Ein «Persilschein» für Patrick Fischers Kumpel
Das Drama «Die verlorene Ehre des Patrick Fischer» hat eine bisher weitgehend übersehene juristische Komponente. Der Verband (SIHF) hat nebst der Administrativuntersuchung von Swiss Sport Integrity auch selbst eine solche in Auftrag gegeben. Potz Donner! Da wird aufgeräumt! Nun wird sich zeigen, ob Sportdirektor Lars Weibel, Kumpel und direkter Vorgesetzter von Patrick Fischer nicht auch vom «Impfbschiss» gewusst hat! Diese Transparenz und Wahrheitsliebe, dieser Wille zur vorbehaltlosen Aufdeckung der Wahrheit ist wahrhaftig vorbildlich. Bravo! Oder doch nicht?
Wenn wir der Sache auf den Grund gehen, dürfen wir mit etwas Boshaftigkeit von einem möglichen «Untersuchungs-Bschiss» raunen. Wer denkt, dass die vom Verband in Auftrag gegebene Untersuchung womöglich nichts anderes ist als die Bestellung eines «Persilscheines» für Lars Weibel & Friends ist nicht einmal ein Schelm.
Hier die leicht gekürzte offizielle Stellungnahme durch Verbands-Oberkommunikationschefin Monika Reinhard:
Nun ist es aber so, dass die renommierte Anwaltskanzlei NKF die Verbands-Hauskanzlei ist und NFK-Mann Dr. jur. Andras Gurovits als Verbands-Hausjurist fungiert, der auch unter anderem SIHF-Reglemente und Statuten überarbeitet. Der Verband ist ein gern gesehener Kunde von NKF und für so renommierte Kanzleien sind Stundensätze von bis zu 700 Franken plus Spesen auf dem Platz Zürich nicht mal überrissen.
Was zu den guten, langjährigen Beziehungen beiträgt: Doktor Andras Gurovits sitzt in einem wichtigen Verbandsgremium: Er ist Vorsitzender der SIHF-Rechtspflegeaufsichtskommission.
Nun ist es so, dass es eigentlich Brauch ist, keine Administrativ-Untersuchungen bei eigenen Kunden zu machen. Die Glaubwürdigkeit leidet dann schon ein wenig. Deshalb folgende etwas polemische Anfrage des Chronisten bei Doktor Andras Gurovits:
Mit Erstaunen habe ich der offiziellen Medienmitteilung des Verbandes entnommen, dass Ihre Kanzlei mit der unabhängigen Untersuchung des Falles Fischer beim Verband beauftragt worden ist.
Gestatten Sie mir eine Frage: Kann eine Anwaltskanzlei, die den Verband als Kunden hat, eine unabhängige Untersuchung beim Verband führen? Kommt dazu, dass Sie ja sogar noch in einem Organ des Verbandes sitzen. Geht das konform mit «good governance»? Um populistisch zu formulieren: Ein unabhängiges Gutachten einer Kanzlei, die den zu Begutachteten als Kunde hat und die dort sogar in einem Justiz-Organ sitzt, ist – excusez l’expression – ein Witz.
Aber vielleicht liege ich ja falsch. Daher bitte ich Sie um Aufklärung und eine Stellungnahme.
Mit Gruss und Dank für eine zeitnahe Antwort/Stellungnahme.»
Eine schriftliche Antwort erfolgt nicht. Aber immerhin schliesslich ein Hosentelefon-Anruf von Doktor Andras Gurovits: «Zu einem laufenden Verfahren dürfen wir keine Stellung beziehen. Aber später können wir gerne zusammen einen Kaffee trinken.» Eine Einladung, die der Chronist gerne annehmen wird.
Wer wettet, dass die NKF-Administrativuntersuchung zum Schluss kommt, Lars Weibel habe rein gar nichts gewusst, auch sonst habe im ganzen weitläufigen Verbands-Fuchsbau niemand auch nur eine leise Ahnung von der Sache gehabt, geht kein Risiko ein. Der «Persilschein» für Lars Weibel & Friends ist bestellt. Und wird geliefert. Punkt.
Erklärstück dazu für Laien:
Der Grund: Jene, die eine solche Untersuchung führen, haben keinerlei Rechtsmittel zur Hand. Sie können niemanden vereidigen (dann wäre lügen eine Straftakt) und sie können sich keinen Zutritt zu Büros, Akten, Handys oder Computer verschaffen. Sie sind restlos darauf angewiesen, was freiwillig erzählt oder an Akteneinsicht gewährt wird. Eine Administrativ-Untersuchung in der Privatwirtschaft ist – im Gegensatz zum gleichen Verfahren bei staatlichen Stellen – verwaltungsrechtliches Verfahren bei Behörden, Departemente oder öffentliche Institutionen – eben kein staatliches Verfahren mit Zwangsbefugnissen, sie bewegt sich im Rahmen des Privatrechtes und hat keine hoheitlichen Mittel wie Polizei oder Staatsanwaltschaft. Alles in allem eigentlich Papiertiger, die dem Publikum vorgaukeln, alles sei mit rechten Dingen zu und hergegangen.
