen jeweils froh zu sein, «wenn sie im Ziel sind», stürzt Mary Bocock nach der Welle heftig.
Die letzte der Top-20 ist gestartet. Die Französin verliert aber schon im oberen Teil drei Zehntelsekunden auf Brignone, danach kommt laufend eine Menge Zeit hinzu. Im Ziel hat Laura Gauché 1,61 Sekunden Rückstand.
Die Abfahrts-Olympiasiegerin beginnt mit grosser Hoffnung – und scheidet noch vor dem Duca-Sprung aus. Sie kommt zu spät auf eine Welle und springt genau auf ein Tor zu. Nach dem Einfädler prallt sie ins Auffangnetz, steht aber bald wieder auf den Ski und fährt hangab.
Nun kommen vier US-Amerikanerinnen in den nächsten fünf Fahrerinnen. Als Erste Keely Cashman, die nicht mithalten kann und im dritten Teil dann ebenfalls mehrmals von der Linie abkommt, am Ende übernimmt sie die rote Laterne von Corinne Suter.
Der nächste Ausfall im Super-G. Ilka Stuhec verliert schon in den ersten gut 40 Sekunden 1,36 Sekunden auf Brignone. Danach bekommt sie immer grössere Probleme und bekommt irgendwann die Kurve nicht mehr und scheidet aus.
Nachdem Miradoli eine sehr starke Fahrt zeigte, kann die nächste Französin nicht mithalten. Camille Cerutti fällt über eine Sekunde zurück und fährt auf Platz 8.
«Es ist kein einfacher Super-G, ich war zwei, drei Mal nicht gerade und hatte den Mut nicht, gerade nach vorne zu fahren. Das fehlt bei mir durch die Verletzung noch etwas. Es ist im Moment etwas schwierig.»
Die Französin fährt sehr stark, oben verliert sie etwas Zeit, aber sie ist im dritten Teil die Zweitschnellste und verliert auch unten kaum Zeit. Im Ziel ist Romane Miradoli elf Hundertstelsekunden schneller als Hütter und reiht sich auf dem zweiten Platz ein.

In der Super-G-Wertung ist die Neuseeländerin hinter Sofia Goggia Zweite. Sie verliert aber durchgehend Zeit auf Brignone und reiht sich auf Platz 7 ein. Nur die beiden Schweizerinnen waren langsamer.
Erstmals seit Langem ist wieder eine Fahrerin schneller als Brignone, im zweiten Teil muss sie nach einem weiten Sprung aber etwas Tempo rausnehmen und stellt auch danach mehrmals quer. So verliert sie viel Zeit und fällt hinter das Podest zurück.
Mit dem Selbstvertrauen von Gold in der Team-Kombination geht Ariane Rädler hier in den Super-G. Und die brillante Technikerin ist ähnlich schnell unterwegs wie Hütter und Curtoni vor ihr. Sie ist unten aber fast so schnell wie Brignone und kommt als Dritte ins Ziel. Nur eine Hundertstelsekunde trennt sie von Landsfrau Hütter.
Noch eine Italienerin, die Brignone herausfordern will. Gelingt es Elena Curtoni?
Auch sie ist bis zur zweiten Zwischenzeit gut unterwegs, dann kommen aber die schwierigen Kurven. Curtoni verliert hier auf Brignone und Hütter und fällt um nur eine Hundertstelsekunde hinter Laura Pirovano und das Podest zurück.
Die 33-Jährige wartet noch immer auf eine Olympiamedaille. Heute dürfte ihre letzte Chance sein. Bis zur zweiten Zwischenzeit ist sie ähnlich schnell wie Brignone, danach verliert sie einige Zehntelsekunden auf die überragende Führende, kommt aber trotz über einer halben Sekunde Rückstand als Zweite ins Ziel. Reicht das zur lang ersehnten Medaille?
Kann die italienische Speed-Queen ihre Landsfrau Brignone herausfordern? Vielleicht helfen ihr die Tipps aus dem Zielraum.
Oben wird die Sicht immer schlechter, doch Goggia hält mit der Führenden mit. Im zweiten Teil fährt sie extrem direkt und schnell, 64 Hundertstelsekunden beträgt ihr Vorsprung. Dann wird ihr das hohe Risiko aber zum Verhängnis, erst kann sie sich noch fangen, dann scheidet sie aber wie schon in der Abfahrt der Team-Kombination aus.

