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Lars Weibel im Fall Patrick Fischer – Untersuchung ist Papiertiger

Patrick Fischer, Lars Weibel, Patrick Fischer, Christian Marti und Leonardo Genoni, von links, erhalten den Preis Eishockey Nationalmannschaft Maenner Team des Jahres 2025 an der Verleihung der Sports ...
Wusste Patrick Fischers guter Freund Lars Weibel (r.) wirklich nicht über dessen Straftat Bescheid?Bild: keystone
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Ein «Persilschein» für Patrick Fischers Kumpel

Sportdirektor Lars Weibel wird verdächtigt, Mitwisser beim «Impfbschiss» seines Kumpels Patrick Fischer zu sein. Bald wird eine Untersuchung zeigen, dass er vollkommen unschuldig ist. Echt jetzt? Ja, so ist es. Garantiert.
23.04.2026, 17:0223.04.2026, 17:02

Das Drama «Die verlorene Ehre des Patrick Fischer» hat eine bisher weitgehend übersehene juristische Komponente. Der Verband (SIHF) hat nebst der Administrativuntersuchung von Swiss Sport Integrity auch selbst eine solche in Auftrag gegeben. Potz Donner! Da wird aufgeräumt! Nun wird sich zeigen, ob Sportdirektor Lars Weibel, Kumpel und direkter Vorgesetzter von Patrick Fischer nicht auch vom «Impfbschiss» gewusst hat! Diese Transparenz und Wahrheitsliebe, dieser Wille zur vorbehaltlosen Aufdeckung der Wahrheit ist wahrhaftig vorbildlich. Bravo! Oder doch nicht?

Wenn wir der Sache auf den Grund gehen, dürfen wir mit etwas Boshaftigkeit von einem möglichen «Untersuchungs-Bschiss» raunen. Wer denkt, dass die vom Verband in Auftrag gegebene Untersuchung womöglich nichts anderes ist als die Bestellung eines «Persilscheines» für Lars Weibel & Friends ist nicht einmal ein Schelm.

Hier die leicht gekürzte offizielle Stellungnahme durch Verbands-Oberkommunikationschefin Monika Reinhard:

«Die SIHF hat die renommierte Anwaltskanzlei NKF beauftragt, den Sachverhalt in einer Administrativuntersuchung zu ermitteln. NKF ist eine Anwaltskanzlei von hoher Reputation, die eine professionelle Untersuchung garantiert und viel Erfahrung und Kompetenz für derartige Administrativuntersuchungen für renommierte Klienten vereint … Eine Administrativuntersuchung dient dazu, den Sachverhalt zeitnah aufzuarbeiten. Dass dabei eine bekannte Rechtsvertretung involviert wird, ist durchaus gängig.»

Nun ist es aber so, dass die renommierte Anwaltskanzlei NKF die Verbands-Hauskanzlei ist und NFK-Mann Dr. jur. Andras Gurovits als Verbands-Hausjurist fungiert, der auch unter anderem SIHF-Reglemente und Statuten überarbeitet. Der Verband ist ein gern gesehener Kunde von NKF und für so renommierte Kanzleien sind Stundensätze von bis zu 700 Franken plus Spesen auf dem Platz Zürich nicht mal überrissen.

Was zu den guten, langjährigen Beziehungen beiträgt: Doktor Andras Gurovits sitzt in einem wichtigen Verbandsgremium: Er ist Vorsitzender der SIHF-Rechtspflegeaufsichtskommission.

Vizepraesident Andras Gurovits vom Grasshopper Club Zuerich im ersten Training waehrend der Corona-Pandemie auf dem GC Campus in Niederhasli, aufgenommen am Montag, 11. Mai 2020. (KEYSTONE/Ennio Leanz ...
Dr. jur. Andras Gurovits.Bild: KEYSTONE

Nun ist es so, dass es eigentlich Brauch ist, keine Administrativ-Untersuchungen bei eigenen Kunden zu machen. Die Glaubwürdigkeit leidet dann schon ein wenig. Deshalb folgende etwas polemische Anfrage des Chronisten bei Doktor Andras Gurovits:

«Sehr geehrter Herr Gurovits

Mit Erstaunen habe ich der offiziellen Medienmitteilung des Verbandes entnommen, dass Ihre Kanzlei mit der unabhängigen Untersuchung des Falles Fischer beim Verband beauftragt worden ist.

Gestatten Sie mir eine Frage: Kann eine Anwaltskanzlei, die den Verband als Kunden hat, eine unabhängige Untersuchung beim Verband führen? Kommt dazu, dass Sie ja sogar noch in einem Organ des Verbandes sitzen. Geht das konform mit «good governance»? Um populistisch zu formulieren: Ein unabhängiges Gutachten einer Kanzlei, die den zu Begutachteten als Kunde hat und die dort sogar in einem Justiz-Organ sitzt, ist – excusez l’expression – ein Witz.

