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Eismeister Zaugg: Der beste Hockey-Job der Welt – erst recht in Langnau

Tigers Saku Maeenalanen, beim Eishockey-Qualifikationsspiel der National League zwischen den SCL Tigers und dem HC Fribourg-Gotteron, am Samstag, 6. Januar 2024, in der Emmental Versicherungs Arena in ...
Ausländische Feldspieler in unserer National League wie Saku Mäenalanen sind weltweit die bestgeschützte Minderheit im Berufssport.Bild: keystone
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Der beste Hockey-Job der Welt – erst recht in Langnau

Keinerlei sichtbare Leistungsbereitschaft während Wochen. Aber den Stammplatz auf sicher, geradezu betoniert und ein bäumiges Salär. Gibt es das im modernen Leistungssport? Ja, das gibt es. Der beste Job des weltweiten Profisportes ist eine Anstellung als ausländischer Spieler bei einem Klub unserer höchsten Liga und wenn möglich in Langnau. Im Emmental – aber nicht nur dort – ist das Leistungsprinzip für das ausländische Personal nicht durchgehend gültig. Eine etwas stark gesalzene Polemik.
07.01.2024, 05:2807.01.2024, 14:21
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Ausländische Feldspieler in unserer National League sind weltweit die bestgeschützte Minderheit im Berufssport. Sie dürfen immer spielen, auch wenn sie völlig ausser Form sind oder keine Lust haben. Ersetzt werden sie höchstens durch einen anderen ausländischen Spieler. Aber nie durch einen Schweizer. Auch wenn ein Schweizer klar besser ist. Das gilt eigentlich für alle Klubs. Aber niemand treibt dieses absurde Spiel so auf die Spitze wie die Langnauer.

Sechs ausländische Spieler dürfen pro Partie eingesetzt werden. Sind sechs ausländische Spieler gesund, dann werden sie eingesetzt. Völlig unabhängig vom Form- und Fitnessstand. Sie haben Stammplatzgarantie.

Das krasseste Beispiel ist Saku Mäenalanen (29). Der hochtalentierte finnische Stürmer hat in den letzten neun Spielen einen einzigen Skorerpunkt beigesteuert. Er ist im Schnitt pro Partie weniger produktiv als Ramon Tanner und Verteidiger Noah Meier. In sieben dieser neun Partien ging er zudem mit einer Minus-Bilanz vom Eis. Kein Schweizer Spieler könnte sich mit einer so miserablen Leistung im Team halten.

Saku Mäenalanen aber erfreut sich höchster Wertschätzung des Trainers. Durchschnittlich kommt er auf etwas mehr als 17 Minuten Eiszeit pro Partie und über zwei Minuten davon im Powerplay. Soeben haben die Langnauer gegen Gottéron die achte Niederlage in Serie eingefahren. Saku Mäenalanen hat zu diesem Spiel nichts beigetragen. Keinen Skorerpunkt und bloss ein einziges Schüsschen aufs Tor. Aber er bekam 18:11 Minuten Eiszeit und davon 3:11 Minuten im Powerplay. Nur sein Landsmann Harri Pesonen kam von den Stürmern auf noch mehr Eiszeit und machte aus drei Abschlussversuchen immerhin ein Tor.

Es gibt in unserem Hockey ein ungeschriebenes Gesetz: Ausländische Spieler kommen immer zum Einsatz. Wenn nicht sechs zur Verfügung stehen, wird gemurrt. Es gibt kein Leistungsprinzip. Im schlimmsten Fall werden ausländische Spieler wegtransferiert. Aber solange sie beim Klub unter Vertrag stehen, spielen sie mit Stammplatzgarantie.

Wenn nicht für alle das Leistungsprinzip gilt, wenn sich innerhalb der Mannschaft eine Gruppe bilden kann, die sich leistungsmässig zu vieles erlauben darf, dann gibt es ein Problem. Warum ist das so? Warum fassen die Trainer ihre ausländischen Spieler mit Samthandschuhen an? Es ist ein Rätsel, das noch gelöst werden muss. Nach der Partie gegen Gottéron kommt es im Kabinengang zu folgendem kurzen Zwiegespräch von Trainer Thierry Paterlini mit einem dem Klub wohlgesinnten Chronisten.

Wäre es nicht an der Zeit, ein Zeichen zu setzen und mal einen der ausländischen Spieler für eine Partie, mit der Bemerkung «überzählig», auf die Tribüne zu verbannen?
Thierry Paterlini: Wen meinen Sie?

Zum Beispiel Saku Mäenalanen.
Und mit wem soll ich ihn ersetzen?

Mit einem Schweizer.
Mit welchem Schweizer?

Das müssen Sie entscheiden.

Einen Spieler mit ausländischer Lizenz zwischendurch bei ungenügender Leistung für eine Partie auf die Tribüne schicken, klar auf den Matchinformationen deklariert als «überzählig» bezeichnen, wie das bei Spielern mit Schweizer Lizenz oft der Fall ist, und beispielsweise durch einen talentierten, hungrigen Junior ersetzen: Das wäre ein Bekenntnis zur Leistungskultur für alle und im Interesse unseres Hockeys. Wie kann ein Trainer auf Dauer das Leistungsprinzip durchsetzen, wenn dieses Prinzip ausgerechnet für die nicht zu gelten scheint, die am meisten verdienen? «Lotterausländer» sind nicht nur auf dem Eis ein Problem. Sie zerrütten auf Dauer auch die Leistungskultur in der Kabine. Nur ein Trainer hat die Problematik diese Saison erkannt: Berns Jussi Tapola. Er setzt zwar auch keine ausländischen Spieler auf die Tribüne. Aber immerhin ordnet er an, dass die, die nicht ins Konzept passen – wie Martin Frk und Julius Honka – unverzüglich gehen müssen.

