Was wären die Schweizer ohne Langnauer?
Andrea Glauser (29) ist Co-Captain unseres Olympiateams hier in Mailand. Mit zehn NHL-Profis, von denen einige in der wichtigsten Liga der Welt Starstatus haben. Roman Josi (Nashville) und Nico Hischier (New Jersey) führen ihre NHL-Teams gar als Captain. Die Lohngesamtsumme unserer NHL-Spieler hier in Mailand beläuft sich auf fast 50 Millionen Dollar.
Und da sass Andrea Glauser also als Co-Captain neben Captain Roman Josi und Nationaltrainer Patrick Fischer zwei Tage vor dem ersten Spiel im Swiss House um den Chronistinnen und Chronisten Auskunft zu geben. Die weiteren Co-Captains sind Nico Hischier, Nino Niederreiter und Kevin Fiala. Alle drei NHL-Stars und Niederreiter hat wie Josi bereits mehr als tausend Spiele in der NHL bestritten.
Andrea Glauser vertritt sozusagen unsere heimische Liga in der Führungsgruppe unsers Olympiateams. Er ist zwar bis 2018 bei den Junioren von Gottéron ausgebildet worden und verteidigt seit dieser Saison wieder für Gottéron. Aber was er heute ist – einer der besten Schweizer Verteidiger unserer Liga – wäre er ohne die SCL Tigers wahrscheinlich nicht geworden. «Das darf man so sagen. Ich bin zwar durch und durch einer von Gottéron, aber ich bin Langnau sehr, sehr dankbar und pflege noch immer gute persönliche Beziehungen ins Emmental.»
Im Sommer 2018 wechselte Andrea Glauser nach Langnau. Weil er bei Gottéron keine Chance auf einen Platz im Team hatte. «Ich bin Jörg Reber (damals Sportchef der SCL Tigers – die Red.) heute noch dankbar, dass er mich nach Langnau geholt und mir eine Chance gegeben hat.» In Langnau reifte der bei Gottéron verschmähte Junior in drei Jahren zu einem der besten Verteidiger mit Schweizer Pass, wechselte dann zu Lausanne (wo er 2024 und 2025 den Final erreichte) und ist nun auf diese Saison mit einem Vertrag bis 2032 zu Gottéron zurückgekehrt.
«Natürlich wissen wir nicht, was wäre, wenn ich die Chance in Langnau nicht bekommen hätte. Aber es ist gut, so wie es ist.» Nun hat soeben Jörg Rebers Sohn Jamiro (19) sein drittes Weiterbildungsjahr in Schweden (wo er es bis zu Einsätzen in der höchsten Liga brachte) vorzeitig abgebrochen und stürmt bereits für den Rest dieser Saison für Gottéron. Er hat einen Vertrag bis 2028 unterschrieben. «Sein Ehrgeiz und sein Wille, sich jeden Tag zu verbessern sind beeindruckend», sagt Andrea Glauser. «Es ist schon speziell für mich, dass nun der Sohn von Jörg Reber, dem ich so viel verdanke, mein Teamkollege geworden ist.»
Andrea Glauser steht für die Qualität des Ausbildungsklubs Langnau. Sein Salär könnten die Emmentaler heute nicht mehr bezahlen (mehr als 400'000 Franken pro Saison). Aber das ist der Weg der SCL Tigers: Spielern eine Chance geben, sich zu entwickeln, davon zu profitieren und sie dann, wenn sie bereit sind für den grossen Zahltag ziehen zu lassen.
Es gibt hier in Mailand noch einen Langnauer, der womöglich eine zentrale Rolle spielen wird: Akira Schmid (25). Er ist in Langnau ausgebildet worden und hat sich diese Saison bei Las Vegas in der NHL etabliert. Drei Goalies hat Nationaltrainer Patrick Fischer fürs Olympische Turnier nominiert: Leonardo Genoni, Reto Berra und Akira Schmid. Genoni war bei der letzten WM der beste Goalie des Turniers und hat die Schweiz dreimal (2018, 2024, 2025) in den Final gehext. Aber er wird – wie Reto Berra – in diesem Jahr 39. Mailand ist wohl für beide das letzte internationale Hurra der Karriere.
Alles steht und fällt für die Schweizer auf internationalem Niveau mit der Qualität der Goalies. Der einzige Nachfolger von Genoni und Berra ist eigentlich Akira Schmid (25), der seine besten Jahre erst noch vor sich hat. Aber für eine WM nur dann zur Verfügung steht, wenn sein Team in der NHL in den Playoffs ausgeschieden ist. Hier ist er dabei, weil die NHL Pause macht, um den Spielern das Olympische Abenteuer zu ermöglichen.