Aber vielleicht liege ich ja falsch. Daher bitte ich Sie um Aufklärung und eine Stellungnahme.

Mit Gruss und Dank für eine zeitnahe Antwort/Stellungnahme.»

Eine schriftliche Antwort erfolgt nicht. Aber immerhin schliesslich ein Hosentelefon-Anruf von Doktor Andras Gurovits: «Zu einem laufenden Verfahren dürfen wir keine Stellung beziehen. Aber später können wir gerne zusammen einen Kaffee trinken.» Eine Einladung, die der Chronist gerne annehmen wird.

Wer wettet, dass die NKF-Administrativuntersuchung zum Schluss kommt, Lars Weibel habe rein gar nichts gewusst, auch sonst habe im ganzen weitläufigen Verbands-Fuchsbau niemand auch nur eine leise Ahnung von der Sache gehabt, geht kein Risiko ein. Der «Persilschein» für Lars Weibel & Friends ist bestellt. Und wird geliefert. Punkt.

Erklärstück dazu für Laien:

Papiertiger Administrativ-Untersuchung
Administrativuntersuchungen wie sie aktuell vom Verband selber und Swiss Sports Integrity in der «Causa Fischer» laufen, sind reine Papiertiger. Alle dürfen im Laufe dieser Untersuchung ungestraft lügen, sich gegenseitig absprechen, Akten- und Computereinsicht verweigern. Ja, niemand ist dazu verpflichtet überhaupt zu einer Befragung zu erscheinen oder auch nur die Bürotüre zu öffnen.

Der Grund: Jene, die eine solche Untersuchung führen, haben keinerlei Rechtsmittel zur Hand. Sie können niemanden vereidigen (dann wäre lügen eine Straftakt) und sie können sich keinen Zutritt zu Büros, Akten, Handys oder Computer verschaffen. Sie sind restlos darauf angewiesen, was freiwillig erzählt oder an Akteneinsicht gewährt wird. Eine Administrativ-Untersuchung in der Privatwirtschaft ist – im Gegensatz zum gleichen Verfahren bei staatlichen Stellen – verwaltungsrechtliches Verfahren bei Behörden, Departemente oder öffentliche Institutionen – eben kein staatliches Verfahren mit Zwangsbefugnissen, sie bewegt sich im Rahmen des Privatrechtes und hat keine hoheitlichen Mittel wie Polizei oder Staatsanwaltschaft. Alles in allem eigentlich Papiertiger, die dem Publikum vorgaukeln, alles sei mit rechten Dingen zu und hergegangen.​
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besserwisser#99
23.04.2026 17:14registriert September 2019
Es kann sein, dass Lars Weibel davon nichts wusste und oder davon kommt. Es gilt die Unschuldsvermutung. Dann wird es aber den Medienchef "treffen müssen". Der war beim Dreh dabei und wusste es seit ein paar Wochen. Hätte er nach dem abgebrochenen Dreh und der Anfrage des SRF's tatsächlich weder Kessler (der erfuhr es ja anscheinend erst 3 Tage davor) noch Weibel informiert, hätte der klar falsch gehandelt. Das kann ich mir aber nicht vorstellen...

Für das die Untersuchung nichts "Neues" mehr ans Licht bringt, haben bereits zu viele Involvierte zu viel gesagt. Das ist gar nicht mehr möglich.
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bärn
23.04.2026 21:11registriert Juli 2016
das war ja so absehbar wie dass morgen freitag ist.... dieser verband resp. deren funktionäre sind bestenfalls hochbezahlte schönwetterkapitäne. aber klaus, mit dir muss ich auch noch schimpfen: habe heute den club vom dienstag nachgeschaut... uiui da hast du aber leider überhaupt nicht geglänzt, leider auch nicht neben dem unsäglichen chatelain... aber zusammen habt ihr euch als duo tapfer ergänzt, leider im negativen sinne...
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Chnebeler
23.04.2026 22:43registriert Dezember 2016
Ich verstehe es langsam nicht mehr lieber Eismeister.
Fischer soll man in ruhe lassen aber Weibel ist böse und gehört an den Pranger?

Ich werde langsam das Gefühl nicht los, Fischer sollte nach der WM neuer SCB Coach werden. Dazu passt, dass Bern Ende Mai kommunizieren wollte, der Eismeister Feuer und Flamme ist und zuletzt auch der gut in der SCB Führung vernetzte Josi mithilft.

Deshalb 'muss' Fischer geläutert und ein anderer Sündenbock in den Medien breit getreten werden.

Aber ich schweife schon tief in Spekulationen ab und habe keine Gewährsleute als anonyme Referenz.
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