Letzte Saison hat Langnaus Sportchef auf die ungenügenden Leistungen von Alexandre Grenier reagiert, den Kanadier in die DEL (zu Berlin) transferiert und durch Cody Eakin ersetzt. Nun müsste er im Fall von Saku Mäenalanen eigentlich auch so reagieren. Aber er hat dem Finnen, beeindruckt von dessen ruhmreicher Vergangenheit (Olympiasieger und Weltmeister von 2022), einen gut dotierten Vertrag bis 2026 gegeben und so «untransferierbar» gemacht. Umso wichtiger wäre ein klares Zeichen, dass Nichtleistung sanktioniert wird. Ein Team wie Langnau, das mit der Leistung seines ausländischen Personals steht und fällt, ist verloren, wenn ein ausländischer Stürmer in 28 Partien bloss 9 Skorerpunkte beisteuert und darüber hinaus noch eine miserable Minus-9-Bilanz aufweist. Sollte Saku Mäenalanen nicht fit sein, dann wäre es in höchstem Masse unverantwortlich, ihn in dieser Verfassung einzusetzen und so stark zu forcieren.

Den Langnauern wird wieder einmal der Hang zur Genügsamkeit zum Verhängnis. Mit Intensität, Härte, Leidenschaft, Konzentration und Disziplin hätten die Emmentaler gegen ein Gottéron gewonnen, das in einem geradezu provokanten Schmetterlings-Stil allein dank seiner spielerischen Klasse nahezu unbehelligt zu einem Sieg (3:2) flatterte. Langnau kann gegen Gottéron nicht gewinnen, wenn sich nicht wenigstens Chris DiDomenico aufregt.

Aber die Sicht auf die Leistung ist eine andere. Lobend wird hinterher erwähnt, dass es gelungen sei, gegen ein Spitzenteam ins Spiel zurückzukehren und einen 0:2-Rückstand aufzuholen. Dabei ist gerade die Art und Weise, wie es ohne heroische Anstrengungen gelungen ist, auszugleichen, der Beweis dafür, wie fahrlässig der Sieg verschenkt worden ist. Und nebenbei wird noch eingestreut, einige seien krank gewesen. Der Kultreporter des Lokalradios Neo1 schmäht gar einen Chronisten, der die Leistung der Langnauer etwas kritisch beurteilt, und fragt sarkastisch, ob das Sehvermögen noch gereicht habe, das Spiel zu verfolgen. Zu viel Hockeyfolklore, zu wenig Leistungssport.

Die SCL Tigers waren auf dem Weg dazu, die Überraschungsmannschaft der Saison zu werden und mindestens ins Play-Inn zu stürmen. Deshalb haben die Emmentaler auch nach acht Niederlagen in Serie nach wie vor lediglich fünf Punkte Rückstand auf den 10. Rang und das Play-Inn. Aber nun sind sie drauf und dran, eine formidable Ausgangslage, die Früchte aller Anstrengungen des Septembers, des Oktobers und des Novembers, das Play-Inn und am Ende auch noch die Einladung zum nächsten Spengler Cup ohne Not zu verspielen.

Langnaus Krise (ein einziger Punkt in acht Spielen, letzter Sieg am 2. Dezember gegen Biel) ist hausgemacht. Der sportlich milde Herbst und der freundliche November haben dazu geführt, dass das Leistungsprinzip aufgeweicht worden ist. Die Langnauer sind seit dem Wiederaufstieg von 2015 dazu in der Lage, jede Krise doch noch zu meistern. In guter Erinnerung ist das siegreiche Playout-Drama gegen Ajoie im letzten Frühjahr. Aber sie sind nach wie vor einfach nicht fähig, gute Zeiten, ein paar Wochen mit resultatmässig schönem Wetter ohne Schaden an der sportlichen Seele zu überstehen. Deshalb sind sie nach wie vor ein «kleines» Team. Deshalb ist es ihnen, anders als den Lakers oder Ambri, bisher nicht gelungen, bis in die Höhen einer Qualifikation für die Champions League aufzusteigen. Und bis heute haben sie in der höchsten Liga keine einzige Playoff-Serie gewonnen.

Mal sehen, wie lange Saku Mäenalanen Trainer Thierry Paterlini und Sportchef Pascal Müller noch auf der Nase herumtanzen darf. Ende der etwas scharf gesalzenen Polemik.

  • Stürmer
  • Verteidiger
  • Torhüter
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Nation Flag

Aktuelle
Note

  • 7

    Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.

  • 6-7

    Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.

  • 5-6

    Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.

  • 4-5

    Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.

  • 3-4

    Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.

  • Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.

5,2

09.22

5,2

09.23

5,2

01.24

Punkte

Goals/Assists

Spiele

Strafminuten

  • Er ist

  • Er kann

  • Erwarte

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quelle: keystone / ennio leanza
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