Im Snowboard erlebte sie eine grosse Enttäuschung und weinte bittere Tränen, jetzt steht Ester Ledecka in ihrer zweiten Sportart am Start. Oben verliert sie eine Viertelsekunde auf Brignone, holt dann aber etwas auf. Nur im unteren Streckenteil, in dem die Italienerin brillant gefahren ist, verliert Ledecka erst viel Zeit und nach den Wellen dann die Balance. Mit dem Sturz erlebt sie die nächste Enttäuschung an diesen Olympischen Spielen.
Nach Silber in Abfahrt und Team-Kombination will Emma Aicher eine weitere Medaille. Oben ist sie noch schneller als Brignone, dann verliert sie aber Zeit und im dritten Abschnitt scheidet die junge Deutsche dann aus. Im Slalom hat sie aber eine weitere Chance auf eine Medaille.
Auch die Italienerin kommt von einer Verletzung zurück. Brignone attackiert die Zeit ihrer Landsfrau voll, nur im zweiten Abschnitt ist sie etwas langsamer als Pirovano, ansonsten fährt sie aber hervorragend. Mit 76 Hundertstelsekunden Vorsprung geht die Gesamtweltcupsiegerin der Vorsaison in Führung.

Die Abfahrts-Olympiasiegerin von 2022 fährt noch immer mit Schmerzmitteln. Gelingt ihr im Super-G trotzdem der Befreiungsschlag? Sie beginnt hervorragend, führt bei der ersten Zwischenzeit mit 64 Hundertstelsekunden, ist dann in der Kurve aber etwas zu schnell und kommt von der Ideallinie. Sie verliert ihren gesamten Vorsprung bis zur zweiten Zwischenzeit und verliert auch im nächsten Abschnitt. Unten holt sie zwar nochmal auf, doch ist sie im Ziel die bisher langsamste.
Die erste Österreicherin steht am Start, was macht Mirjam Puchner nach den verkorksten Abfahrten im Super-G?
Puchner beginnt oben mit der schnellsten Zwischenzeit, macht dann aber denselben Fehler wie Weidle-Winkelmann vor ihr und scheidet nach einem kleinen Sprung aus.
Jetzt kommt die deutsche Silbermedaillengewinnerin aus der Team-Kombination. Sie startet gut, kommt dann aber von der Ideallinie ab und bekommt kurz darauf die Kurve nicht mehr. Eine Enttäuschung für die 29-jährige Kira Weidle-Winkelmann.

Laura Pirovano ist die erste Herausforderin für Blanc. Die Italienerin beginnt deutlich langsamer als die Schweizerin und verliert auch im zweiten Teil. Dann kommt aber der Teil, in dem es Blanc weit runtergetrieben hat, Pirovano geht deutlich in Führung.
Die Schweizerin Malorie Blanc eröffnet das Rennen. Sie ist die grösste Schweizer Hoffnung, was zeigt sie auf der Tofana, auf der sie sich in den Abfahrten noch nicht so wohl gefühlt hat? Die 22-Jährige kommt zwei, drei Mal von der Ideallinie ab und hat kleine Fehler drin. Das war wohl etwas zu viel des Risikos.

Am Morgen des Rennens zogen auf der Piste und im Zielbereich plötzlich Nebelschwaden auf. Die Sicht soll aber bereits wieder besser und der Start um 11.30 Uhr nicht gefährdet sein. Bald dürfte Malorie Blanc den Olympia-Super-G also eröffnen.
1 Malorie Blanc
2 Laura Pirovano
3 Kira Weidle-Winkelmann
4 Mirjam Puchner
5 Corinne Suter
6 Federica Brignone
7 Emma Aicher
8 Ester Ledecka
9 Sofia Goggia
10 Cornelia Hütter
11 Elena Curtoni
12 Ariane Rädler
13 Kajsa Lie
14 Alice Robinson
15 Romane Miradoli
16 Camille Cerutti
17 Ilka Stuhec
18 Keely Cashman
19 Breezy Johnson
20 Laura Gauché
21 Mary Bocock
22 Jacqueline Wiles
23 Nina Ortlieb
24 Janine Schmitt
25 Valérie Grenier
26 Maryna Gasienica-Daniel
27 Elvedina Muzaferija
28 Delia Durrer
29 Julia Pleshkova
30 Rosa Pohjolainen
Vor vier Jahren gewann die Schweiz in dieser Disziplin Gold durch Lara Gut-Behrami und Bronze durch Michelle Gisin. In Abwesenheit der verletzten Aushängeschilder ruhen die Schweizer Hoffnungen vor allem auf Malorie Blanc. Die 22-jährige Walliserin gewann in Crans-Montana sensationell das letzte Rennen vor den Olympischen Spielen und feierte ihren ersten Weltcup-Sieg. Delia Durrer, Janine Schmitt und Corinne Suter komplettieren das Schweizer Quartett, für das eine Medaille eine grosse Überraschung wäre.
Mit dem Super-G der Frauen steht heute in Cortina d'Ampezzo der letzte Speed-Wettbewerb der Olympischen Spiele 2026 an. Start ist um 11.30 Uhr, hier kannst du das Rennen im Liveticker und im Stream vom SRF verfolgen.