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Patrick Fischer: Ist er ein Medien-Opfer?

FILE -Head coach Patrick Fischer of Switzerland reacts during the group B match between Latvia and Switzerland at the ice hockey world championship in Riga, Latvia, May 23, 2023. (AP Photo/Roman Koksa ...
Patrick Fischer wird nach seinem Corona-Geständnis mit viel Kritik konfrontiert.Bild: keystone
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Ist Patrick Fischer auch ein «Medien-Opfer»?

Das öffentlich-rechtliche Fernsehen (SRF) enthüllt, dass Patrick Fischer ein Urkundenfälscher ist und demontiert die Lichtgestalt unseres Hockeys – der «Fall Fischer» ist auch eine Mediengeschichte.
14.04.2026, 17:4914.04.2026, 20:19

Der mediale Sturm, der über Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer hereingebrochen ist, hat seinen Ursprung in Leutschenbach.

Am Montagabend tritt Patrick Fischer die Flucht nach vorne an und legt ein Geständnis ab, das inzwischen weit über die Hockeykreise hinaus Beachtung gefunden hat und zum dominierenden Medienthema dieser Woche geworden ist. Er hat sich vor den Olympischen Spielen 2022 nicht impfen lassen und ist mit einem gefälschten Impfausweis nach China eingereist. Es handelt sich also um Urkundenfälschung, in der trockenen Sprache der Juristen ein Verbrechen. Dafür ist er vor drei Jahren zu einer Busse von 38'910 Franken verurteilt worden.

Das Geständnis von Patrick Fischer.Video: watson/nina bürge

Ein interessanter Aspekt in dieser Geschichte: SRF ist der wichtigste TV-Partner des Verbandes und hält die Liverechte für alle Länderspiele sowie die WM- und Olympiaturniere. Das ist umso bemerkenswerter, weil SRF alle Live-Rechte an der nationalen Meisterschaft verloren hat und sich deshalb auf die Berichterstattung rund um die Nationalmannschaft konzentriert. Nie in der Geschichte war die TV-Abdeckung des Nationalteams so umfassend wie heute. Mehr Eishockey-Nationalmannschaft hat es in unserem öffentlich-rechtlichen Fernsehen noch nie gegeben. Mit Patrick Fischer «demontiert» Leutschenbach also sozusagen den «eigenen» Posterboy, die zentrale Figur, ja den Star seiner umfangreichen Livesendungen über Eishockey. Im Rahmen einer grossen, von SRF live übertragenen Show ist er soeben sogar sportübergreifend zum Trainer des Jahres gewählt worden.

Ist Patrick Fischer letztlich auch ein «Medien-Opfer»? Hätte SRF den «Fall Fischer» nicht ins Rollen gebracht, niemand sonst wäre darauf gekommen. Die Information hatte ja nur SRF. Direkt von Patrick Fischer, der sich bei Dreharbeiten für einen TV-Beitrag über seine Person verplappert hatte. Hätte SRF die Story nicht einfach verschweigen können? Hat der Verband versucht, Einfluss zu nehmen?

Patrick Fischer, Eishockey, erhaelt den Preis als Trainer des Jahres 2025 an der Verleihung der Sports Awards 2025 am Sonntag, 29. Maerz 2026 in den Studios des SRF in Zuerich. Die Show wurde aufgrund ...
Erst vor wenigen Wochen wurde Fischer zum «Trainer des Jahres» gewählt.Bild: keystone

SRF-Mediensprecherin Lorena Sauter sagt, es habe keinen Versuch einer Einflussnahme gegeben und begründet, warum auf die Geschichte nicht verzichtet worden ist. «Es handelt sich um eine rechtskräftig festgestellte Straftat (Urkundenfälschung), die eine Person in öffentlicher Funktion begangen hat. Zudem hat Patrick Fischer der Öffentlichkeit die Wahrheit verschwiegen. Als öffentliches Medium können wir nicht einen Sachverhalt mit klarem Nachrichtenwert und von öffentlichem Interesse kennen und verschweigen. Die Zusammenarbeit zwischen SRF und dem Schweizerischen Eishockeyverband spielte in der Abwägung der Frage, ob wir diese Geschichte publik machen oder nicht, keine Rolle.»

Und so hat eine Geschichte ihren Lauf genommen, die dazu führen kann, dass Patrick Fischer bei der WM in Zürich und Fribourg (ab 15. Mai) nicht mehr an der Bande unserer Nationalmannschaft stehen wird. Offiziell hält der Verband an Patrick Fischer fest und der Nationaltrainer will sein Amt nicht niederlegen. Aber die Frage ist, ob alle dem öffentlichen Druck in dieser Angelegenheit standhalten werden, der vorerst wohl nicht nachlassen wird.

Aber vielleicht wird sich ja etwas ganz anderes zeigen: Dass Patrick Fischer gestärkt aus diesem medialen Sturm hervorgeht. Weil er bereits zu gross geworden ist, um in einem Skandal unterzugehen – sozusagen eine ewige Lichtgestalt unseres Sports wie einst Ferdy Kübler oder wie heute Roger Federer oder Bernhard Russi und Marco Odermatt.

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Die beliebtesten Kommentare
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BandwagonFan#1
14.04.2026 19:23registriert April 2022
Ist Fischer ein Opfer der Medien wird von der Person gefragt, die gerade die 4. Kolumne zu diesem Thema innerhalb von 24h veröffentlicht hat.

Genau mein Humor...
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Minotauro
14.04.2026 19:44registriert August 2022
Sorry, den schwarzen Peter hier dem SRF zuschieben, ist definitiv nicht angebracht Es wäre wohl besser gewesen, jemand anderes aus der Redaktion diese Artikel schreiben zu lassen. Ihre Symatie für Herr Fischer lässt sich in jedem zweiten Satz herauslesen.
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bokl
14.04.2026 19:51registriert Februar 2014
Nein, Fischer ist kein Opfer sondern klar ein (Straf)Täter. Auch Straftäter sollen und müssen natürlich einer Erwerbsarbeit nachgehen können. Aber Fischer hat die Standards für Mitglieder des Hockey-Nationalteams selber sehr hoch angesetzt und muss sich nun daran messen lassen. Ja er müsste sogar selber ins Handeln kommen. Auch wenn es so kurz vor der Heim-WM brutal schwer ist.
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