Ist Patrick Fischer auch ein «Medien-Opfer»?
Der mediale Sturm, der über Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer hereingebrochen ist, hat seinen Ursprung in Leutschenbach.
Am Montagabend tritt Patrick Fischer die Flucht nach vorne an und legt ein Geständnis ab, das inzwischen weit über die Hockeykreise hinaus Beachtung gefunden hat und zum dominierenden Medienthema dieser Woche geworden ist. Er hat sich vor den Olympischen Spielen 2022 nicht impfen lassen und ist mit einem gefälschten Impfausweis nach China eingereist. Es handelt sich also um Urkundenfälschung, in der trockenen Sprache der Juristen ein Verbrechen. Dafür ist er vor drei Jahren zu einer Busse von 38'910 Franken verurteilt worden.
Ein interessanter Aspekt in dieser Geschichte: SRF ist der wichtigste TV-Partner des Verbandes und hält die Liverechte für alle Länderspiele sowie die WM- und Olympiaturniere. Das ist umso bemerkenswerter, weil SRF alle Live-Rechte an der nationalen Meisterschaft verloren hat und sich deshalb auf die Berichterstattung rund um die Nationalmannschaft konzentriert. Nie in der Geschichte war die TV-Abdeckung des Nationalteams so umfassend wie heute. Mehr Eishockey-Nationalmannschaft hat es in unserem öffentlich-rechtlichen Fernsehen noch nie gegeben. Mit Patrick Fischer «demontiert» Leutschenbach also sozusagen den «eigenen» Posterboy, die zentrale Figur, ja den Star seiner umfangreichen Livesendungen über Eishockey. Im Rahmen einer grossen, von SRF live übertragenen Show ist er soeben sogar sportübergreifend zum Trainer des Jahres gewählt worden.
Ist Patrick Fischer letztlich auch ein «Medien-Opfer»? Hätte SRF den «Fall Fischer» nicht ins Rollen gebracht, niemand sonst wäre darauf gekommen. Die Information hatte ja nur SRF. Direkt von Patrick Fischer, der sich bei Dreharbeiten für einen TV-Beitrag über seine Person verplappert hatte. Hätte SRF die Story nicht einfach verschweigen können? Hat der Verband versucht, Einfluss zu nehmen?
SRF-Mediensprecherin Lorena Sauter sagt, es habe keinen Versuch einer Einflussnahme gegeben und begründet, warum auf die Geschichte nicht verzichtet worden ist. «Es handelt sich um eine rechtskräftig festgestellte Straftat (Urkundenfälschung), die eine Person in öffentlicher Funktion begangen hat. Zudem hat Patrick Fischer der Öffentlichkeit die Wahrheit verschwiegen. Als öffentliches Medium können wir nicht einen Sachverhalt mit klarem Nachrichtenwert und von öffentlichem Interesse kennen und verschweigen. Die Zusammenarbeit zwischen SRF und dem Schweizerischen Eishockeyverband spielte in der Abwägung der Frage, ob wir diese Geschichte publik machen oder nicht, keine Rolle.»
Und so hat eine Geschichte ihren Lauf genommen, die dazu führen kann, dass Patrick Fischer bei der WM in Zürich und Fribourg (ab 15. Mai) nicht mehr an der Bande unserer Nationalmannschaft stehen wird. Offiziell hält der Verband an Patrick Fischer fest und der Nationaltrainer will sein Amt nicht niederlegen. Aber die Frage ist, ob alle dem öffentlichen Druck in dieser Angelegenheit standhalten werden, der vorerst wohl nicht nachlassen wird.
Aber vielleicht wird sich ja etwas ganz anderes zeigen: Dass Patrick Fischer gestärkt aus diesem medialen Sturm hervorgeht. Weil er bereits zu gross geworden ist, um in einem Skandal unterzugehen – sozusagen eine ewige Lichtgestalt unseres Sports wie einst Ferdy Kübler oder wie heute Roger Federer oder Bernhard Russi und Marco Odermatt.
Das ganze Programm von TV24, 3+ und oneplus findest du hier.
