Noch mehr Zürcher Einfluss beim SCB – ein Grund zur Sorge?
Der Ausrüster ist ein wichtiger Geschäftspartner für jedes Hockeyunternehmen: Er liefert die Ausrüstungen für alle Teams und gewährleistet den Service. Es kommt schon mal vor, dass der Ausrüster jeden Tag eine Fachkraft vorbeischickt, um Wünsche der Spieler zu erfüllen.
Ausrüster eines NL-Klubs zu sein, bringt Prestige, aber wenig Gewinn: Ein Ausrüster erzielt mit einem NL-Klub pro Saison rund eine Million brutto Umsatz, muss aber auf dieser Summe 20 bis 30 Prozent Rabatt gewähren. Plus wird dem Ausrüster in der Regel ans Herz gelegt, sich auch als Sponsor sechsstellig beim Klub erkenntlich zu zeigen. Aber eben: Werbewirkung und Prestige sind auch wichtig.
Den Markt in der Schweiz teilen sich Interhockey, Ochsner Hockey (nicht zu verwechseln mit dem Sportartikel-Titanen Ochsner Sport) und Conte Sport auf.
Ochsner Hockey ist Ausrüster für die ZSC Lions, die Lakers, Kloten, Langnau, Gottéron, Lausanne und Davos. Conte Sport für Zug, Biel, Lugano und Ajoie. Interhockey für den SC Bern, Servette und Ambri.
Auf nächste Saison gibt es nun einen Wechsel: Interhockey verliert den SCB an Ochsner Hockey, 1969 gegründet von der Kloten-Legende Jürg Ochsner und heute geführt von seinem Sohn Sascha, einst Stürmer in Klotens Meisterteams der 1990er-Jahre.
Ein bedeutsamer Wechsel. Seit 38 Jahren ist Interhockey mit Sitz im bernischen Kirchberg SCB-Ausrüster und es hat nie irgendwelche Klagen gegeben. Ganz im Gegenteil. Die Kundenzufriedenheit ist gross. Weshalb dann dieser Wechsel, mit dem der SCB ein Stück bernische Identität aufgibt? SCB-General Marc Lüthi sagt: «Wir haben uns den Entscheid nicht leicht gemacht.» Eine 38-jährige Geschäftsbeziehung gibt man nicht einfach so auf und den Entscheid hat schliesslich der Verwaltungsrat abgesegnet. Der Grund: «Die Angebotspalette von Ochsner ist breiter.»
Roland Gerber, einst Torhüter beim SCB, Ambri und Langnau, ist VR-Präsident und Mehrheitsbesitzer von Interhockey. Er bedauert die Beendigung einer so langen Partnerschaft, sagt aber ohne jeden Groll: «Den Entscheid müssen wir akzeptieren, das gehört zum Geschäft und ändert nichts an unseren guten Beziehungen zum SCB, die wir auf persönlicher Ebene weiterhin pflegen.» Die Begründung von Marc Lüthi kann er allerdings nicht vollumfänglich nachvollziehen: «Ich bin überzeugt, dass wir in der Lage sind, den gleichen Service zu bieten und die gleichwertige Angebotspalette.»
Nun wissen wir, was die offiziellen Stellen zum Wechsel des SCB-Ausrüsters sagen. Aber wie immer gibt es auch eine inoffizielle Version. Kritiker monieren, der Einfluss der Zürcher in der SCB-Geschäftsleitung werde immer grösser. Bereits Pascal Signer (die Nummer zwei der Bürogeneräle hinter Marc Lüthi) und Obersportchef Martin Plüss sind Zürcher und auch Untersportchef Diego Piceci kommt aus der Ostschweiz (Rapperswil-Jona). Der Ausrüster-Wechsel sei von der Geschäftsleitung durchgesetzt und dann halt – wie es oft der Fall ist – vom Verwaltungsrat abgenickt worden.
Nun denn: Geschäft ist Geschäft. Aber wer in Bern fragt, ob der nun noch stärkere Einfluss der Zürcher ein Grund zur Sorge sei, bekommt nicht nur von Nostalgikern eine klare Antwort: Ja, es ist ein Grund zur Sorge. Quo vadis («wohin des Weges»), SC Bern, wenn einmal Marc Lüthi nicht mehr dabei ist und Kronprinz Pascal Signer im Tagesgeschäft das letzte Wort hat? Wir wollen nicht grübeln.
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