Sport
Eishockey

Leonardo Genoni spricht über die Entlassung von Patrick Fischer

Leonardo Genoni im Interview.Video: watson/nina bürge

«Hielt es nicht für möglich»: Nati-Goalie Genoni spricht über die Fischer-Entlassung

Erstmals seit der Entlassung von Patrick Fischer durften die Spieler der Eishockeynationalmannschaft mit den Medien sprechen. Torhüter Leonardo Genoni erzählt, wie er die letzten Tage miterlebt hat.
22.04.2026, 17:1622.04.2026, 17:41

Noch rund dreieinhalb Wochen, bis für die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft die Weltmeisterschaft im eigenen Land starten wird. Über das Sportliche wurde in den letzten neun Tagen kaum gesprochen. Das grosse Thema ist der Fälschungsskandal rund um den ehemaligen Nati-Trainer Patrick Fischer.

Nachdem die Nati-Spieler, welche mit ihren Teams in den Playoffs bereits ausgeschieden waren, vor einer Woche in der Slowakei noch einen Maulkorb verpasst bekommen hatten, standen sie am heutigen Mittwoch wieder vor den Medien. Auch der siebenfache Schweizer Meister Leonardo Genoni sprach darüber, wie er die Entlassung von Fischer miterlebte.

Fischer verkündete die Entlassung gegenüber dem Team

Als das Video mit dem Fischer-Geständnis am Montag vor einer Woche aufgetaucht war, war der Torhüter erstaunt und dachte im ersten Moment nicht, dass es ein so grosses Thema wird. «Ich rechnete definitiv nicht damit und auch nicht, dass es uns die ganze Woche so begleiten wird», sagt Genoni dazu, welcher 2022 bei den Olympischen Spielen auch dabei war. «Ich war in Peking auch ein Teil des Teams und ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass das überhaupt machbar ist.»

Patrick Fischer, head coach of Switzerland national ice hockey team, talks with Switzerland's goaltender Leonardo Genoni, left, during a Switzerland team training session at the IIHF 2025 World C ...
Leonardo Genoni und Patrick Fischer im Gespräch.Bild: keystone

Die Entlassung von Fischer erfolgte, als sich die Hockey-Nati in der Slowakei auf zwei Testspiele vorbereitete. Nachdem Fischer von seiner Entlassung erfahren hatte, war er die Person, die es der Mannschaft erzählte. «Er hat uns das selbst verkündet, und so ein Abschied ist nicht schön. Aber ihm war es wichtig, dass er die Nachricht überbringen konnte. So konnte er sich auch nochmals von jedem verabschieden», schildert der Torhüter vom EV Zug die Situation.

Bereits vor dem ganzen Thema um den Fälschungsskandal war klar, dass Fischer nach der WM als Nati-Trainer zurücktreten wird. «Man wusste, dass es in eineinhalb Monaten am letzten Sonntagabend der WM spätestens zu Ende gewesen wäre, dann weiss man auch, was kommt», antwortete Genoni auf die Frage, ob es nach der Entlassung emotional geworden ist, und stellte klar: «So war halt nicht klar, was passieren wird, und dann kam es halt plötzlich Knall auf Fall. Klar war es emotional.»

Leonardo Genoni, Torhueter der Eishockey Nationalmannschaft, spricht zu den Medien am Rand einer Trainings des Nationalteams, am Mittwoch, 22. April 2026 in der Tissot-Arena in Biel. (KEYSTONE/Alessan ...
Genoni bereitet sich mit der Nati aktuell auf die Heim-WM vor.Bild: keystone

Es bleibt beim selben Ziel

Bei der Verkündigung der Entlassung blieb Fischer gegenüber der Mannschaft trotzdem positiv und stellte gemäss Genoni klar, dass der langjährige Trainer weiterhin an das Team glaubt. Auch der Schweizer Schlussmann zeigt sich selbstbewusst und findet, dass die Mannschaft auf einem guten Weg ist und auch in der zweiten Vorbereitungswoche weiterhin gute Fortschritte macht. «Die Mannschaft ist sich bewusst, dass es weitergeht und das Ziel eine erfolgreiche Heim-WM bleibt.»

