Akira Schmid über Goalie-Konkurrenz in der Nati: «Das könnte mein Vorteil sein»
Bei den Olympischen Spielen, die für die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft am 12. Februar mit dem Spiel gegen Frankreich beginnen, setzt Trainer Patrick Fischer auf das Goalietrio Akira Schmid, Leonardo Genoni und Reto Berra. «Alle drei könnten die Rolle als Stammgoalie ausfüllen», sagt NHL-Profi Akira Schmid wenige Tage vor Beginn. Noch sei die Rollenverteilung nämlich offen.
Der 25-Jährige konnte in dieser Saison mit seinen Leistungen in der besten Liga der Welt einige Argumente liefern. Schon jetzt hat er mit 29 Einsätzen für die Vegas Golden Knights so viele wie nie zuvor in einer NHL-Saison. «Ich hatte sicher etwas Glück mit den Verletzungen der anderen», erklärt Schmid den Grund für die vielen Spiele. Sowohl Carter Hart als auch Adin Hill standen über längere Zeit nicht zur Verfügung. In diesen Phasen konnte der Emmentaler regelmässig überzeugen.
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— NHL (@NHL) February 5, 2026
Obwohl die Fangquote von 89,5 Prozent nicht überragend ist, lieferte er in einigen Spielen Topleistungen, gelangen ihm vier Shutouts – zwei davon über die volle Spielzeit – und wurde er mehrmals als einer der besten Spieler des Teams ausgezeichnet. «Ich bin sehr zufrieden mit meiner Leistung. Dadurch, dass ich häufiger spiele, kam ich in einen Flow und konnte mein Potenzial zeigen», so Schmid, der Vegas zu 16 Siegen führte.
Genoni und Berra als Vorbilder
Im Vergleich zu früheren Saisons, in denen es mal gut und mal schlecht lief, habe er besonders mental einen grossen Schritt gemacht. «Ich kann mich besser auf die Spiele vorbereiten. Ich habe gelernt, nicht gross vorauszuschauen, jedes Spiel für sich zu nehmen und einfach das Beste zu geben», berichtet Schmid und fügt an: «Das kommt sicher auch mit der Erfahrung.»
Diese könnte ihm auch bei den Olympischen Spielen helfen. Der 1,96-m-Mann vertrat die Schweiz bisher nur bei einem Turnier auf höchster Stufe: Beim Silbermedaillengewinn an der WM 2024 stand er in drei Partien auf dem Eis, wehrte fast 95 Prozent der Schüsse ab und sicherte der Nati zwei Siege. Dort konnte er auch von Genoni und Berra lernen. «Ich habe schon als Junge zu ihnen hochgeschaut. Sie haben so viel Erfahrung», schwärmt Schmid, «wie sie sich vorbereiten auf die Spiele – beide sind immer sehr gelassen und in einer guten Stimmung – war sehr lehrreich.»
Anders als Genoni und Berra tritt der NHL-Söldner auch im Klub Spiel für Spiel gegen die besten Stürmer der Welt an. «Das ist sicher ein Vorteil, aber ich muss mir die Position als Stammgoalie erkämpfen und die letzten Tage in Mailand dafür arbeiten.»
Bei den Olympischen Spielen in der italienischen Metropole will er auch andere Sportarten besuchen, Eiskunstlauf wird unter anderem ebenfalls in Mailand ausgetragen. Am liebsten hätte er sich jedoch ein Skirennen angeschaut, aber: «Das ist ein bisschen weit weg für uns.» Die Skistars um Marco Odermatt und Camille Rast fahren in Bormio bzw. Cortina. Schmid blickt bei seiner Premiere auch gespannt auf das olympische Dorf: «Ich will schauen, was da so abläuft.»
Eingespieltheit als Vorteil der Nati
Sportlich erwartet er ein hartes Turnier. «Alle haben das bestmögliche Team dabei», findet Schmid, fügt aber an: «Wir müssen uns nicht verstecken und können gross träumen.» Im Gegensatz zu den anderen Nationalteams, die kaum einmal in dieser Zusammensetzung spielten, hat die Schweiz einen entscheidenden Vorteil: «Wir sind sehr eingespielt und sind neben dem Eis eine verschworene Einheit.»
In der Gruppenphase mit Spielen gegen Frankreich, Kanada und Tschechien trifft Schmid auch auf vier Teamkollegen aus der NHL. Shea Theodore, Mitch Marner und Mark Stone spielen für Kanada, Tomas Hertl ist Teil des tschechischen Kaders. Die Vegas-Kollegen hätten sich sehr füreinander gefreut, aber es habe auch schon kleine Sticheleien gegeben. «Ich habe Tomas schon gesagt, dass er im Spiel dann andere Dinge auspacken muss als im Training», witzelt Schmid.
Lieber Berge als Casinos
Sein Vertrag in Vegas läuft nach dieser Saison aus, er sieht seine Zukunft aber auch darüber hinaus in der Spielerstadt. «Ich würde gerne hierbleiben», stellt Schmid klar. Im Bundesstaat Nevada gefällt es ihm, obwohl er mit den Casinos und dem ganzen Rummel nicht viel anfangen kann. Er lebt etwas ausserhalb von Vegas, dort sind die Berge nahe. «Ich bin eher eine Naturperson, die gerne rausgeht oder auch mal herumfährt. Das ist sehr gemütlich hier.»
Dass es in der Wüstenstadt gerade im Sommer sehr heiss ist und der Kontrast zum Eishockeystadion kaum grösser sein könnte, stört ihn nicht. «Früher dachte ich, dass es komisch sein würde, in Florida oder Vegas zu spielen, weil man sich bei diesem Wetter nicht nach Eishockeyspielen fühlt», gibt Schmid zu, aber: «Es ist fast besser. Wenn man einen schlechten Tag hatte, hilft das schöne Wetter sehr.»
Noch sei unklar, wie es zwischen ihm und den Vegas Golden Knights weiterlaufe. Nur so viel: «Die Verantwortlichen sind sehr zufrieden mit mir, haben sie gesagt.» Und wenn sie keinen Platz mehr für ihn hätten, dann wolle er bei einem anderen NHL-Team unterkommen. «Ich habe dieses Jahr gezeigt, dass ich Stammgoalie in der NHL sein kann.» Eine Rückkehr in die Schweiz, wo er bis 2018 bei den SCL Tigers ausgebildet wurde, sei aktuell «kein Thema».
