«Hielt es nicht für möglich»: Nati-Goalie Genoni spricht über die Fischer-Entlassung
Noch rund dreieinhalb Wochen, bis für die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft die Weltmeisterschaft im eigenen Land starten wird. Über das Sportliche wurde in den letzten neun Tagen kaum gesprochen. Das grosse Thema ist der Fälschungsskandal rund um den ehemaligen Nati-Trainer Patrick Fischer.
Nachdem die Nati-Spieler, welche mit ihren Teams in den Playoffs bereits ausgeschieden waren, vor einer Woche in der Slowakei noch einen Maulkorb verpasst bekommen hatten, standen sie am heutigen Mittwoch wieder vor den Medien. Auch der siebenfache Schweizer Meister Leonardo Genoni sprach darüber, wie er die Entlassung von Fischer miterlebte.
Fischer verkündete die Entlassung gegenüber dem Team
Als das Video mit dem Fischer-Geständnis am Montag vor einer Woche aufgetaucht war, war der Torhüter erstaunt und dachte im ersten Moment nicht, dass es ein so grosses Thema wird. «Ich rechnete definitiv nicht damit und auch nicht, dass es uns die ganze Woche so begleiten wird», sagt Genoni dazu, welcher 2022 bei den Olympischen Spielen auch dabei war. «Ich war in Peking auch ein Teil des Teams und ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass das überhaupt machbar ist.»
Die Entlassung von Fischer erfolgte, als sich die Hockey-Nati in der Slowakei auf zwei Testspiele vorbereitete. Nachdem Fischer von seiner Entlassung erfahren hatte, war er die Person, die es der Mannschaft erzählte. «Er hat uns das selbst verkündet, und so ein Abschied ist nicht schön. Aber ihm war es wichtig, dass er die Nachricht überbringen konnte. So konnte er sich auch nochmals von jedem verabschieden», schildert der Torhüter vom EV Zug die Situation.
Bereits vor dem ganzen Thema um den Fälschungsskandal war klar, dass Fischer nach der WM als Nati-Trainer zurücktreten wird. «Man wusste, dass es in eineinhalb Monaten am letzten Sonntagabend der WM spätestens zu Ende gewesen wäre, dann weiss man auch, was kommt», antwortete Genoni auf die Frage, ob es nach der Entlassung emotional geworden ist, und stellte klar: «So war halt nicht klar, was passieren wird, und dann kam es halt plötzlich Knall auf Fall. Klar war es emotional.»
Es bleibt beim selben Ziel
Bei der Verkündigung der Entlassung blieb Fischer gegenüber der Mannschaft trotzdem positiv und stellte gemäss Genoni klar, dass der langjährige Trainer weiterhin an das Team glaubt. Auch der Schweizer Schlussmann zeigt sich selbstbewusst und findet, dass die Mannschaft auf einem guten Weg ist und auch in der zweiten Vorbereitungswoche weiterhin gute Fortschritte macht. «Die Mannschaft ist sich bewusst, dass es weitergeht und das Ziel eine erfolgreiche Heim-WM bleibt.»
Viel Lob erhält der neue Nati-Trainer Jan Cadieux von seinem Torhüter. «Er wurde ins kalte Wasser geworfen, aber er hatte einen guten Start und machte zu Beginn ein gutes Statement, als er vor die Mannschaft trat. Er weiss, dass die Mannschaft hinter ihm steht, und er spürt auch das Vertrauen», sagt Genoni dazu. Gelobt wird Cadieux auch für seine Sprachfähigkeiten. «Das ist in der Schweiz leider schon fast beeindruckend, dass jemand alle Landessprachen beherrscht», gibt Genoni zu.
Schon wieder ein Trainerwechsel für Genoni
Für Genoni ist es nicht der erste Trainerwechsel, den er in diesem Jahr miterlebt. Bereits beim EV Zug wurde im Januar Michael Liniger entlassen. «Es ist natürlich nicht so schön diese Saison», gesteht der letztjährige WM-MVP, findet aber auch, dass die beiden Wechsel nicht miteinander verglichen werden können.
Nur einen Tag nach der Entlassung von Fischer stand bereits das erste Vorbereitungsspiel für die WM an. Genoni stand in dieser Partie gegen die Slowakei im Tor. Für Genoni war es kein Problem, den Fokus voll auf die Partie zu richten: «Da muss man Profi genug sein. Wir spielen internationale Spiele und dann kann der Kopf nicht woanders sein.»
Keine Spaltung im Team
Nach der Slowakei-Reise bekamen die Spieler bis Montag frei. Kaum begann die Vorbereitung für die Testspiele gegen Ungarn, fiel am Dienstag aber die nächste grosse Bombe: Wie watson-Eismeister Klaus Zaugg erfuhr, schrieb Nati-Captain Roman Josi einen Brief an den Verband, in welchem er forderte, dass Fischer in die Nati zurückkehren soll. «Das war ein Brief, welcher intern hätte bleiben sollen, ich werde dazu nichts sagen», erklärt der 38-Jährige, stellt aber auch gleichzeitig klar, dass er nicht das Gefühl habe, dass die Mannschaft deswegen gespalten ist. «Wir waren in einem grossen Austausch mit der Mannschaft. Wir haben gute Diskussionen und verschiedene Meinungen, aber es ist keine Spaltung vorhanden.» Das Ziel bleibe gemäss Genoni sowieso das gleiche, und zwar an der Heim-WM erfolgreich zu sein.
Auf die Weltmeisterschaft soll nun auch wieder der Fokus gelegt werden. Genoni hofft, dass sich die ganze Debatte rund um Fischer nun legen wird, nachdem auch die Spieler darüber reden durften.