Viel Lob erhält der neue Nati-Trainer Jan Cadieux von seinem Torhüter. «Er wurde ins kalte Wasser geworfen, aber er hatte einen guten Start und machte zu Beginn ein gutes Statement, als er vor die Mannschaft trat. Er weiss, dass die Mannschaft hinter ihm steht, und er spürt auch das Vertrauen», sagt Genoni dazu. Gelobt wird Cadieux auch für seine Sprachfähigkeiten. «Das ist in der Schweiz leider schon fast beeindruckend, dass jemand alle Landessprachen beherrscht», gibt Genoni zu.

Der neue Head Coach der Schweizer Eishockey Nationalmannschaft, Jan Cadieux, leitet das Training des Nationalteams, am Mittwoch, 22. April 2026 in der Tissot-Arena in Biel. (KEYSTONE/Alessandro della  ...
Nati-Trainer Jan Cadieux beim Training.Bild: keystone

Schon wieder ein Trainerwechsel für Genoni

Für Genoni ist es nicht der erste Trainerwechsel, den er in diesem Jahr miterlebt. Bereits beim EV Zug wurde im Januar Michael Liniger entlassen. «Es ist natürlich nicht so schön diese Saison», gesteht der letztjährige WM-MVP, findet aber auch, dass die beiden Wechsel nicht miteinander verglichen werden können.

Nur einen Tag nach der Entlassung von Fischer stand bereits das erste Vorbereitungsspiel für die WM an. Genoni stand in dieser Partie gegen die Slowakei im Tor. Für Genoni war es kein Problem, den Fokus voll auf die Partie zu richten: «Da muss man Profi genug sein. Wir spielen internationale Spiele und dann kann der Kopf nicht woanders sein.»

Goalkeeper Leonardo Genoni of Switzerland, right, streches during warm up ahead of a friedly ice hockey match between Slovakia and Switzerland in Topolcany, Slovakia. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)
Einen Tag nach der Fischer-Entlassung stand ein Testspiel an.Bild: keystone

Keine Spaltung im Team

Nach der Slowakei-Reise bekamen die Spieler bis Montag frei. Kaum begann die Vorbereitung für die Testspiele gegen Ungarn, fiel am Dienstag aber die nächste grosse Bombe: Wie watson-Eismeister Klaus Zaugg erfuhr, schrieb Nati-Captain Roman Josi einen Brief an den Verband, in welchem er forderte, dass Fischer in die Nati zurückkehren soll. «Das war ein Brief, welcher intern hätte bleiben sollen, ich werde dazu nichts sagen», erklärt der 38-Jährige, stellt aber auch gleichzeitig klar, dass er nicht das Gefühl habe, dass die Mannschaft deswegen gespalten ist. «Wir waren in einem grossen Austausch mit der Mannschaft. Wir haben gute Diskussionen und verschiedene Meinungen, aber es ist keine Spaltung vorhanden.» Das Ziel bleibe gemäss Genoni sowieso das gleiche, und zwar an der Heim-WM erfolgreich zu sein.

Auf die Weltmeisterschaft soll nun auch wieder der Fokus gelegt werden. Genoni hofft, dass sich die ganze Debatte rund um Fischer nun legen wird, nachdem auch die Spieler darüber reden durften.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die besten Bilder der Eishockey-WM 2024
1 / 35
Die besten Bilder der Eishockey-WM 2024
Tschechien feiert den WM-Titel zuhause im Goldregen.
quelle: keystone / petr david josek
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Patrick Fischer reist mit gefälschtem Covid-Zertifikat
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
6 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Kucy
22.04.2026 17:28registriert August 2015
Wenigstens ein Profi, der weiss wie Kommunikation geht.
342
Melden
Zum Kommentar
avatar
Donny Drumpf
22.04.2026 17:32registriert November 2019
Ich hoffe Genoni geht mal in die Politik. Ich würd ihn wählen. Seine Aussagen und Analysen haben Substanz ohne zuviel Emotionalität.
225
Melden
Zum Kommentar
6
Diese Schweizer Nati-Spieler sind im Panini-Album zur WM 2026
Was du hier findest? Aussergewöhnliche Tore, kuriose Szenen, Memes, Bilder, Videos und alles, das zu gut ist, um es nicht zu zeigen. Lauter Dinge, die wir ohne viele Worte in unseren Sport-Chats mit den Kollegen teilen – und damit auch mit dir. Chat-Futter eben.
Zur Story